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Goldmine an der Elfenbeinküste: In Australien, Indien, der Eurozone, Japan und vielen weiteren Ländern erreichte der Goldpreis zuletzt Höchststände in lokaler Währung | © Getty Images

Gold und Goldminenaktien Große Unsicherheit sorgt für Glanz im Portfolio

Allgemeine Unsicherheit verhilft Gold zu neuen Höchstständen, schildert Joe Foster, Portfolio Manager bei VanEck, die Lage und gibt einen Ausblick, wie es mit dem Preis des Edelmetalls weitergehen könnte.

11.09.2019 - 11:42 Uhr | in Artikel

Aus den Handelsspannungen ist ein Handelskrieg geworden, der droht, sich in einen Währungskrieg zu verwandeln. Der Goldpreis hat am 26. August als Reaktion der Märkte auf angedrohte und umgesetzte Vergeltungsmaßnahmen zwischen den USA und China mit USD 1.555 je Feinunze ein neues Sechs-Jahres-Hoch erreicht. Es hat den Anschein, als würden die beiden Supermächte – der Platzhirsch USA und der aufstrebende Konkurrent China – auf dem wirtschaftlichen Schlachtfeld einen Krieg um die globale Vorherrschaft austragen.

Gerade in der aktuellen Phase des Konjunkturzyklus könnte die aus diesem Konflikt resultierende Unsicherheit der Weltwirtschaft großen Schaden zufügen und den Handel belasten. Die Zentralbanken senken unterdessen weltweit ihre Zinsen, um so einer Rezession entgegenzuwirken. Dies beschert Gold im gesamten Währungsspektrum Auftrieb, ist das Edelmetall doch ein beliebtes Instrument zur Absicherung gegen konjunkturelle Unsicherheit und Verluste bei den Fiatwährungen.

In Australien, Indien, Europa (Eurozone), Japan und vielen weiteren Ländern erreichte der Goldpreis Höchststände in lokaler Währung. Zum Monatsende lag Gold mit einem Plus von USD 106,40 (7,5 Prozent) bei USD 1.520,30. Silber zeigte mit einer Steigerung um USD 2,12 (13,0 Prozent) auf USD 18,38 ebenfalls eine glänzende Wertentwicklung.

Im Fahrwasser der Edelmetalle legten auch Goldaktien zu und verschafften dem NYSE Arca Gold Miners Index einen Zuwachs von 11,7 Prozent, während der MVIS Global Junior Gold Miners Index einen Anstieg um 8,4 Prozent verbuchen konnte. Die Zentralbanken haben sich durch die steigenden Goldpreise im Juli nicht von weiteren Goldankäufen abhalten lassen. Derzeit sieht es danach aus, als würde bei den Goldankäufen die Marke von 2018 – dem zweithöchsten jemals verzeichneten Wert – durchbrochen werden. Die größten Goldeinkäufer 2019 sind Russland, Polen, China, die Türkei und Indien. Handelskriege und Sanktionen liefern den Schwellenländern einen weiteren Grund, ihre Devisenreserven durch zusätzliche Goldkäufe aufzustocken.

Warnsignale ernst nehmen

Ähnlich wie bei der im Juli beobachteten Konsolidierung über USD 1.400 stabilisiert sich der Goldpreis derzeit über dem Niveau von USD 1.500 je Feinunze. Die Positionierung bei Futures und die starken Zuflüsse bei Gold-ETFs könnten Vorboten einer baldigen Kurskorrektur sein.

Angesichts der starken Kursbewegungen seit Juni mit Durchbrechen technischer Marken sowie der wachsenden Risiken im Zusammenhang mit dem Brexit, den Handelskonflikten und der Konjunkturflaute könnte der Goldkurs jedoch gut und gerne ein noch deutlich höheres Niveau erreichen, bevor schließlich die unvermeidliche Korrektur eintritt.

Aus den Kommentaren des Vorsitzenden Jerome Powell beim Treffen der Notenbankchefs am 31. Juli in Jackson Hole ging hervor, dass es sich bei der im Juli vorgenommenen Zinssenkung der US-Notenbank („Fed“) um eine vorsorgliche Maßnahme zur Absicherung gegen Risiken und eine Anpassung in der Mitte des Konjunkturzyklus handelt. Diese beruhigenden Worte erinnern an die Kommentare eines Amtsvorgängers Powells im Vorfeld der globalen Finanzkrise. Damals hieß es, die Probleme im Zusammenhang mit Subprime-Immobilienkrediten seien unter Kontrolle. Einige Tatsachen sollten Marktbeobachter indes ins Grübeln bringen:

  • Seit 1921 kam es elfmal zu einer Umkehrung der Zinsstrukturkurve bei Staatsanleihen mit drei Monaten/ zehn Jahren Laufzeit, und in allen elf Fällen folgte hierauf eine Rezession. Im August war zum zwölften Mal eine solche Inversion zu beobachten.
  • Der US-amerikanische ISM Purchasing Managers’ Index fiel im August auf einen Wert von 49,1. Dies bedeutet, dass sich das verarbeitende Gewerbe weltweit offiziell in der Rezession befindet.
  • Seit den 1930er Jahren hat die Fed ihren Zinserhöhungszyklus noch nie bei einem Zinssatz von nur 2,5 Prozent beendet.
  • Die Fed senkt ihren Leitzins in einem gewöhnlichen Lockerungszyklus um 5-6 Prozent, was darauf schließen lässt, dass die Zinsen letztlich wie in Europa und Japan auch in den USA unter 0 Prozent fallen werden.
  • Seit der Schuldenblase 2007 ist die weltweite Verschuldung um USD 128 Bio. auf USD 244 Bio. gestiegen, während die weltweite Verschuldungsquote im Verhältnis zum BIP von 98 Prozent auf 187 Prozent geklettert ist. Zinssenkungen sind in Zeiten weltweiter Überschuldung ein wenig probates Mittel.
  • Weltweit rentieren Anleihen im Gesamtvolumen von USD 17 Bio. im negativen Bereich.6 Unserer Ansicht nach herrscht im Finanzsystem derzeit in vielerlei Hinsicht alles andere als Normalität, und da der rekordverdächtige Wirtschaftsaufschwung nun offenbar dem Ende zugeht, könnten diese Anomalien erhebliche und unvorhersehbare Risiken bereithalten. Mit Blick auf die jüngste Wertentwicklung könnten Gold und Goldaktien im Portfolio einen Beitrag zur Absicherung gegen diese Risiken leisten.

Historische Trends bei Gold und Goldaktien

Ein Vergleich mit früheren mehrjährigen Phasen steigender Goldpreise (bzw., allgemeiner gesagt, „Bullenmärkte“) lässt vielleicht Rückschlüsse auf die weitere Entwicklung des Marktes zu. In nachstehender Grafik werden mehrere Bullenmärkte der vergangenen fünfzig Jahre gegenübergestellt und als „säkular“ (langfristig) oder „zyklisch“ (kurzfristiger Aufschwung während eines allgemeinen mehrjährigen Rückgangs der Goldpreise bzw. eines „Bärenmarktes“) klassifiziert. Die Entwicklung des Goldpreises seit 2015 folgt demselben Muster wie die des zyklischen Bullenmarktes von 1993 bis 1996. Angesichts der Preisentwicklung seit Juni ähnelt der aktuelle Markt unserer Einschätzung nach jedoch mehr und mehr dem säkularen Bullenmarkt von 2001 bis 2008.