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EZB-Chef Mario Draghi mit Frankreichs Notenbank-Chef Francois Villeroy de Galhau (r.) in Paris: Aufgrund der noch länger anhaltenden Negativzinsen stützt die Europäische Zentralbank den Anleihenmarkt weiterhin mit einer lockeren Geldpolitk.  | © Getty Images

Anleihenmärkte „Europa sollte trotz Niedrigzinsen wieder stärker in den Anlegerfokus rücken“

Ob Handelskonflikte oder US-Zinserhöhungen: Für Markus Peters, Senior Portfolio Manager Fixed Income beim US-Vermögensverwalter AllianceBernstein (AB), lauern derzeit viele „Makro-Landminen“ auf Investoren. Folglich sei die Balance zwischen sicheren und ertragsstarken Portfoliobausteinen neu zu justieren.

25.09.2018 - 10:16 Uhr | Von:  in Anleihen

Herr Peters, erwarten Sie weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank? Und was erwartet AB von der Geldpolitik der EZB?

Markus Peters: In den USA bewegen wir uns derzeit im Leitzinskorridor von etwa 2 Prozent. Wir erwarten, dass die Federal Reserve stetig die Zinsen erhöhen wird. Dadurch hat sich die Zinskurve in den USA bereits relativ stark verflacht. Es könnte sein, dass sie sich im Laufe des Jahres 2019 invertiert. In der Regel gilt diese Entwicklung als Vorbote einer Rezession, die aber nicht unmittelbar bevorstehen dürfte – dazu ist die konjunkturelle Entwicklung zu gut. Wir erwarten zunächst ein weiterhin solides Wachstum in den USA, auch im Jahr 2019.

Für die EZB gilt: Die Zinsen werden vorerst nicht erhöht, aber das Aufkaufprogramm per Jahresende beendet. Aufgrund der noch länger anhaltenden Negativzinsen stützt die EZB den Anleihenmarkt also weiterhin mit einer lockeren Geldpolitk. Sollte es jedoch irgendwann auch wieder einmal in der Eurozone zu rezessionären Tendenzen kommen, heisst dies aber auch, dass die EZB dem kaum etwas entgegensetzen kann. Der Spielraum der US-Notenbank dürfte im Vergleich deutlich größer sein.

Was bedeutet das skizzierte Zinsumfeld für Ihre Portfoliokonstruktion?

Peters: In den USA ist der Konjunkturzyklus schon weiter vorangeschritten als in Europa. Wir investieren deshalb wieder verstärkt in Europa. Dessenungeachtet bleibt die Diversifikation im Portfolio äußerst wichtig. Wir versuchen daher auch in den USA Nischen zu finden, die eine positive Renditeerwartung haben und gut durch das Konjunkturumfeld gestützt sind. Die beste Möglichkeit bietet sich hierbei in hypothekenbesicherten Anleihen, die variabel verzinslich sind, eine relativ gute Bonität aufweisen und im Vergleich zu anderen Investments hoch rentieren.

Auf welche weiteren Sektoren setzen Sie in den USA?

Peters: Wir sind vorsichtig, was ein breites US-Engagement anbetrifft. Im US-Investmentgrade-Bereich finden wir derzeit kaum Chancen. Im US-High-Yield-Markt sind wir ebenfalls nur moderat engagiert. Mit Blick auf die US-Treasuries sind wir der Meinung: Wenn es an den Märkten kracht, sind diese Anleihen der Sicherheitsanker schlechthin. Denn 3 Prozent Rendite bieten viel Abfederungsspielraum, wenn die Nachfrage nach sicheren Titeln steigt und dadurch die Rendite nach unten gedrückt wird.