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Stefan Breintner, Portfoliomanager des DJE - Gold & Ressourcen PA (EUR): „Der US-Realzins ist meiner Meinung nach der wichtigste Einflussfaktor auf den Goldpreis und seine aktuelle Stärke“ | © DJE Kapital

DJE Kapital zum aktuellen Goldpreis „Anleger können noch einsteigen“

Angeheizt von Zinsfantasien, Handelskonflikten und geopolitischen Risiken kennt der Goldpreis derzeit kein Halten mehr. Ist es für Anleger schon zu spät für ein Investment? Nein, sagt Stefan Breintner, Fondsmanager bei DJE Kapital.

28.08.2019 - 09:29 Uhr | in Interview

multiasset.com: Herr Breintner, Gold pendelt aktuell um die Marke von 1.500 US-Dollar. So hoch stand das Edelmetall seit 2013 nicht mehr. Was sind die Gründe für die Stärke, die Gold gerade zeigt?

Stefan Breintner: Zwei wichtige Gründe für die aktuelle Stärke von Gold sind zum einen die gestiegenen Zinssenkungserwartungen und zum anderen die fallenden Anleiherenditen. Vor diesem Hintergrund hatten zuletzt insbesondere Gold-ETFs wieder stärkere Zuflüsse. Durch die gefallenen Anleiherenditen sind die Realzinsen in den wichtigsten Wirtschaftsregionen weltweit entweder bereits negativ oder rückläufig. Und fallende beziehungsweise negative Realzinsen sind generell sehr positiv für Gold und Sachwerte.

Können Sie einen dominierenden Faktor hervorheben?

Breintner: Der US-Realzins ist meiner Meinung nach der wichtigste Einflussfaktor auf den Goldpreis und seine aktuelle Stärke. Auch die Zentralbanken werden in 2019 und darüber hinaus voraussichtlich eine wichtige Stütze für den Goldpreis bleiben. So geht der World Gold Council, der Lobbyverband der Goldminenindustrie, davon aus, dass die Notenbanken im Jahr 2019 zwischen 500 und 600 Tonnen Gold kaufen werden. Hinzu kommt, dass das Goldangebot aus laufender Minenproduktion in diesem Jahr seinen Höhepunkt erreichen dann in den kommenden Jahren strukturell fallen könnte.

Niedrige Zinsen, ein schwächelnder US-Dollar, Handelskonflikte und geopolitische Spannungen am Persischen Golf: Ist Gold nur in einem Klima der Unsicherheit stark?

Breintner: Zumindest ist Gold in einem Klima der Unsicherheit generell meist stärker als in einem wirtschaftlich sehr freundlichen Umfeld. Am wichtigsten ist jedoch immer das Realzinsumfeld: Ist dieses rückläufig oder negativ, ist das generell gut für Goldanlagen.

Wird die Stärke des Edelmetalls auch in den kommenden Monaten anhalten?

Breintner: Vor allem die stark gestiegenen Kurse sehr langlaufender Anleihen, beispielsweise die Kursverdoppelung bei der 100-jährigen Österreich-Anleihe aber auch der internationale Währungsabwertungswettlauf sprechen dafür, dass Gold als Anlage gefragt bleibt. Was die gestiegenen Erwartungen an Zinssenkungen angeht, sind diese vor allem auf die Zuspitzung des Handelskonflikts zwischen den USA und China zurückzuführen. Das ist übrigens auch ein Grund für die gestiegene Risikoaversion der Marktteilnehmer: Die Maßnahmen von US-Präsident Donald Trump, der US-Notenbank und Chinas Regierung führen auch dazu, dass der Goldpreis voraussichtlich länger auf erhöhtem Niveau bleiben könnte.