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Experten

BlackRock
Tänzerinnen in Neu-Delhi: Aktien-ETFs mit Schwerpunkt auf Schwellenländern verzeichnen Zuflüsse | © Getty Images

BlackRock-Monatsbilanz für August „Von Turbulenzen in Schwellenländern nicht irritieren lassen“

Anleger mit Schwerpunkt in Schwellenländern hatten im August wenig Grund zur Freude: Die Türkei-Krise wirkte ansteckend und rief Kursschwankungen in der gesamten Region hervor. Doch gibt es überhaupt eine realwirtschaftliche Verbindung? Eine Einschätzung von Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei BlackRock.

05.09.2018 - 10:51 Uhr | Von: 

Bereits zu Jahresbeginn prognostizierten BlackRock-Experten, dass sich die hohen risikoadjustierten Erträge aus dem Jahr 2017 in 2018 nicht wiederholen werden. Auch die Prognose, dass US-Aktien besser abschneiden dürften als Europa-Aktien, erwies sich als korrekt – genau wie ein erneuter Fokus auf den Technologiesektor. Eine Übergewichtung von Aktien gegenüber Anleihen war mit Blick in die Vergangenheit im Jahr 2018 ebenfalls sinnvoll.

Die Aktienmärkte der Schwellenländer konnten seit Jahresbeginn hingegen nicht wirklich überzeugen und verzeichneten eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung. Auch im August fielen die Kurse deutlich. Der starke US-Dollar und höhere Zinsen haben vielen Märkten die Refinanzierung ihrer Auslandsschulden erschwert und Abverkäufe bei Aktien ausgelöst – ein klassisches Muster, das wir aus den vergangenen Jahren kennen. Zweitens – und das ist eher ein neues Phänomen – haben wachsende Sorgen über ein schrumpfendes Welthandelsvolumen exportorientierte Schwellenländer belastet.

Es stellt sich die Frage, ob der Gegenwind für Schwellenländer und die daraus resultierende schwache Performance vorhersehbar waren? BlackRock-Analysten hatten durchaus mit höheren US-Zinsen und einer stärkeren US-Währung gerechnet. Die Argumentation, weshalb Schwellenländeraktien dieser Entwicklung standhalten sollten, lautete jedoch: Viele Staaten haben während der Finanzkrise ihre Hausaufgaben gemacht, etwa indem sie ihre Exportabhängigkeit und die Abhängigkeit von ausländischem Kapital reduzierten. Gerade im asiatischen Raum finden sich neben China und Indien zahlreiche Musterländer, die aus eigener Kraft robust und nachhaltig wachsen. Diese erhöhte Unabhängigkeit asiatischer Märkte war ein wichtiger Grund, weshalb wir trotz eines unruhigeren globalen Umfeldes auch in 2018 an Emerging-Markets-Aktien festgehalten haben.

Türkei-Krise wirkt ansteckend

Im August wurde die Schwäche der Schwellenländer durch die Zuspitzung der Türkei-Krise verstärkt. Allerdings muss folgende Frage erlaubt sein: Wo ist die realwirtschaftliche Verbindung zwischen der Krise in der Türkei und der Entwicklung des indonesischen oder des koreanischen Aktienmarkts? Sie existiert so gut wie nicht. Wir sind daher überzeugt, dass sich an den Märkten der Schwellenländer im August ein altes Muster wiederholt hat: Schwächelt ein größeres Schwellenland, übertragen sich die Sorgen rasch auf viele andere Schwellenländer – unabhängig davon ob Ansteckungseffekte gerechtfertigt sind oder nicht.