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Einkaufsstraße in Madrid: Weil die Europäische Zentralbank die Zinsen weiterhin niedrig halten wird, sind steigende Inflationsraten in der Eurozone zu erwarten | © Getty Images

Interview mit Guillaume Rigeade von Edmond de Rothschild Asset Management „US-Staatsanleihen sind für uns tabu“

Welches Anleihesegment man sich auch immer vorstellen mag – Guillaume Rigeade, Manager des Edmond de Rothschild Fund Bond Allocation, kann alles kaufen. Derzeit zieht er es allerdings vor, ein Drittel des Fondskapitals als Barreserve bereit zu halten.

15.02.2017 - 09:48 Uhr | Von:  in Anleihen

multiasset.com: Herr Rigeade, wie sieht Ihr Ausblick für den europäischen Markt aus?

Guillaume Rigeade: Wir haben im Edmond de Rothschild Fund Bond Allocation (ISIN: LU1161527038) unsere Schutzmechanismen verstärkt und die Cash-Quote des Portfolios auf ein Drittel hochgefahren. Zuletzt war der Markt von Risiken wie der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas und der Zinspolitik der US-Notenbank Fed geprägt. Nach dem Brexit-Referendum und der überraschenden Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten nehmen wir nun die in diesem Jahr bevorstehenden wichtigen Wahlen in Europa in den Blick. Auch bei diesen Entscheidungen der Wähler könnte sich Unerwartetes ereignen.

Auf die bevorstehenden Unwägbarkeiten sind wir jedoch gut vorbereitet. Unser Portfolio mit einem Nettovermögen von knapp 750 Millionen Euro ist auf der Grundlage fester Überzeugungen aufgebaut, so gehen wir zum Beispiel davon aus, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen weiterhin sehr niedrig halten wird. Es ist absehbar: Auch wenn die konjunkturelle Entwicklung der Eurozone weiter vorankommt, wird die Europäische Zentralbank die Zinsen weiterhin niedrig halten. Nicht zuletzt, um die Verschuldung der Euroländer und die zu leistenden Zinszahlungen nicht zu einer zu großen Belastung werden zu lassen.

Wie setzen Sie diese Markteinschätzung um?

Rigeade: Wir halten zwei Drittel unseres investierten Kapitals in europäischen Unternehmensanleihen. Wir gehen von steigenden Inflationsraten in der Eurozone aus und erwarten eine weiterhin lockere Geldpolitik der EZB. Wir erinnern uns: Vor wenigen Monaten wurden die monatlichen Anleihenkäufe der EZB über den März 2017 hinaus verlängert, wenn auch in etwas abgespeckter Form von „lediglich“ 60 Milliarden statt zuvor 80 Milliarden Euro monatlich. Sie laufen jetzt vorerst bis zum Jahresende.

Wir gehen davon aus, dass Mario Draghi und sein Team alles daransetzen, in den kommenden Quartalen die Inflation zu befeuern. Anleihen werden von dieser Geldpolitik weiterhin profitieren. Deshalb sichern wir uns mit inflationsgeschützten Anleihen ab. Gut möglich, dass wir im Frühjahr hier noch ein wenig nachlegen.