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Fondsmanagerin Madeleine Kuang: „Vietnam könnte als der lachende Dritte aus dem Handelskonflikt zwischen den USA und China hervorgehen“ | © Fidelity International

Fidelity International zu ASEAN „Südostasien wird zur neuen globalen Wirtschaftsmacht“

Eine junge Bevölkerung, gezielte Reformen, dazu ein starkes Wachstum: Madeleine Kuang, Managerin des Fidelity Funds (FF) ASEAN Fund, über die Fortschritte der ASEAN-Staaten und das Investmentpotenzial für Anleger.

26.09.2019 - 10:06 Uhr | in Interview

multiasset.com: Frau Kuang, das Anlegerinteresse an den ASEAN-Staaten hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, vor allem in Indonesien. Welche Gründe sehen Sie dafür?

Madeleine Kuang: Indonesien hat im Laufe der Jahre aus vielerlei Gründen zunehmend Investoren angezogen. Mit einer Wachstumsrate von 4 bis 6 Prozent pro Jahr und einem Bruttoinlandsprodukt von über einer Billion US-Dollar ist Indonesien zu einer starken Volkswirtschaft geworden. Zudem hat Indonesien die viertgrößte Bevölkerung der Welt, deren Durchschnittsalter bei 30 Jahren liegt. Angesichts des aussichtsreichen demographischen Profils des Landes und seiner kontinuierlichen ökonomischen Weiterentwicklung in den vergangenen Jahren erwarten wir auch in Zukunft weiteres Wachstum.

Sie haben den Einfluss der Regierung bereits angesprochen, können Sie Beispiele nennen?

Kuang: Seit seiner Wahl zum Präsidenten Indonesiens im Jahr 2014 hat Yoko Widodo, der hier von allen nur Jokowi genannt wird, viel für Indonesien unternommen. Er hat 2015 eine Steueramnestie angestoßen und das Gesundheitswesen modernisiert. Schon zu Beginn seiner Amtszeit hat Jokowi die teuren Subventionen für Benzin gestoppt und die Steuerausgaben von den Ölsubventionen abgezogen. In seiner zweiten Amtszeit will er weitere Reformen auf den Weg bringen, zum Beispiel mehr ausländisches Kapital nach Indonesien holen, um damit Direktinvestitionen anzuziehen.

Dennoch hat Indonesien Schwierigkeiten, seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Kuang: Das stimmt. Doch wenn wir über die relative Wettbewerbsfähigkeit sprechen, dann waren die vergangenen 20 Jahre für viele ASEAN-Länder hart, da China mit der Öffnung seines riesigen Binnenmarktes zur Fabrik der Welt wurde. Zwar hat auch Indonesien bis Ende 2011 einen ordentlichen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaftet. Doch im Vergleich zur Größe eines Inlandsmarktes wie China ist es für Indonesien noch immer schwieriger, Unternehmen für seinen Inlandsmarkt zu gewinnen.

Welche Branchen sind auf diesem Markt für Investoren besonders interessant?

Kuang: Derzeit gehen wir davon aus, dass die Reformen des aktuellen Präsidenten Jokowi Indonesien als Ziel für branchenübergreifende Investitionen noch interessanter machen, konkret etwa den Bereich für Tourismusdienstleistungen. Unabhängig davon sehen wir Chancen in allen Bereichen. Der Schlüssel des Erfolgs liegt in Indonesien darin, Aktien mit gutem Wachstumspotenzial zu aussichtsreichen Bewertungen im Blick zu haben, um die angestrebten Renditen zu erreichen.

Lassen Sie uns über Vietnam sprechen. Während Indonesien seit drei Jahren hinter dem Gesamtuniversum der Schwellenländer zurückbleibt, haben sich die vietnamesischen Aktienmärkte sehr gut entwickelt.

Kuang: Absolut. Sowohl der MSCI Emerging Markets als auch der MSCI Indonesien haben in den vergangenen drei Jahren hohe zweistellige Renditen erzielt. Das liegt unter anderem daran, dass Vietnam eine starke Leistung gezeigt hat.

Können Sie das genauer erläutern?

Kuang: Vietnam hat es geschafft, ausländische Direktinvestitionen anzuziehen, was mit neuen Handelsabkommen, steuerlichen Anreizen, niedrigeren Löhnen und der geografischen Lage des Landes zu tun hat. Auch wenn es den Anschein hat, dass Vietnam erst in den vergangenen Jahren als Gewinner „aufgetaucht“ ist, gelingt es dem Land schon seit vielen Jahren, ausländische Direktinvestitionen aus Ländern wie Südkorea anzuziehen. Mittelfristig können sich Investoren auf weitere Reformen freuen, beispielsweise zur Begrenzung ausländischer Beteiligungen und zur Festlegung von Berichtsstandards, Stichwort Corporate Governance.