Sie besuchen Multiasset.com mit einem veralteten Internet Explorer. Darstellung und Nutzungserlebnis sind deshalb nicht optimal.
Aktuelle Version kostenlos herunterladen »
Wahlberechtigte im Südwesten Nigerias im September 2018: Das Bruttoinlandsprodukt der nach Südafrika zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas belief sich 2017 auf umgerechnet 322 Milliarden Euro.  | © Getty Images

Interview mit Investec AM zu Frontier-Märkten „In Afrika bewegt sich etwas“

In Europa unbemerkt kommen einzelne Länder Afrikas wirtschaftlich und politisch voran, nicht zuletzt befeuert von Investitionen aus China, berichtet Nazmeera Moola, Co-Head of South Africa & Africa Fixed Income bei Investec AM. Kapitalanlagechancen ergeben sich unter anderem in Nigeria, Ghana und Kenia.

11.10.2018 - 14:22 Uhr | Von:  in Aktien

multiasset.com: Frau Moola, afrikanische Frontier-Märkte werden von Anlegern ängstlich-hoffnungsvoll beobachtet. Haben sich in den vergangenen Jahren neue Argumente ergeben, um in Afrika zu investieren? Welche Chancen bieten sich?

Nazmeera Moola: Nach dem Überschwang der Jahre 2011 und 2012 haben wir in den vergangenen Jahren eine Neubewertung von Schwellenländer-Assets erlebt. Wir erinnern uns: Die Immobilienpreise in der nigerianischen Hauptstadt Lagos mit ihren zehn Millionen Einwohnern schlossen die Lücke zu den Developed Markets. Angesichts der in der Breite wieder moderateren Preise einer Vielzahl von Afrika-Assets bieten sich derzeit gute Einstiegsmöglichkeiten.

Trotz des zyklischen Konjunkturverlaufs sind die Treiber des strukturellen Wachstums in afrikanischen Ländern weiterhin intakt. Hierzu gehören die günstige demografische Entwicklung und eine in vielen Ländern verbesserte Regierungspolitik.

Beim oberflächlichen Blick scheint aber gerade der in einzelnen Ländern offensichtlich fehlende politische Wille Entwicklungschancen zu behindern…

Moola: Es fällt manchmal schwer, die Fortschritte im Bereich Governance zu erkennen – insbesondere dann, wenn man afrikanische Länder mit Deutschland, um ein Beispiel zu nennen, vergleicht. Aber sehen Sie: Nigeria hat im Zuge der Präsidentschaftswahlen im Jahr 2015 einen überraschend friedlichen und konstruktiven Machtwechsel erreicht. Das mit mehr als 190 Millionen Einwohnern mit Abstand bevölkerungsreichste Land Afrikas ist zugleich die zweitgrößte afrikanische Volkswirtschaft nach Südafrika.

Auch in Ghana mit 30 Millionen und Angola mit 29 Millionen Menschen gibt es Fortschritte. In vielen Subsahara-Ländern geht die Kindersterblichkeit zurück, Bildung und Ausbildung werden besser, viele sozioökonomischen Faktoren entwickeln sich in die richtige Richtung. Interessant dabei die Beobachtung von Wissenschaftlern: Die wirtschaftlichen Veränderungen in Afrika ereignen sich schneller als es in europäischen Ländern in der Epoche der Industrialisierung der Fall war. 

Welche Länder bieten sich vorzugsweise für Investments an?

Moola: Nigeria hat die gravierendste Rezession seit mehr als 20 Jahren hinter sich, der Ölpreisverfall der vergangenen Jahre forderte Tribut. Nigeria ist jedoch einer der Märkte mit dem größten Potenzial überhaupt – vor allem auch wegen seines Ölreichtums, der dem Land angesichts des wieder steigenden Ölpreises eine eindrucksvolle Kaufkraft beschert.

In Ghana, ein Stabilitätsanker in Westafrika, ist seit 2016 ein neuer Staatschef im Amt, der entschlossen gegen Korruption vorgeht. Kenia mit seinen 50 Millionen Einwohnern hat schwierige Wahlen hinter sich, aber alle wichtigen sozioökonomischen Faktoren entwickeln sich gut. Das heutige Kenia, gemessen am Bruttoinlandsprodukt größte Volkswirtschaft in Südost- und Zentralafrika, ist nicht mehr zu vergleichen mit dem Kenia vor zehn oder zwanzig Jahren.

Wirtschaftlich auf einem guten Weg sind auch das kleine Ruanda sowie Äthiopien, mit 105 Millionen Menschen der bevölkerungsreichste Binnenstaat der Welt.