Sie besuchen Multiasset.com mit einem veralteten Internet Explorer. Darstellung und Nutzungserlebnis sind deshalb nicht optimal.
Aktuelle Version kostenlos herunterladen »
Snowboarder Ayumu Hirano in einer Fotosequenz bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang, Südkorea: An der Börse lässt die Jagd auf Gold anders als im Sport noch auf sich warten | © Getty Images

J.P. Morgan-Analyst Tilmann Galler über Edelmetall-Investments „Jagd nach Gold den Athleten überlassen“

Nach vier Jahren Pause beginnt für die Winter-Olympioniken in Südkorea wieder die Jagd auf Gold. Und auch wenn Anleger inzwischen fast doppelt so lange warten, ist die Gold-Jagd an der Börse noch immer nicht eröffnet. Das wird sich nach Ansicht von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt, auch nicht so schnell ändern.

09.02.2018 - 11:44 Uhr | Von:  in Gold

Seit seinem Allzeithoch von 1.900 US-Dollar pro Feinunze im September 2011 fiel der Goldpreis stetig. Goldanleger verloren auf US-Dollar-Basis über die vergangenen sechs Jahre 15 Prozent. Mit Aktien ließen sich im gleichen Zeitraum hingegen auf Dollar-Basis sogar 100,8 Prozent verdienen. Anleihen schlugen mit einem Plus von 2,9 Prozent zu Buche.

Dabei schien das wirtschaftliche Umfeld der vergangenen Jahre ideal für Gold zu sein: Die Eurozone befand sich in der schwersten Krise seit ihrem Bestehen und die Zentralbanken öffneten die Geldschleusen – alles Argumente für Gold, das als sicherer Hafen für die Geldwertstabilität gilt.

Bei Gold Opportunitätskosten beachten

Im Gegensatz zu anderen Anlageklassen bietet ein Gold-Investment jedoch keine Verzinsung. „Wer Gold kauft nimmt Opportunitätskosten in Höhe des entgangenen Zinsertrags in Kauf. Bei der Investmententscheidung ist entsprechend abzuwägen, ob das Investmentziel nicht auch über den Kauf von sicheren Staatsanleihen erreicht werden könnte“, sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt.

Wie hoch die Opportunitätskosten beim Goldkauf tatsächlich ausfallen lässt sich berechnen, wenn die zehnjährige US-Realrendite als Referenzgröße angelegt wird: Dabei zeigt sich für die vergangenen sechs Jahre eine stark negative Korrelation zwischen Realrenditen und Goldpreis: Fallende Realrendite war verbunden mit steigenden Notierungen des Edelmetalls und umgekehrt. „Ob der Realzins in 2018 fällt und sich für Gold in eine vorteilhafte Richtung bewegt, hängt von zwei Faktoren ab: Erstens, wohin bewegen sich die Nominalrenditen der US-Treasuries, und zweitens, wie entwickelt sich die Inflation“, erklärt Galler.

Das robuste Wachstum der US-Wirtschaft und der graduelle Rückzug der US-Notenbank aus den Staatsanleihekäufen werden laut Galler zu steigenden Nominalrenditen in den USA führen. Die Inflation dürfte jedoch auch aufgrund wachsender Kapazitätsauslastung der US-Wirtschaft und einem Arbeitsmarkt nahe der Vollbeschäftigung etwas anziehen, weshalb der Realzins – also die Differenz von Nominalzins und Inflation – relativ konstant bleiben sollte.

Sollte es allerdings zu einem überraschenden Anstieg der Inflation kommen, würde sich das Umfeld für Gold deutlich verbessern. „Für den Goldausblick bedeutet unser Kernszenario für die US-Wirtschaft keine signifikante Verbesserung auf der Opportunitätskostenseite. Anleger die keinen kräftigen Anstieg der Inflation erwarten, sollten dementsprechend auch 2018 die Jagd nach Gold den Athleten überlassen“, rät Galler.