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Bei einer Regatta überholt ein chinesisches Segelschiff ein US-amerikanisches: Auf lange Sicht geht es um die Hegemonie unter den Weltmächten | © Getty Images

Aktienmärkte Warum uns Handelskonflikte keine Angst machen sollten

Der Zollstreit zwischen den USA und China verunsichert viele Anleger. Sollen wir deshalb Aktien meiden? Nur Mut! Qualität setzt sich durch. Ein Plädoyer von Thomas Lehr, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch, für langfristiges Investieren.

13.08.2019 - 10:42 Uhr | in Artikel

Der Konflikt der USA mit China schreckt aktuell viele Anleger. Eine protektionistische Auseinandersetzung der beiden größten Volkswirtschaften der Welt hat selbstverständlich das Potenzial, ganze Wertschöpfungsketten zu zerstören. Ein weiter eskalierender Handelskrieg hätte natürlich auch Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum, in den USA, China und der restlichen Welt.

Aus unserer Sicht erscheint es aber beinahe unmöglich, den Fortgang dieses Konfliktes seriös zu prognostizieren. Es geht auf lange Sicht nicht „nur“ um Zölle, sondern um die technologische, politische und ökonomische Hegemonie unter den Weltmächten. Einerseits erscheint der erratische US-Präsident (nicht nur im Wahlkampf) völlig unberechenbar. Andererseits hat eben dieser Präsident seiner Wählerschaft Wohlstand und Jobs versprochen. Ein Konjunktureinbruch und Kurssturz am Aktienmarkt würden die Bilanz seiner Amtszeit zerstören. Ein solches Szenario gefährdet Trumps Wiederwahl.

Investieren ohne Kristallkugel

Über den Ausgang des Konfliktes lässt sich trefflich streiten. Wir orientieren uns an den Fakten. Für die Marktteilnehmer ist das Thema alles andere als neu. Schon seit mehr als anderthalb Jahren sorgt es für Verunsicherung. Zyklische Aktienindizes, wie beispielsweise der deutsche Leitindex Dax, haben in dieser Zeit deutlich nachgegeben. Zu einem gewissen Teil spiegelt das Kursniveau diese Verunsicherung also bereits wider. Aktien von konjunkturabhängigen Unternehmen erscheinen, mit Blick auf Gewinnrenditen und Kurs-Gewinn-Verhältnisse, selbst im langjährigen Vergleich inzwischen sogar günstig.

Defensivere Titel von Unternehmen, die nicht nur in Wachstumszeiten stabile Erträge erwirtschaften, sind weniger stark betroffen. Selbst für einen Anleger, der vor zwei Jahren auf eine kontinuierliche Eskalation mit immer neuen Zöllen gesetzt hat, hätte sich ein Investment in den Aktienmarkt lohnen können.

Oder zugespitzt formuliert: Wer hätte etwa vor zwei Jahren in den Aktienmarkt investiert, wenn er gewusst hätte, dass der Streit zwischen China und den USA eskaliert? Und wer würde sich heute in der Rückschau nicht darüber ärgern, nicht investiert zu haben, obwohl es eben diese Eskalationen gab? Der Aktienindex MSCI Welt legte in den vergangenen zwei Jahren knapp 20 Prozent zu (in Euro, inklusive Dividenden). Die Grafik  auf der folgenden Seite gibt einen Überblick über die Maßnahmen der US-Regierung und zeigt, dass die „Handelspolitik“ Trumps vor allem von Eskalation und Deeskalation geprägt ist.

Wir spekulieren nicht, sondern investieren langfristig. Der Horizont beträgt mehr als fünf Jahre, besser zehn. Auf Basis unseres anlagestrategischen Weltbildes und unserer Investmentleitlinien stellen wir unsere Depots robust auf. Das tun wir grundsätzlich, denn das ist der Kern unserer Anlagephilosophie. Kurzfristige Kursschwankungen gehören dazu, Absolute Return, das Vermögen erhalten und mehren, kann aus unserer Sicht nur langfristig funktionieren.

Die Grundsatzfrage stellen

Als aktiver Vermögensverwalter investieren wir nicht in den breiten Markt, sondern in einzelne Unternehmen. Wir konzentrieren uns auf Geschäftsmodelle, von denen wir überzeugt sind, dass sie auch turbulentere Phasen überstehen. Das Management sollte in der Lage sein, Antworten auf die Herausforderungen der Zeit zu finden, denn Gegenwind kann von vielen Seiten kommen. Heute ist es der Handelskonflikt, morgen der Brexit – und in der Zukunft erfordern vielleicht noch unbekannte Technologien die Neuaufstellung eines gesamten Geschäftsmodells. Herausforderungen gab es und wird es immer geben. Wer deswegen nicht mehr investiert, unterstellt, dass die Risiken langfristig größer sind als die Chancen. Tatsächlich war es aber immer umgekehrt. Daran kann auch Donald Trump nichts ändern.