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Ein überfülltes Schwimmbecken in China: Dass mehr nicht immer besser ist, weiß auch Koen Van de Maele von Candriam. Er findet: Ab einer gewissen Anzahl von Titeln geht die Risikostreuung verloren  | © Getty Images

Indizes mal anders „Gewöhnliche ETFs sind kontraintuitiv”

Index-Tracker werden immer beliebter. Doch Candriams Leiter für Investment-Lösungen, Koen Van de Maele, ist gegenüber größengewichteten Indizes skeptisch. Was daran bedenklich ist und wie es besser geht, erläutert er im Interview.

13.03.2019 - 09:32 Uhr | Von:  in Fonds

multiasset.com: Herr Van de Maele, Candriam bildet eigene Indizes. Stört Sie etwas an den bereits Vorhandenen?

Koen Van de Maele: Die meisten Indizes basieren auf der Marktkapitalisierung. Das bedeutet: Die beliebtesten und häufig auch teuersten Titel haben auch das meiste Gewicht. Mit einem Indexfonds kaufen Anleger also die teuersten Sektoren und Regionen – das sollte eigentlich nicht passieren. Normalerweise kaufen Anleger ja die günstigsten Papiere und warten, dass die Kurse steigen. Zudem weisen Indizes viel weniger Risikostreuung auf, als die meisten Anleger glauben. So ist es zwar naheliegend, dass ein Index wie beispielsweise der S&P 500 mit 500 Titeln gut diversifiziert ist. Für die Risikostreuung zählen aber tatsächlich nur die ersten 100.

Betrifft dies auch Anleiheindizes?

Van de Maele: Gewiss, und sogar in einem größeren Maße als Aktienindizes. Zum einen investieren Anleger damit in Unternehmen und Länder, die hoch verschuldet sind – eine Entscheidung, die der Vernunft widerstrebt. Hinzu kommt das Zinsrisiko. Wenn die Anleiherenditen wie in letzter Zeit niedrig sind, geben Unternehmen in der Regel sehr langlaufende Wertpapiere heraus. Index-Investoren kaufen Anleihen mit langer Duration und sehr niedrigen Renditen. Das ist Unsinn: Langlaufende Anleihen lohnen sich, wenn die Renditen hoch sind. Anleiheindizes auf Grundlage der Marktkapitalisierung sind also kontraintuitiv.

Bedeutet das, dass Indizes die Märkte nicht gut repräsentieren?

Van de Maele: Indizes bilden per Definition die Märkte ab. Jedoch sind ETFs nicht die intelligenteste Art, in den Markt zu investieren, da die teuersten Titel dort am stärksten vertreten sind.

Warum kaufen Anleger sie dennoch?

Van de Maele: Manche Investoren machen es sich viel zu leicht. Der Begriff „passives Investment“ suggeriert, dass Anleger hier nicht aktiv werden müssen. Deswegen mag ich ihn nicht. Meiner Ansicht nach ist es eine aktive Entscheidung, in Indizes zu investieren. Anleger sollten sich unbedingt damit auseinandersetzen, wie ein Index konstruiert ist. Denn im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds sind Indizes sehr transparent: Anleger können die Zusammensetzung und somit den Inhalt ihrer ETF-Portfolios täglich komplett einsehen. Zudem funktioniert die Anlage nach festen Regeln.

Wodurch unterscheiden sich die Indizes von Candriam von der Konkurrenz?

Van de Maele: Bei unseren Indizes – sie laufen unter dem Markennamen IndexIQ – verwenden wir andere, vernünftigere Strategien. Im ersten Schritt filtern wir das Anlageuniversum nach Umwelt-, sozialen und Governance-Kriterien (ESG), sind aber nicht allzu selektiv. Etwa 30 Prozent der Titel werden dabei unmittelbar ausgeschlossen – das sind Unternehmen, die in kontroverse Aktivitäten wie beispielsweise Waffenherstellung verwickelt sind. Innerhalb der verschiedenen Sektoren erhalten wir damit eine relative Einstufung und nehmen die 70 besten Wertpapiere in die weitere Auswahl auf – das ist unser Best-in-Class-Ansatz. Auf Staatsanleihen wenden wir zudem ein Screening an, bei dem Länder nach Faktoren wie beispielsweise Demokratie eingestuft werden. Im Moment beobachten wir besonders Polen und Ungarn. Sollten in diesen Staaten demokratische Grundsätze angetastet werden, werden wir sie aus unserem Anlageuniversum entfernen.

Im zweiten Schritt gewichten wir Unternehmen anhand ihrer Fundamentaldaten. Wir analysieren den Umsatz, die Profitabilität, den Cashflow und die Bilanzen. So haben wir einen Ansatzpunkt, der viel intuitiver ist als bei den meisten Indizes. Schlussendlich haben wir außerdem noch einen Smart-Beta-Ansatz.