Sie besuchen Multiasset.com mit einem veralteten Internet Explorer. Darstellung und Nutzungserlebnis sind deshalb nicht optimal.
Aktuelle Version kostenlos herunterladen »
Blick in die Gran Vía in Madrid: Spaniens Aktienmarkt lockt Anleger mit neuen Chancen | © Getty Images

Interview zum Research von StarCapital „Korea, Singapur und Spanien bieten hohes Potential“

Viele Anleger setzen ungünstige Schwerpunkte im Portfolio und meiden die attraktivsten Regionen. Für aktive Investoren, die ihre Länderallokation unabhängig von der Benchmark gestalten können, eröffnen sich jedoch Chancen, erläutert Norbert Keimling, Leiter Kapitalmarktforschung bei StarCapital.

15.06.2018 - 08:47 Uhr | Von:  in Research

Herr Keimling, Sie widmen sich intensiv dem Research der weltweiten Aktienmärkte. Welche Märkte erscheinen mit Blick auf die Zukunft besonders attraktiv? Wo rangieren hier insbesondere die Schwellenländer?

Ein Blick in die Geschichte lehrt, dass attraktiv bewertete Aktienmärkte langfristig deutlich mehr Steigerungspotential bieten als hoch bewertete. Aktuell notieren 20 von 40 Aktienmärkten nach unseren Modellen unter ihrem fairen Wert.

Hierbei stechen insbesondere die Emerging Markets ins Auge aber auch etablierte europäische und asiatische Märkte wie Korea, UK, Spanien oder Italien. Alle diese Länder enttäuschten über die letzten fünf bis zehn Jahre und zeigen entsprechendes Nachholpotential.

Dem gegenüber mahnt die Bewertung nordamerikanischer Aktien zur Vorsicht: So wurden US-Aktien historisch im Mittel mit einem zyklisch geglätteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (CAPE) von 18 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,8 bewertet. Aktuell notieren US-Aktien 60 bis 80 Prozent höher – in der Vergangenheit folgten auf solche Bewertungen längerfristig Enttäuschungen.

Also nur verhaltene Aussichten?

Das kommt auf die Perspektive an. Für benchmarknahe Investoren ist dies keine günstige Konstellation. So hält der MSCI World etwa 60 Prozent im US-Markt und Emerging Markets sind gar nicht vertreten. Wer also in den MSCI World beispielsweise über einen weltweiten ETF investiert, setzt ungünstige Schwerpunkte und meidet die attraktivsten Regionen. Für aktive Investoren, die ihre Länderallokation unabhängig von der Benchmark gestalten können, eröffnen sich jedoch Chancen.

Welche Aktienmarktrenditen können Anleger langfristig auf Basis der fundamentalen Bewertung erwarten? Wie entwickelt sich beispielsweise der Weltaktienmarkt, welche Renditen sollten die Emerging Markets bringen?

Die geringsten Renditen erwarten wir bei US-Aktien. In den vergangenen Jahrzehnten folgten auf zu heute vergleichbare Bewertungen lediglich reale Wertzuwächse von jährlich 3 Prozent über die folgenden 10 bis 15 Jahre. Europäische Aktien und die Emerging Markets bieten mit rund 7 Prozent deutlich mehr Potential.

Und kurzfristig?

Unsere Modelle erlauben lediglich Aussagen für Zeiträume von über zehn Jahren. Über kürzere Zeiträume werden die Märkte zu stark von unvorhersehbaren Ereignissen wie Krisen, politischen Ereignissen und den emotionalen Reaktionen der Marktteilnehmer bestimmt.

Können Sie Länder mit den höchsten Renditeerwartungen benennen?

Unter den Emerging Markets erscheinen zum Beispiel in China, Russland, Türkei und Polen überdurchschnittliche Wertzuwächse von 10 Prozent p.a. durchaus realistisch. Bei den etablierten Ländern bieten unter anderem Korea, Singapur und Spanien mit erwarteten Renditen von durchschnittlich 9 Prozent p.a. hohes Potential. Diese Schätzungen beziehen sich jedoch auf Anlagezeiträume von über zehn Jahren, kurz- bis mittelfristig können auch bei günstigen Märkten jederzeit temporäre Korrekturen auftreten.