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Experten

BlackRock
Italiens Ministerpräsident Guiseppe Conte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin: Die Renditen italienischer Staatsanleihen schossen im Juni nach oben. | © Getty Images

Felix Herrmann, BlackRock „Politische Unsicherheit lähmt Finanzmärkte“

In Europa kriselt es wieder: Die Italiener machen sich Sorgen um ihren Staatshaushalt, die Deutschen diskutieren über Migration. Dabei sollte angesichts des drohenden Handelskrieges mit den USA eigentlich politische Einheit herrschen. Ein Kommentar von Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei BlackRock.

09.07.2018 - 11:23 Uhr | Von: 

Der Monat Juni begann an den Finanzmärkten mit einem Paukenschlag: Bei den Parlamentswahlen in Italien wurde die Fünf-Sterne-Bewegung stärkste Einzelpartei und stellt seitdem in einer Koalition mit der Lega die Regierung des Landes. Die neue politische Führung eint vor allem die Ablehnung der etablierten politischen Kräfte.

Die Renditen italienischer Staatsanleihen stiegen nach der Parlamentswahl. Und damit nicht genug: Trotz der Beteuerungen des Finanzministers Giovanni Tria, den italienischen Staatshaushalt in Ordnung zu halten, rechnen Investoren mit einer weiteren Verschärfung der Finanzlage. Inwieweit die neue italienische Regierung künftig die Haushaltsregeln der Europäischen Union (EU) einhält, wird sich im Herbst zeigen. Dann schickt Tria den ersten Haushaltsentwurf für das Jahr 2019 nach Brüssel. Sollten in dem Papier jährliche Mehrausgaben im hohen zweistelligen Milliardenbereich erfasst sein, dürften die Anleiherenditen in Italien weiter steigen.

Parallel zur Regierungsbildung in Italien kriselte es im Juni auch in Deutschland. Das Thema Migration drohte nicht mehr nur Europa, sondern auch die Regierungsparteien CDU und CSU zu spalten. Der Fortbestand von Angela Merkels Kanzlerschaft stand gleich mit zur Debatte. Ihre vorläufige Rettung bestand in einem auf den ersten Blick starken Verhandlungsergebnis auf dem EU-Gipfel in Brüssel Ende Juni. Eine wieder etwas fester im Sattel sitzende Bundeskanzlerin stabilisiert jedoch keineswegs die Regierung in Berlin. Die Risse zwischen den Unionsparteien sind unübersehbar – Investoren sind alarmiert.

Drohender Handelskrieg lähmt Aktienmärkte

Die politische Unsicherheit sowie Instabilität Europas ist bedauerlich, da im Weißen Haus in den USA ein Präsident sitzt, der die Europäische Union an gleich mehreren Fronten unter Druck setzt. Vor allem die Sorge vor einem global eskalierenden Handelskrieg sorgte im Juni für deutliche Wertverluste an den Aktienmärkten. Der deutsche Leitindex DAX verlor in der zweiten Monatshälfte innerhalb weniger Handelstage 1.000 Punkte. Gleichzeitig flohen Investoren in die sicheren Häfen deutscher und US-amerikanischer Staatsanleihen – obwohl die Weltwirtschaft eigentlich in guter Verfassung ist. Gerade in den USA und in Schwellenländern sind die Gewinnaussichten rosig.

Dennoch machen sich Anleger Sorgen um die makroökonomische Entwicklung. Das Spektrum der möglichen Szenarien an den Finanzmärkten hat sich für die kommenden Monate und Quartale weiter aufgefächert. Solange Investoren diese Unsicherheiten „handeln“, können gute Unternehmenszahlen nicht vollends überzeugen.

Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.