Sie besuchen Multiasset.com mit einem veralteten Internet Explorer. Darstellung und Nutzungserlebnis sind deshalb nicht optimal.
Aktuelle Version kostenlos herunterladen »
Martin Lück, Chef-Investmentstratege bei Blackrock in Deutschland | © Blackrock

BlackRock-Investmentstratege über Wendepunkte in der Zinspolitik „Europa steckt noch mitten im Heilungsprozess“

Martin Lück analysiert für BlackRock täglich die Finanzmärkte. Im Gespräch mit multiasset.com erklärt er, welche Ziele Notenbanken verfolgen und gibt einen Einblick in die Aktienstrategie des größten Vermögensverwalters der Welt.

25.04.2016 - 18:04 Uhr | Von:  in Geldmarkt

Die US-Notenbank Federal Reserve will die Leitzinsen dieses Jahr erhöhen. Die Europäische Zentralbank hält hingegen an ihrer Politik des ultrabilligen Geldes fest. Warum unterscheiden sich die Strategien so sehr?

Martin Lück: Die US-Notenbank will den Leitzins erhöhen, weil sich die wirtschaftliche Lage in Übersee gebessert hat. Das Land hat sich viel schneller von der Finanzkrise erholt als Europa. Der Bankensektor wurde rasch reformiert und die Inflationsraten steigen. Europa steckt hingegen nach wie vor in der Heilungsphase. Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat bislang noch nicht gefruchtet. EZB-Ratspräsident Mario Draghi wird in den kommenden Monaten alle Hände voll zu tun haben.

US-Notenbankchefin Janet Yellen hat die Zinsschritte für 2016 im März von vier auf zwei gesenkt. Warum sendet sie ständig unterschiedliche Signale?

Lück: Yellen hat angesichts der guten Makrodaten der USA Ende 2015 fest geplant, die US-Leitzinsen schrittweise zu erhöhen. Anfang 2016 wurde sie dann schlicht und ergreifend von schlechten Daten überrascht. Amerikas Industrie ist knapp an einer Rezession vorbeigeschlittert und der niedrige Ölpreis sorgte für schwere Turbulenzen an den Finanzmärkten. Der Fed blieb gar nichts anderes übrig, als vorerst vorsichtiger zu bleiben.

In welchen Monaten wird die Fed die Zinsen erhöhen?

Lück: Im April noch nicht. Das hat Yellen bereits angekündigt. Im Juni sieht es anders aus: Wenn die Wirtschaftsdaten dann immer noch so gut sind wie jetzt, wird die Fed voraussichtlich einen Schritt nach oben wagen. Der Monat bietet sich an, weil die Erhöhung der Kür der US-Präsidentschaftskandidaten im Juli nicht in die Quere kommt. Der zweite Zinsschritt steht dann möglicherweise im Dezember nach der Wahl an.

Und welche Absichten hat Mario Draghi?

Lück: Im Hinblick auf Zinsschritte wird in Europa dieses Jahr wahrscheinlich nicht mehr viel passieren. Draghi kann den Leitzins wegen der niedrigen Inflationsrate nicht erhöhen. Und eine weitere Senkung würde vermutlich mehr schaden als nutzen. Die Erträge der Banken und die Geldanlagen der Privathaushalte wie der institutionellen Investoren werden bereits jetzt durch den Nullzins geschmälert. Insofern wird die EZB bis auf weiteres wohl die Füße stillhalten.