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„Russlands Risiko ist eher Wahrnehmung als Tatsache“

27.08.2019 09:55 Uhr |

Russische Aktien sind aufgrund des anhaltend negativen nationalen Images derzeit unterbewertet. Bietet dies Möglichkeiten für antizyklische Investitionen?

Karakozova: Russland hat ein völlig anderes Risikoprofil als die übrigen großen Schwellenländer. Zudem engagiert sich Russland nur begrenzt in Handelskonflikten. Mit einer Leistungsbilanz Russlands von rund 7 Prozent des BIP ist die Wirtschaft nur gering von der Außenfinanzierung abhängig und damit resistenter gegen eine Aufwertung des US-Dollar. Die Hauptexporte des Landes sind keine potenziellen Ziele für Einfuhrzölle.

Und worin zeigt sich dann das eigentliche Aktienrisiko?

Karakozova: Das Hauptrisiko des russischen Marktes dürfte in den internationalen Beziehungen bestehen. Die Risikodivergenz hat sich insbesondere seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gezeigt. Seitdem besitzt Russland eindeutig das niedrigste Beta unter allen großen Schwellenländern. Dies macht russische Vermögenswerte zu einer Diversifizierungsmöglichkeit und sogar einer Absicherung gegen größere Probleme in den globalen Schwellenländern.

Was genau zieht die Anleger an den russischen Aktienmarkt?

Karakozova: Für viele Investoren liegt der Hauptanreiz in den riesigen natürlichen Ressourcen des Landes. In Russland befinden sich mehr Rohstoffe als in jedem anderen Land: nicht nur Öl und Gas, sondern auch Platin, Palladium und die Ressource Ackerland. Das spiegelt sich auch in den russischen Aktienindizes wider. Dort machen Rohstoff-Titel wie Öl, Gas, Erze und Bergbau mehr als 70 Prozent aus.

Wie ist es um die Zahlungsmittelgepflogenheiten bestellt? Es heißt, die russische Wirtschaft sei extrem bargeldorientiert.

Karakozova: Rund 75 Prozent der Zahlungen in Russland sind Barzahlungen. In vielen westlichen Volkswirtschaften liegt dieser Wert bei lediglich 26 Prozent. Deshalb dürfte der elektronische Zahlungsverkehr in Russland künftig ein hohes Wachstum verzeichnen. Um von dieser strukturellen Wachstums-Story zu profitieren, sollten Investoren Unternehmen außerhalb der Benchmark wählen. Denn hier dürften sich viele Möglichkeiten für ein strukturelles Wachstum ergeben.