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Straßenszene in Burkina Faso: Weltweit fallen die Erzeugungskosten erneuerbarer Energien stark | © Getty Images

Investments in Erneuerbare Energien Wie die Energiewende auf die Anleihenmärkte wirkt

Wie Anleger von den globalen Anstrengungen, weniger abhängig von fossilen Brennstoffen zu sein, profitieren und das Risiko von Stranded Assets minimieren, erläutern Ariel Bezalel, Kapitalmarktstratege und Fondsmanager des Jupiter Dynamic Bond und Hilary Blandy, Head of Credit Research, bei Jupiter AM.

24.09.2019 - 10:46 Uhr |

Die Energiewende wirkt sich bereits sichtbar auf die globalen Energiemärkte aus. Erneuerbare Energien und die globalen Anstrengungen, weniger abhängig von fossilen Brennstoffen zu sein, beeinflussen sowohl das Energieangebot als auch die -nachfrage. Angetrieben von disruptiven Kräften neuer Technologien, koordinierten politischen Maßnahmen und Umweltbedenken gewinnt diese langfristige Transformation immer mehr an Fahrt. Während unser Research-Team für Unternehmensanleihen vornehmlich Unternehmen auf Einzelfallbasis analysiert, sind wir uns der möglichen Auswirkungen dieses langfristigen Themas für unsere Kunden sehr wohl bewusst. Unsere Sektoranalysten berücksichtigen, wie wir auf die Energiewende blicken und wie sie sich auf verschiedene Sektoren auswirken könnte.

Die Gefahr von „Stranded Assets“ steigt

Weltweit fallen die Erzeugungskosten erneuerbarer Energien so stark, dass Wind- und Solarenergie bald die kosteneffektivsten verfügbaren Optionen werden könnten. Hinzu kommt eine starke aufsichtsrechtliche Unterstützung für Projekte im Bereich erneuerbarer Energie, die oftmals von staatlichen Zuschüssen und gesicherten Stromabnahmeverträgen profitieren. Zudem erhöht der wirtschaftliche Wandel das Risiko, dass Vermögenswerte im Bereich fossiler Brennstoffe in den kommenden Jahren zu „Stranded Assets“ werden. Das heißt sie sind nicht mehr verwertbar, wenn das Angebot an erneuerbaren Energien schneller als erwartet wächst.

Sind wir für die Risiken und Chancen der Energiewende richtig aufgestellt?

Im Stromsektor ist der strukturelle Rückgang von Kohle verglichen zum Wachstum der erneuerbaren Energien ein wichtiges Thema bei unserer Titelauswahl. Kraftwerkskohle stehen wir negativ gegenüber, selbst in Schwellenländern, in denen sie derzeit noch dominiert. Wir finden auch dort die gleichen strukturellen Herausforderungen, nur das sie noch etwas in der Zukunft liegen. Dem entgegen sehen wir bedeutende Anlagechancen in Schwellenmärkten wie Indien, Argentinien und Osteuropa, weil dort Programme für erneuerbare Energien eingeführt werden.

Das spiegelt sich auch in unserer Positionierung im Bergbausektor wider. Hier meiden wir strukturell rückläufige Produkte wie Kraftwerkskohle, um das Risiko von Stranded Assets zu minimieren. Dass Anleger zunehmend Kraftwerkskohle ablehnen, zeigt sich besonders deutlich im US-amerikanischen Markt für Hochzinsanleihen. Aufgrund des ESG-Trends hat sich das Risiko erheblich erhöht, dass Kohlebergbauunternehmen ihre Anleihen selbst bei den angebotenen attraktiven Bewertungen nicht refinanzieren können.

Der Straßenverkehr beansprucht circa die Hälfte des weltweiten Öls. Kraftstoffeffizientere Fahrzeuge und der Einfluss von Elektrofahrzeugen haben dazu geführt, dass die globale Öl-Nachfrage früher als erwartet ihren Höhepunkt erreichen wird – vielleicht schon im Jahr 2030. Diese Makroeinschätzung wirkt sich auf unsere Titelauswahl in der Öl- und Gasexploration und -förderung aus. In unserer globalen, uneingeschränkten Anleihestrategie liegt unser aktuelles Engagement bei weniger als 3 Prozent des Portfolios. Wir bevorzugen derzeit Instrumente mit kurzer Duration und investieren in Anleihen mit Laufzeiten unter fünf Jahren, was unser Exposure gegenüber dem Energiewenderisiko reduziert. Wir wählen Emittenten, die aufgrund günstiger Produktionsanlagen oder niedriger Arbeitskosten über kostengünstige betriebliche Abläufe verfügen und somit bei einer raschen Energiewende widerstandsfähiger sein dürften.

Bei Hochzinsanleihen ist vor allem die Qualität der Unternehmensführung entscheidend. Sowohl vor als auch nach einem Investment arbeiten wir regelmäßig mit den Managementteams zusammen, damit wir ihre Herangehensweise im Kapitalmanagement verstehen. Wir suchen nach Unternehmen mit soliden Absicherungsprogrammen für Rohstoffpreise, um die Abwärtsrisiken zu reduzieren, und nach Managementteams, die die Kapitalerhaltung und den Schuldenabbau gegenüber Aktionärsdividenden bevorzugen. Die Qualität der Unternehmensleitung ist besonders wichtig in einem Umfeld, in dem sich der Schieferöl-Boom in den USA langsam abzukühlen scheint und Bonitäten sich verschlechtern. Zahlreichen US-Schieferölunternehmen fehlte es in den letzten Jahren an einem disziplinierten Kapitalmanagementansatz. Sie tätigten Aktienrückkäufe, obwohl ihr operativer freier Cashflow durchgängig negativ war. Dies ändert sich langsam, da Anleihegläubiger von ihnen fordern, sich auf Liquiditätssicherung und Schuldenabbau zu konzentrieren.

Die Themen der Energiewende und möglicherweise striktere Regulierungsmaßnahmen beeinflussen auch unsere Meinung zu Industriewerten. Hier verfolgen wir einen vorsichtigen Ansatz bei Unternehmen, die sehr energieintensive Geschäftsmodelle und eine starke Untergewichtung bei traditionellen Industriewerten wie typischen Stahlherstellern haben. Wir integrieren die Auswirkungen höherer Faktorpreise in unsere Modelle und berücksichtigen Risiken verbunden mit Kosten von Emissionsgutschriften. Dies ist ein sich stetig weiterentwickelnder Bereich in unserem Research und wir prüfen derzeit potenzielle Anlageideen rund um Industriewerte mit widerstandsfähigeren Geschäftsmodellen, wie Unternehmen, die vorgelagert in eine saubere Stromerzeugung integriert sind.