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Abwehr beim Volleyball: Anleger sollten sich über die Defensivaufstellung ihres Investmentportfolios Gedanken machen | © Getty Images

J.P. Morgan Asset Management Wie sich Anleger in der späten Zyklusphase neu positionieren

In Krisenzeiten kommt es auf die Defensive an – Marktturbulenzen lassen sich damit abschwächen, weiß Tilmann Galler, globaler Kapitalmarktstratege für die deutschsprachigen Länder bei J.P. Morgan AM. Aktienanleger sollten daher auf Qualität, Value und Large Caps setzen.

12.11.2018 - 16:49 Uhr | Von:  in Aktien

Anleger stehen aktuell vor der Herausforderung, ihr Portfolio krisenfest zu machen, ohne eine potenzielle Rallye kurz vor Ende des Zyklus zu verpassen. Laut Tilmann Galler, globaler Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, fallen dabei Parallelen zwischen der Geldanlage und der Aufstellung im Mannschaftssport auf: „Eine erwiesene sportliche Weisheit ist, dass es neben der Offensive die oft weniger glamouröse Defensive ist, die den Unterschied zwischen einer erfolgreichen und einer Meistermannschaft ausmacht. Bei der Kapitalanlage verhält sich das ähnlich – letztendlich gewinnt derjenige mit der ausgewogensten Mischung zwischen offensiver Schlagkraft und Defensivkunst.“

Spätzyklisches Dilemma der Anleger

Anleger konnten in den 9,5 Jahren seit Ende der Finanzkrise mit einer offensiven Investmentstrategie außergewöhnlich hohe Renditen erzielen: Die Wertentwicklung globaler Aktien in US-Dollar lag per Ende September bei einer jährlichen Rendite von 13,5 Prozent. Eine derart positive Entwicklung war zuletzt im April 2000 möglich. Nach Meinung von Tilmann Galler ist es zum aktuellen Zeitpunkt durchaus sinnvoll, sich über die Defensive des Investmentportfolios Gedanken zu machen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass in wenigen Monaten die wirtschaftliche Expansionsphase in den USA die längste aller Zeiten sein wird. „Trotz Alter und Reife des aktuellen Zyklus sollten Anleger jedoch nicht vergessen, dass Aktienmärkte auch vor Hochpunkten teilweise noch kräftige Kursgewinne verbuchen können. Die ewige Herausforderung für Investoren – einerseits bisherige Erträge zu sichern und andererseits zukünftige Rendite nicht zu verpassen – tritt momentan besonders stark in den Vordergrund“, erläutert Galler. 

Die Bedeutung einer gesunden defensiven Komponente im Portfolio hat sich insbesondere in der Finanzkrise gezeigt. Ein reines Investment in globalen Aktien hat in der Spitze fast die Hälfte an Wert eingebüßt und Anleger mussten über 5,5 Jahre warten, bis die Verluste wieder wett gemacht waren. „Besser erging es Anlegern mit einem gemischten Portfolio aus 60 Prozent globalen Aktien und 40 Prozent globalen Anleihen, das die Verluste bereits nach 3,5 Jahren ausgleichen konnte. Ein Mix aus 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Anleihen war sogar schon nach 2,5 Jahren wieder im Plus“, erklärt Galler.

Neue Strategien notwendig

Nach Ansicht von Tilmann Galler sind die traditionellen Methoden der Portfoliostabilisierung heute nicht mehr so wirksam wie in früheren Zyklen. So leiden die defensiven Qualitäten von Unternehmensanleihen unter der ansteigenden Verschuldung. Der Anteil der Unternehmensanleihen mit dem niedrigsten Investment Grade-Rating von BBB stieg von 35 Prozent im Jahr 2006 auf inzwischen 49 Prozent. „Bei Abkühlung der Konjunktur und fallender Ertragskraft der Unternehmen ist zu befürchten, dass sich die Unternehmensanleihenmärkte aufgrund höherer Risiken deutlich schlechter entwickeln als wir das aus vergangenen Zyklen kennen“, sagt Galler. Auch mit Staatsanleihen sei es aufgrund der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken schwieriger geworden, das Portfolio abzusichern. Mit einem durchschnittlichen Leitzins von gerade einmal 1 Prozent könnten Staatsanleihen im nächsten Abschwung nicht mehr den Sicherheitspuffer liefern wie in früheren Zyklen.

Aktienanleger können ihr Portfolio beispielsweise mit einer stärkeren Gewichtung von Qualitätsaktien defensiver ausrichten. „Unternehmen mit relativ niedriger Verschuldung bei gleichzeitig hoher Rentabilität sind im Abschwung üblicherweise stabiler als zyklische Unternehmen“, erklärt Galler. Auch Substanzwerte („Value“) dürften wieder mehr defensive Qualitäten haben, nach der starken Wertentwicklung von Wachstumsaktien mit entsprechend hohen Bewertungen. Nicht zuletzt gilt es, die Marktkapitalisierung der Aktien zu berücksichtigen: „Kleinere Unternehmen sind in der Regel konjunktursensitiver und so kann eine stärkere Gewichtung von Large-Caps ebenfalls helfen, das Portfolio krisenfester zu machen“, sagt Galler.