Sie besuchen Multiasset.com mit einem veralteten Internet Explorer. Darstellung und Nutzungserlebnis sind deshalb nicht optimal.
Aktuelle Version kostenlos herunterladen »

„Gewöhnliche ETFs sind kontraintuitiv”

13.03.2019 09:32 Uhr | Von: 

Welche Faktoren nutzt Candriam beim Smart-Beta-Ansatz?

Van de Maele: Als Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont haben wir den Faktor Momentum von vorn herein ausgeschlossen: Bereits teuren Aktien hinterherzujagen in der Hoffnung, dass sie weiter im Wert steigen, ist langfristig nicht sinnvoll. Die Faktoren, die wir nutzen, repräsentieren dagegen Prinzipien langfristig ausgerichteten und wohlüberlegten Investierens. Mit dem Faktor Value kaufen wir Wertpapiere, die günstiger sind als der Gesamtmarkt und damit noch wachsen können. Zudem berücksichtigen wir den Faktor Size – also die Unternehmensgröße. Denn: Aktien kleiner Unternehmen haben bessere Chancen bei der Kursentwicklung. Auch der Faktor Quality spielt bei unseren Investitionen eine große Rolle, denn Qualitätsunternehmen wachsen nachhaltig und können auch Krisen überstehen. Schlussendlich nutzen wir den Faktor Low Volatility. Damit suchen wir nach Titeln, deren Kurse wenig schwanken.

Diese vier Faktoren haben wir ausgewählt, weil sie den Prinzipien des langfristigen und vernünftigen Investierens entsprechen und voneinander unabhängig sind – die Korrelation ist gering.

Wie viele Titel enthalten die Indizes und welche Regionen und Sektoren werden durch diese Filterung in den Indizes übergewichtet?

Van de Maele: Die Aktienindizes enthalten zwischen 150 und 300 Titel, bei Anleihen sind es zwischen 100 und 280. Damit erzielen wir eine gute Risikostreuung für den langfristig ausgerichteten Investor. Bei der Gewichtung sind Finanztitel und Industriewerte relativ prominent vertreten, während die Bereiche IT und Healthcare aufgrund ihrer recht teuren Bewertungen weniger präsent sind.

Welche Indizes bietet Candriam an?

Van de Maele: Wir haben fünf ETFs, die den entsprechenden Indizes folgen. Für Aktieninvestoren bieten wir den Sustainable Europe Equity (LU1603795458), den Sustainable EMU (Eurozone) Equity (LU1603797074) und den Sustainable Japan Equity (LU1603797587) an. Wer in Anleihen investieren möchte, hat die Wahl zwischen dem Sustainable Sovereign Euro Bond (LU1603795292) und dem Sustainable Corporate Euro Bond (LU1603790731).

Das sind alles Indizes, die Wertpapiere aus Industrieländern enthalten. Wieso hat Candriam keine Schwellenländer-Indizes gebildet?

Van de Maele: Schwellenländer bieten ein viel größeres Potenzial für Alpha – hier haben aktive Fondsmanager die besten Erfolgschancen. Selbstverständlich könnten wir dort auch einen Index mit den gleichen Aufnahmekriterien auflegen, aber aktuell sehen wir dort einen höheren Mehrwert im klassischen aktiven Management.

Wie funktioniert die fundamentale Gewichtung bei Ihren Anleiheindizes?

Van de Maele: Beim Sustainable Euro Bond, der hauptsächlich Staatsanleihen enthält, gewichten wir nach der Höhe der Bevölkerung und des Bruttoinlandsprodukts. Das ist sinnvoller als eine auf Marktkapitalisierung basierende Gewichtung. So ist die Wirtschaftskraft von Ländern viel besser repräsentiert. Italien zum Beispiel ist bei uns dadurch etwa 10 Prozent geringer gewichtet als in Indizes, die auf der Marktkapitalisierung basieren. Ähnlich verhält es sich mit Frankreich und Belgien. Angesichts der hohen Verschuldung dieser Länder ist das für Anleger von Vorteil.

Bei Unternehmensanleihen ähneln die Kriterien der Gewichtung denen unserer Aktienindizes: Wir betrachten Umsatz, Profit, Bilanzen sowie den freien Cashflow. Denn letztendlich geht es uns, wie bei Aktien, um das Unternehmen und seine Rolle in der Wirtschaft.

Zahlt sich dieser Ansatz bei Indizes aus?

Van de Maele: In der Regel übertreffen unsere Indizes andere, eher klassische Indizes, im Hinblick auf die Rendite und beim Rendite-Risiko-Profil. Aufgrund der abweichenden Zusammensetzung beträgt der Tracking Error im Vergleich zu klassischen Indizes zwischen 2 und 3 Prozent, entspricht also mehr oder weniger den Markterwartungen. Langfristig sollte die Rendite aber höher sein als bei herkömmlichen Indizes, bedingt durch den nachhaltigen Ansatz. Auch die Volatilität ist in der Regel etwas niedriger als in Indizes, in denen Titel nach Marktkapitalisierung gewichtet sind.

Vielen Dank für das Gespräch!