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Fed-Chef Jerome Powell: Anleger erwarten, dass die Zentralbanken aufgrund schlechterer Wirtschaftsprognosen einschreiten und einer drohenden Rezession entgegenwirken | © Getty Images

Anhaltend positives Marktumfeld Neue Hoffnung auf Notenbanken befeuert Aktien

Im März hielt das positive Marktumfeld für risikotragende Anlagen an – hat sich im Vergleich zu den beiden Vormonaten jedoch etwas volatiler gezeigt, erläutern die Analysten von Vescore, das quantitative Investmentteam von Vontobel Asset Management.

08.04.2019 - 09:44 Uhr | in Artikel

Nachdem der Kurswechsel der US-Notenbank in den Vorwochen noch positiv auf die Aktienkurse wirkte, interpretierten die Marktteilnehmer die Aussagen von Fed-Präsident Powell auf der März-Sitzung, die Geldpolitik nicht weiter zu straffen, vermehrt als Indiz für eine nachlassende Konjunkturdynamik. Dazu passte die Entwicklung an den globalen Anleihemärkten: Die fallenden Zinsen am „langen Ende“ führten zu flacher werdenden Zinsstrukturkurven. Erstmals seit 2007 notiert die Rendite dreimonatiger US-Anleihen höher als die Rendite von US-Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit. Diese inverse Zinsstruktur spiegelt die negative Erwartung der Marktteilnehmer in die US-Konjunktur wider. Positiv für die Kursentwicklung an den globalen Aktienmärkten wirkte hingegen die Hoffnung auf eine baldige Lösung im Handelsstreit zwischen der USA und China. Nach erneuten Gesprächen im März scheint eine Lösung zwischen beiden Parteien zunehmend wahrscheinlich.

Wie geht es im laufenden Monat weiter?

Am aktuellen Rand rücken mit der startenden Berichtssaison wieder vermehrt Unternehmensdaten in den Fokus der Marktteilnehmer. Zudem ist das Marktgeschehen weiterhin von den Austrittverhandlungen Großbritanniens aus der EU geprägt. Nachdem die Brexit-Frist per Ende März nicht gehalten werden konnte, bleiben die Sorgen um einen ungeregelten Austritt bestehen.

Risikoindikator zeigt ruhigeres Fahrwasser an

Nachdem die aggregierte Wahrscheinlichkeit für einen zukünftigen Hoch-Risiko-Zustand in den Industrieländern im Januar noch bei über 70 Prozent lag, konnte sie sich Ende März auf einem Niveau von unter 40 Prozent stabilisieren und befindet sich damit unter der wichtigen 50-Prozent-Marke. Die Risikowahrscheinlichkeit der Aktienmärkte verzeichnet im März einen rapiden Rückgang auf nur noch 57 Prozent (Vormonat: 90 Prozent) und liegt damit nur noch leicht über der 50-Prozent-Schwelle, der auf einen Hoch-Risiko-Zustand hinweist. Im Gegensatz dazu stieg die Risikoeinschätzung der Anleihemärkte wieder von 18 Prozent auf 39 Prozent und die der Währungsmärkte von 1 Prozent auf 18 Prozent an.

Auch die prognosefreie Risikoeinschätzung in den Schwellenländern fällt im März unter die Marke von 50 Prozent und zeigt nun mit 35 Prozent ein Niedrig-Risiko-Umfeld an (Vormonat 62 Prozent).

Zunehmende Übergewichtung in Aktien

Im Laufe des März hat sich die Aktienübergewichtung des globalen GLOCAP-Musterportfolios (50 Prozent Aktien, 50 Prozent Cash) weiter erhöht und beträgt Anfang April 38,6 Prozent. Dies entspricht einem Anstieg von 10,5 Prozent zum Vormonat. Einzig der Beitrag aus der Dividendenrendite nahm dabei gegenüber dem Vormonat ab.

Im März gingen die Kreditrisiko-Aufschläge, die das Vertrauen in Unternehmen signalisieren, weiter zurück und tragen nun leicht positiv zur Aktienallokation bei. Aufgrund einer negativen geschätzten Sensitivität führt ein fallender Zinsstruktur-Spread zu einer steigenden Aktienquote. Die Liquiditätspräferenzen (TED-Spread) erhöhen die Aktienquote ebenfalls. Die Dividendenrendite (Bewertung) ging im März aufgrund steigender Aktienkurse etwas zurück, trägt aber weiterhin positiv zur Aktienquote bei.

Eintrübung der globalen Konjunkturerwartung

Die Steilheit der globalen Zinskurven nahm während des Berichtszeitraums ab und ist mit 5 Basispunkten per Ende März nur noch marginal positiv. Dies deutet auf eingetrübte Erwartungen hinsichtlich der langfristigen Konjunkturaussichten hin. Nachdem Fed-Präsident Powell ankündigte, die Geldpolitik vorerst nicht weiter zu straffen, wird dies als Indiz für eine nachlassende Konjunkturdynamik gewertet und geht mit sinkenden Zinsen am „langen Ende“ einher. Zudem belastet die Unsicherheit über den verschobenen EU-Austritt Großbritanniens weiterhin die Unternehmen.

Die steigende Aktienquote aufgrund schwächerer Konjunkturaussichten reflektiert die Erwartungen der Marktteilnehmer, dass die Zentralbanken aufgrund schlechterer Wirtschaftsprognosen einschreiten und einer drohenden Rezession mit geeigneten Maßnahmen entgegenwirken.