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Experten

BlackRock
EZB-Präsident Mario Draghi | © Getty Images

Europäische Zentralbank Diese Folgen hat das Ende der Anleihekäufe

Die Europäische Zentralbank kauft immer weniger Anleihen auf. Im Jahr 2019 werden die Währungshüter vermutlich komplett die Käufe einstellen. Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei BlackRock, fasst die Folgen für Investoren zusammen.

30.07.2018 - 10:09 Uhr | Von: 

Der Einstieg in den Ausstieg aus dem Anleiheankaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) steht vor der Tür. Ab 2019 wird sich die Notenbank als Nettokäufer von den europäischen Rentenmärkten zurückziehen. Investoren fragen sich, mit welchen Auswirkungen an den Rentenmärkten zu rechnen ist. Um ein Gefühl für die Reaktion zu bekommen, haben wir in die Vergangenheit geblickt und nachgeforscht, wie hoch der Renditerückgang bei der Einführung des Anleiheprogramms im Jahr 2015 war.

Bislang hat die EZB Staats- und Unternehmensanleihen sowie Anleihen anderer Emittenten im Wert von 2 Billionen Euro aufgekauft. Bis Jahresende wird diese Zahl weiter steigen – wenngleich sich ab Oktober das Ankaufvolumen von 30 auf 15 Milliarden Euro pro Monat reduzieren soll.

Eine genaue Bewertung der Auswirkungen der EZB-Anleihekäufe ist keine leichte Aufgabe, da sich der Effekt nicht von anderen Einflussgrößen wie der Zinspolitik isolieren lässt. Dennoch versuchen Experten, die Auswirkungen auf die Renditen europäischer Staats- und Unternehmen abzuschätzen. Die meisten Befunde fußen auf sogenannten Event-Analysen, welche die Marktbewegungen um den Ankündigungs- und Startzeitpunkt des Programms herum untersuchen. Es gibt jedoch auch Studien, welche die Differenz vom Zinsniveau nach Eingreifen der EZB von einem fundamental „fairen“ Zinsniveau berechnen und diese als Anhaltspunkt nehmen.

Steiler Renditeabfall durch Anleiheprogramm

Eine dieser Analysen seitens der EZB selbst zeigt, dass das Anleiheprogramm der Zentralbank zwischen den Monaten Juni 2014 und Oktober 2015 die gewichtete zehnjährige Jahresrendite von Staatsanleihen im Schnitt um 63 Basispunkte reduziert hat. Die Renditen von Staatspapieren mit schwächerer Bonität gaben in dem Zeitraum stärker nach als die Renditen deutscher Bundesanleihen. Den größten Effekt konnte die EZB noch vor Beginn des Programms messen: Dass der Ankündigungseffekt größer gewesen ist, als der Markteinfluss der tatsächlichenKäufe, bestätigen Studien.