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Experten

BlackRock
Italiens Präsident Sergio Mattarella | © Getty Images

BlackRock-Monatsbilanz für Mai Italien-Krise erschüttert Finanzmärkte

Der Mai war ein echter Wonnemonat für Anleger: Vor allem die starke Berichtssaison in den USA – und mit Abstrichen auch in Europa – sorgte für steigende Aktienkurse. Es gab jedoch auch Pleiten und Pannen. Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei BlackRock, gibt einen Überblick.

05.06.2018 - 16:26 Uhr | Von: 

Im Mai ging es an den Aktienmärkten kräftig nach oben, die Gewinne von US-Unternehmen sind in den ersten drei Monaten des Jahres um sage und schreibe 24 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. In Europa waren es immerhin 6 Prozent. Während in den Vereinigten Staaten jedoch jeder einzelne Sektor mehr Gewinn erzielte, schrumpften in Europa im selben Zeitraum die Gewinne bei den Versorgern, im Gesundheitssektor sowie bei den Unternehmen des Nicht-Basiskonsumgüterbereichs. Hauptursächlich für die Diskrepanz der Gewinnentwicklung ist Donald Trumps Steuerreform. Die neuen Regeln bescherten US-Firmen in einer recht späten Phase des ökonomischen Zyklus noch einmal einen warmen Regen.

Im Grunde spiegelt die relative Wertentwicklung der Aktienmärkte das Kräfteverhältnis der Unternehmensgewinne im Mai allerdings nicht wider: Europäische Aktien haussierten, während Anteilsscheine aus den USA eher auf der Stelle traten. Für dieses Phänomen gibt es eine einfache Erklärung: Nachdem der Euro mehrere Monate in einer recht engen Spanne im Vergleich zum US-Dollar handelte, brach die Gemeinschaftswährung Ende April aus der Range aus und verlor stark an Boden. Die Schwäche kam europäischen Exportunternehmen zugute – insbesondere in einer Zeit, die von globalen Diskussionen über Zölle und Handelsbarrieren geprägt ist.

Krisenmodus in Italien

Doch just in der Phase, in der Investoren bereits wieder die Allzeithochs im DAX, S&P 500 & Co anvisierten, machten zwei Parteien in Italien der guten Stimmung an den Märkten den Garaus: Mit dem Versuch, einen europafeindlichen Finanzminister zu installieren, scheiterten die Lega und die Fünf-Sterne-Partei an dem Widerstand des italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella. Als Marktbeobachter von Neuwahlen ausging, rauften sich Lega und Fünf-Sterne-Partei überraschend wieder zusammen und bildeten eine Regierung. Während die Abwendung von Neuwahlen vom Markt erfreut aufgenommen wurde, bleiben die Fragen nach der Stabilität der Regierung und nach der Intensivität der EU-Feindlichkeit der italienischen Regierung unbeantwortet.

Sollte eine eurokritische Regierung den Verbleib Italiens in der europäischen Währungsunion perspektivisch in Frage stellen, ist die weitere Existenz der Eurozone fraglich. Ein Austritt Italiens wäre vermutlich das Ende der europäischen Gemeinschaftswährung. Bis es soweit kommt, muss allerdings noch viel passieren. Nicht zuletzt müssten Gesetze geändert werden, da ein Euro-Austritt in Verträgen der Währungsunion gar nicht vorgesehen ist. Dennoch: Das Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone war noch nie höher. Italien erwirtschaftet Haushaltsprimärüberschüsse und fährt aktuell sogar einen Leistungsbilanzüberschuss. Beides macht das Land weniger abhängig von ausländischem Kapital und somit theoretisch auch außerhalb der Eurozone überlebensfähig.

An den Märkten hatte die politische Unruhe Ende Mai einen extremen Renditeanstieg bei italienische Staatsanleihen zur Folge. Europäische Aktien gerieten ebenfalls unter Druck, wenngleich die Reaktionen an den Rentenmärkten deutlich heftiger waren. Diese Marktverwerfungen dürften letztlich wohl auch EZB-Präsident Mario Draghi nicht entgangen sein, der sich das geplante „Tapering“ im kommenden Herbst noch einmal gründlich überlegen dürfte.

 

Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.