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Börse Frankfurt: Die politischen Risiken haben bei europäischen Aktien zugenommen | © Getty Images

Aktienmarkt „Renditen, die normalerweise undenkbar wären“

Edmond de Rothschild Asset Management hat im August 2019 das Exposure in europäische Aktien reduziert. Die Gründe für den Wertpapierverkauf erläutert der dortige Global Chief Investment Officer Benjamin Melman.

27.08.2019 - 12:18 Uhr |

Die US-Notenbank Fed ist zu einer neutraleren Haltung zurückgekehrt, begründet Melman den Schritt. Die politischen Risiken hätten zugenommen – im Zusammenhang mit einem harten Brexit und Neuwahlen in Italien.

Einerseits habe sich die US-Zinskurve umgekehrt – von je her ein zuverlässiger Frühindikator für einen wirtschaftlichen Abschwung. Beunruhigend sei, dass diese sich nach dem letzten Treffen des Offenmarktausschusses hätte normalisieren sollen. Es sei unangemessen, dass die Märkte nach wie vor mit einer Zinssenkung von 100 Basispunkten rechneten. Immerhin sende die US-Notenbank Fed neutrale Signale.

Andererseits würden die jüngsten chinesischen und deutschen Konjunkturdaten darauf hindeuten, dass sich die wirtschaftliche Situation verschlechtern dürfte. Die Verlangsamung kommt laut Melman nicht überraschend: Peking habe die Wachstumsprognosen für China bereits auf 6 Prozentpunkte gesenkt. Wegen Ungleichgewichten aus früheren Konjunkturprogrammen begleitet die chinesische Regierung nun den Abschwung. Derzeit sehe sie von einer expansiveren Politik ab und behalte Reserven für den Fall zurück, dass das Wachstum einen größeren Einbruch erleidet. Ein Konjunkturprogramm könnte auch für Deutschland diskutiert werden. Das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2019 schrumpfe und die Bundesregierung habe vermutlich einen großen Handlungsspielraum. Indes führe politischer Druck dazu, dass nichts Drastischeres zu erwarten sei als Maßnahmen, die den Abschwung begleiten oder mildern sollen.

„Im bisherigen Jahresverlauf verzeichneten die Aktienmärkte Renditen, die angesichts der vorherrschenden Rahmenbedingungen normalerweise undenkbar wären“, betont Melman. Hierzu zählten eine Ertragsverlangsamung, ein zunehmend fragilerer Konjunkturzyklus und ein riskanter werdendes politisches Umfeld. Dies schwäche das Vertrauen der Unternehmen weltweit.

Beachtliche Renditen führt Melman darauf zurück, dass die Zentralbanken zwischen dem vierten Quartal 2018 und dem jüngsten Treffen des Offenmarktauschusses eine Kehrtwende vollzogen haben: „Anleger sollten beachten, dass die Fed jetzt versucht, reaktiver, das heißt neutraler, zu sein“, rät Melman. Die Geldpolitik besitze an Wendepunkten oft großen Einfluss auf die Märkte.

Ein Großteil des von den Zentralbanken angeheizten Marktwachstums habe bereits stattgefunden. Daher seien aktuell Gewinnmitnahmen gut möglich. Gleichzeitig sei extreme Vorsicht geboten, warnt der Investment-Chef. „Wir haben beschlossen, US-Aktienpositionen nach der Entwicklung vom 13. August zu verringern und unsere Aktienuntergewichtung leicht zu erhöhen“, erklärt Melman.