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Skyline von Tokio: Die nervöse Stimmung steht im Widerspruch zur Verbesserung der Fundamentaldaten | © Getty Images

Japanischer Aktienmarkt damals und heute Ähnlich, aber nicht gleich

Viele Anleger denken: Japans Aktienmarkt brach Ende der 1980er Jahre spektakulär ein und hat sich seither nicht mehr erholt. Die Annahme ist irreführend, meinen Ernst Glanzmann und Reiko Mito, Fondsmanager bei GAM Investments.

19.08.2019 - 17:17 Uhr | in Artikel

In den vergangenen drei Jahrzehnten haben sich die japanischen Finanzmärkte den etwas ungerechtfertigten Ruf erworben, sie würden Anleger konstant enttäuschen. Japanische Staatsanleihen (JGBs) wurden als «weltgrößte Witwenmacher» bezeichnet, während viele Anleger das Bild eines Aktienmarktes vor Augen haben, der Ende der 1980er Jahre spektakulär einbrach und sich trotz zahlreicher Fehlstarts nie richtig erholen konnte. Beide Aussagen sind jedoch irreführend.

Der Begriff „Witwenmacher“ bezieht sich insbesondere auf Leerverkäufe japanischer Staatsanleihen. Gemeint ist die damalige Wette, dass die Renditen von niedrigen Niveaus ausgehend steigen müssten – nachdem die Bank of Japan (BoJ) im Jahr 1999 erstmals eine Nullzinspolitik eingeführt hatte –, und damit verbunden die Annahme, dass die JGB-Kurse unvermeidlich fallen würden. Mittlerweile versuchen zahlreiche Anleger, sich auf eine „Normalisierung“ der Geldpolitik an den Märkten der westlichen Industrienationen zu positionieren, die bislang jedoch nicht wirklich eintrat. Der jüngste Richtungswechsel in der Geldpolitik der Fed zeigt dies nur allzu deutlich. Der einzige wirkliche Unterschied zwischen diesen beiden Szenarien besteht darin, dass die Leerverkäufer japanischer Staatsanleihen die enorme Loyalität der lokalen Anleger unterschätzen, die trotz der mageren Renditen zusätzlich JGB-Positionen aufbauten. In ähnlicher Weise hat sich die BoJ insbesondere unter der Führung von Zentralbankgouverneur Kuroda vorbehaltslos hinter die Reflationsbemühungen der Regierung gestellt.

Analyse der zweiten Behauptung: Trifft es tatsächlich zu, dass sich japanische Aktien nicht vollständig vom extremen Rückschlag Ende der 1980er Jahre erholen konnten?

In den vergangenen Jahren war eine bemerkenswerte Dynamik zu beobachten: Ungeachtet der allgemeinen Marktrichtung wurden japanische Aktien zunehmend günstiger. Gelegentliche Verkaufswellen am japanischen Aktienmarkt wurden von einer nervösen Stimmung getrieben, die im Widerspruch zur Verbesserung der Fundamentaldaten stand. Selbst während der von Ministerpräsident Abe ausgelösten Rally von 2012 bis 2018 konnten die steigenden Aktienkurse nicht mit dem Wachstum der Unternehmensgewinne Schritt halten. Während US-Markt-Kommentatoren davon sprechen, dass der S&P 500 Index billiger ist als zu bestimmten Zeiten in der Vergangenheit, können wir auf außerordentlich attraktive Bewertungen japanischer Aktien verweisen. Der Markt notiert derzeit mit niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnissen als während der globalen Finanzkrise und zum Zeitpunkt der Regierungsübernahme durch Shinzo Abe. Angesichts der positiven mikro- und makroökonomischen Entwicklungen lässt sich dies anhand fundamentaler Kriterien zunehmend schwieriger rechtfertigen.

Drei Gründe für Zuversicht

Im Jahr 1979 verfasste der britische Musiker Ian Dury einen Song mit dem rätselhaften Titel „Reasons to be Cheerful, Part 3“. Bei der Beurteilung der Anlageaussichten japanischer Aktien im Vergleich zu ihren globalen Pendants, erkennen wir nach unserer Einschätzung mindestens drei Gründe, weshalb Anleger in japanischen Aktien zuversichtlich sein können.

Erstens erwirtschaften japanische Unternehmen im historischen Vergleich hohe Gewinne und Margen. Der leer gefegte Arbeitsmarkt verspricht gutes Einkommenswachstum. Dies dürfte den Konsum weiter ankurbeln und damit den Trend steigender Gewinne und Margen fortsetzen.

Zweitens haben die Führungsteams japanischer Unternehmen dank der robusten Gewinnmargen und Cashflows nicht nur erheblich mehr Spielraum für die Umsetzung von Investitionsplänen, die das zukünftige Wachstum des Geschäfts zusätzlich ankurbeln, sondern auch für Anpassungen der Kapitalverwendungsrichtlinien zugunsten von Rückführungen an die Aktionäre.

Drittens steigen die Dividendenrenditen weiter und die reinvestierten Dividenden stellen eine wichtige Komponente der Gesamtrendite japanischer Aktien dar.