Sie besuchen Multiasset.com mit einem veralteten Internet Explorer. Darstellung und Nutzungserlebnis sind deshalb nicht optimal.
Aktuelle Version kostenlos herunterladen »
Chantilly bei Paris: Fed-Chef Jerome Powell (m.) mit Mark Carney, Gouverneur der Bank of England (l.) und dem Präsidenten der Weltbank David Malpass | © Getty Images

Fed-Sitzung vom 30. bis 31. Juli Kehrtwende der US-Geldpolitik steht bevor

Mit der nächsten Fed-Zinssitzung ist der Beginn eines Zinssenkungszyklus wahrscheinlich: Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income bei AllianzGI, erwartet die Ankündigung von Zinssenkungen um 50 Basispunkte. Die Märkte dürften positiv reagieren.

29.07.2019 - 09:18 Uhr | in Artikel

Es ist wahrscheinlich, dass die US-Notenbank auf der Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) am 31. Juli einen Zinssenkungszyklus einleiten wird. Aussagen verschiedener FOMC-Mitglieder wie Präsident Jerome Powell, Fed-Vizepräsident Richard Clarida und dem New Yorker Fed-Präsident John Williams haben den Weg zu dieser Entscheidung ebenso geebnet wie das Protokoll der letzten FOMC-Sitzung.

US-Wirtschaftsdaten wie Arbeitsplatzschaffung, Einzelhandelsumsätze, Produktion und Inflation sind im Juni überraschend gestiegen und deuten auf eine nach wie vor robuste Wirtschaft hin. Allerdings scheint die Fed ihre Entscheidungen nicht mehr ausschließlich auf Statistiken stützen zu wollen. Sie richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Verlangsamung des globalen Wachstums, die einen Nachfragerückgang zur Folge hat, und auf ein Umfeld mit immer höheren Risiken, die mit weiteren Handelsspannungen und der Aussicht auf einen harten Brexit einhergehen.

Damit wäre eine Zinssenkung einer Risikomanagement-Strategie geschuldet: Es erscheint der Fed weniger riskant, jetzt zu handeln als abzuwarten.

Die Markterwartungen für eine Zinssenkung um 50 Basispunkte waren bereits im Juli volatil und sanken laut Fed-Fonds-Futures zuletzt von 40 Prozent auf ein niedrigeres Niveau. Wir glauben, dass die Risikomanagement-Strategie eine Senkung um 50 Basispunkte rechtfertigt und auf zwei Argumenten beruht:

  1. Das absolute Zinsniveau befindet sich nahe der „Nulluntergrenze“ und fördert so freiwillige Maßnahmen, um die Wirksamkeit zu maximieren.
  2. Bis Maßnahmen wie Zinssenkungen in der Realwirtschaft ankommen, dauert es in der Regel sechs bis zwölf Monate. Die Fed könnte im Absicherungsinteresse keine Zeit verlieren wollen.

Auch wenn der Wechselkurs nicht zum erklärten Ziel der Zentralbanken zählt, sei darauf hingewiesen, dass die Fed durch die Überbewertung des Dollars – laut Experten rund 10 Prozent – unter doppeltem Druck von Präsident Trump einerseits und den Märkten andererseits steht.

Im ersten Moment nach der Entscheidung könnten die Märkte überrascht auf eine Zinssenkung reagieren, aber dann sollte sie sich positiv auswirken. Wir gehen davon aus, dass eine Senkung um 50 Basispunkte zu einem „Bull-Steepening“-Phänomen führen kann: komprimierte Spreads, günstiger Dollar und die Fortsetzung der positiven Aktienmarktdynamik.