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Weihnachtsstimmung an einem Hotspot der Politik: Langfristig bestimmen die Fundamentaldaten die Cashflows | © Getty Images

Ausblick 2019 Risiken stehen wieder mehr im Blick als Erträge

Auch Ende 2018 werden die Märkte wieder mit Rückblicken auf das alte und Ausblicken auf das neue Jahr überschwemmt. Aber Prognosen sind nicht einfach. Für 12-Monats-Ertragsprognosen gilt dies erst recht, so Robert M. Almeida, MFS Global Investment Strategist.

20.12.2018 - 15:20 Uhr | Von:  in Märkte

Im Grunde sind die Finanzmärkte ein Forum, das Kapitalnehmer und Kapitalgeber zusammenführt. Wer heute Kapital gibt, hofft darauf, es später zurückzubekommen – zusammen mit einem Ausgleich für das Risiko und den Zeitwert des Geldes. Die Assetpreise sind letztlich nichts anderes als die abgezinsten zukünftigen Rückflüsse. Wenn diese Cashflows aber hinter den Erwartungen zurückbleiben – oder sie übertreffen – reagieren die Marktpreise entsprechend. Umso wichtiger ist, was letztlich die Cashflows bestimmt.

Um es kurz zu machen: Wir halten vor allem vier Dinge für relevant – Absatzmengen, Preise, Gewinnmargen und Unternehmensgewinne. Wie viele Einheiten eines Produkts wird ein Unternehmen in den nächsten drei bis fünf Jahren verkaufen? Zu welchem Preis? Wie werden sich die Gewinnmargen entwickeln? Wichtig ist auch die Höhe der Gewinne und freien Cashflows und inwieweit sich die Erwartungen in den Kursen widerspiegeln.

Wir glauben, dass langfristig die Fundamentaldaten die Cashflows bestimmen und die Assetpreise wiederum von den Cashflows abhängen. Kurzfristig kann es aber anders sein. Die Märkte sind oft sehr kurzsichtig und reagieren zu stark auf Informationen, die sich am Ende als wenig relevant erweisen. Langfristig kann dies zu Marktineffizienzen führen. Wenn zum Beispiel ein neues Gesetz verabschiedet wird, ist es schwer zu prognostizieren, wie Investoren dies interpretieren. Die Prognose kurzfristiger Marktbewegungen ist frustrierend, und doch werden sich die Marktstrategen in den kommenden Wochen immer wieder daran versuchen.

Eines steht aber fest: Weltweit sind die Unternehmen heute zu stark verschuldet, insbesondere die Unternehmen aus den USA. Hier ist die Verschuldung jetzt höher als vor der Finanzkrise (Abbildung 1).

 

Nach der Finanzkrise 2008 sind die Nettomargen der Unternehmen aufgrund fallender Faktorkosten gestiegen: Die Kapitalkosten gingen zurück, die Zahl der Mitarbeiter ebenfalls. Doch drei bis vier Jahre später hatte die Weltwirtschaft noch immer mit den Spätfolgen der Krise zu kämpfen, und viele Unternehmen schafften es nicht, ihre Umsätze zu steigern. Die Gewinnmargen waren ungewöhnlich hoch, doch Absatzmengen und Preismacht blieben mäßig. Viele Unternehmen versuchten daraufhin, den freien Cashflow durch Änderungen der Finanzierungsstruktur zu steigern. An den Kreditmärkten war man nur zu gerne bereit, den Unternehmen Kapital zur Verfügung zu stellen, nicht zuletzt wegen der unorthodoxen Notenbankpolitik des Quantitative Easing.