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Experten

Kames Capital
Gareth Gettinby, Investment Analyst im Multi-Asset-Team von Kames Capital: „Weitere Zinsanhebungen der US-Notenbank sind für den US-Dollar nicht von Vorteil“

Gareth Gettinby über den US-Dollar „Für das Jahr 2018 erwarten wir eine erneute Abwertung“

Der US-Dollar ist nach einem monatelangen Tief auf breiter Basis endlich fester in die neue Handelswoche gestartet. Doch was erwartet Anleger in den kommenden Wochen und im neuen Jahr? Eine Einschätzung von Gareth Gettinby, Investment Analyst im Multi-Asset-Team von Kames Capital.

08.11.2017 - 13:02 Uhr

multiasset.com: Nach einer mehrmonatigen Schwächephase scheint sich der US-Dollar wieder mehr oder weniger im Gleichgewicht zum Euro zu befinden. Wie stufen Sie die Aussichten für die nächsten Quartale ein?

Gareth Gettinby: Nachdem der Greenback im vergangenen September kurzfristig einen Boden erreicht hatte, erwarten wir bis Jahresende eine anhaltende Erholung. Begünstigt wird der Aufwärtstrend durch starke Konjunkturdaten aus den USA, falkenhafte Äußerungen der US-Notenbank Federal Reserve und konjunkturstützende Maßnahmen in der Fiskalpolitik. Diese Impulsgeber wirken angesichts der steigenden Zinsdifferenzen kurzfristig unterstützend. Wir glauben jedoch, dass der Abwärtstrend der US-Währung hierdurch nur vorübergehend unterbrochen wird. Für das Jahr 2018 erwarten wir eine weitere Abwertung.

Welche Faktoren könnten diesen Währungstrend möglicherweise beeinflussen?

Gettinby: Erstens rechnen wir fest mit Zinsanhebungen der Fed im Dezember und im Jahr 2018, was für den US-Dollar nicht unbedingt von Vorteil sein dürfte. Positive Credit Spreads am kurzen Ende konnten die Abwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro im laufenden Jahr nicht verhindern.

Zweitens sind neben der Fed auch andere Notenbanken im Begriff, ihren Normalisierungsprozess in der Geldpolitik einzuleiten, was den Greenback weniger attraktiv macht.

Drittens haben die  globalen Wachstumsschübe zur Folge, dass der US-Dollar mittelfristig weniger Unterstützung durch verlockende Differenzen in den Konjunkturdaten erhält.

Viertens deuten die Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts in den USA darauf hin, dass der US-Dollar schwächer werden könnte. Während eine Ausweitung des Handels zum Abbau des Leistungsbilanzdefizits beitragen könnte, dürfte das Haushaltsdefizit weiter steigen, sollten Donald Trumps Steuerpläne verwirklicht werden. Um diese Defizite finanzieren zu können, müssten die US-Dollar-Wechselkurse vermutlich an Attraktivität gewinnen.

Fünftens sind spekulative Anleger gegenwärtig gegenüber dem US-Dollar neutral positioniert; es bleibt daher jede Menge Spielraum für eine weitere Stimmungseintrübung.