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Arbeiter in einer Mine in Bolivien. Wer ein „sauberes“ elektrisches Auto fahren möchte, braucht das „schmutzige“ Metall Lithium für die Batterien | © Getty Images

ESG-Experte von Candriam „Grüne Anlagen ohne ‚schmutzige’ Sektoren gibt es nicht”

Wenn es um „grüne“ Geldanlage geht, werden Anleger gerne idealistisch. Doch Candriams Nachhaltigkeitsexperte Wim Van Hyfte weiß: Wer etwas bewegen will, muss sich ganz besonders in Grauzonen gut zurecht finden. Wie er selbst in kritischen Sektoren nachhaltige Investments findet, erläuterte er auf der diesjährigen Candriam-Konferenz in Brüssel.

26.11.2018 - 16:04 Uhr | Von:  in Märkte

Nachhaltigkeit liegt voll im Trend. Besonders junge Menschen drängen nach fairem Handel, weniger Müll, zirkulärer Wirtschaft. „Das ist sehr wichtig. Doch Wandel muss auch von Seiten der Produzenten und Anbieter kommen – und hier sind jene Akteure gefragt, die das Geld besitzen und Anlageentscheidungen treffen und als große Aktionäre Unternehmen und Regierungen beeinflussen können,“ gibt Wim Van Hyfte, Nachhaltigkeitsexperte bei Candriam, zu bedenken. Candriam hat Nachhaltigkeit in seiner DNA verankert und berücksichtigt Umwelt-, soziale und Governance-Kriterien (ESG) bei der Titelauswahl all seiner Fonds.

Weiß, dass sich „schmutzige“ Sektoren bei der nachhaltigen Geldanlage nicht vermeiden lassen: Wim Van Hyfte, Global Head of Responsible Investments and Research bei Candriam. Foto: Candriam

ESG-Screenings verringern Portfoliorisiken

Laut Van Hyfte erkennen viele Anleger jedoch nicht den Nutzen der Anwendung von ESG-Kritieren bei der Geldanlage, sieht man vom guten Gewissen ab. Was viele jedoch vergessen: Eine rein finanzielle Analyse lässt einige wichtige Faktoren außen vor. Ein Beispiel: Zwei der wichtigsten Treiber für den Wert von Unternehmen können über Zahlen überhaupt nicht ausgedrückt werden. Laut einer Studie des Social Science Research Network basieren 84 Prozent des Marktwerts der Titel im S&P 500-Index auf den Markennamen und der Reputation der jeweiligen Unternehmen – immaterielle Werte, die in einer traditionellen Finanzanalyse nicht auftauchen.

„Aus diesem Grund sehen wir ESG-Screenings als eine Notwendigkeit an. Diese erfassen Faktoren und Risiken, die wir sonst nicht sehen würden. Nur so können wir Risiken ausschließen, die durch Umweltverschmutzung, soziale Probleme oder schlechte Governance entstehen“, erklärt der Experte.

Die Titelauswahl erfolgt in vier Schritten. Als Erstes werden bestimmte Unternehmen von vorn herein ausgeschlossen. Hierbei handelt es sich um Unternehmen, die ethische Grundregeln missachten oder internationale Abkommen verletzen. Bei der positiven Selektion werden dann die besten Unternehmen in einem Sektor nach dem Best-in-Class-Prinzip ausgesucht und eine finanzielle Analyse mit Berücksichtigung von ESG-Faktoren durchgeführt. Gleichzeitig suchen die Analysten gezielt nach Unternehmen, die zur Lösung bestimmter Probleme beitragen – ein Prozess, der gemeinhin als „Impact Investing“ bezeichnet wird.  Und auch Unternehmen auf einen guten Weg zu bringen, gehört zum Job der Fondsmanager. „Als Investor sind wir in einem ständigen Dialog mit dem Firmenmanagement und versuchen – häufig gemeinsam mit anderen Aktionären – gute Praktiken bei Unternehmen zu ermutigen“, so Van Hyfte.