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Marc Sattler: „Würden Anleger das Vertrauen in Notenbanken und Währungssysteme aufbrauchen, verlieren Staatsanleihen noch stärker“ | © Bank für Vermögen (BfV)

Kapitalmärkte-Kommentar „Jetzt sind wir endgültig abhängig von billigem Geld“

Anleger sollten ihre Investments gerade jetzt sorgfältig prüfen. Wie sich Notenbank- und US-Politik auf den Aktien- und Anleihenmärkten sowie auf die Goldpreise auswirken, analysiert Marc Sattler, Vorstand der Bank für Vermögen (BfV).

05.09.2019 - 15:17 Uhr |

Mit der erhöhten Volatilität und tendenziell fallenden Kursen durch den eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und China seien „eine vorsichtigere Anlageausrichtung und ruhiges, besonnenes Handeln“ an den Aktienmärkten angezeigt. So lange der Handelskonflikt nicht beigelegt sei, belasteten fallende Konjunkturindikatoren die Stimmung an den Börsen. So ist der ifo-Geschäftsklimaindex im August den fünften Monat in Folge auf ein Siebenjahrestief gesunken. Als Anlagefokus bevorzugt Sattler deshalb defensive, konjunkturunabhängigere Sektoren wie nichtzyklische Konsumgüterhersteller, Unternehmen der Pharma- und Gesundheitsbranche sowie Versorger. Anlagechancen böten auch Immobilien- und Infrastrukturfirmen der entwickelten Länder, da sie nicht den Handelsstreitkapriolen ausgesetzt seien.

Negativzinsen breiten sich global aus

Weltweit notieren Anleihen nach Sattlers Worten im Wert von 17 Billionen US-Dollar mit einer negativen Rendite – seit vergangenem Monat erstmals auch die 30-jährige deutsche Bundesanleihe. Diese Entwicklung habe jetzt auch Unternehmensanleihenmärkte erreicht, wo über eine Billion im negativen Bereich notierten. 95 Prozent der Investment-Grade-Anleihen, die noch positiv rentierten, kämen demnach aus den USA. Doch mittelfristig könnten die Zinsen gar nicht steigen – nicht ohne einen globalen Crash auszulösen.

Beispiel Schweizer Anleihenmarkt: Stiegen die Renditen um nur 2 Prozentpunkte, resultiere das in einem 50-prozentigen Verlust für Investoren. In der Folge würden sämtliche Märkte zusammenbrechen und Pensionssysteme, die größtenteils in Anleihen investieren müssen, zahlungsunfähig werden. Damit ist die Welt laut Sattler „jetzt endgültig abhängig von billigem Geld, zumindest noch solange die Verschuldungsquoten derart hoch sind“. Dennoch könne kein Notenbanker eine Abkehr von dieser Politik verantworten. Würden Anleger das Vertrauen in Notenbanken und Währungssysteme verlieren (was sich noch nicht abzeichne), verlören auch Staatsanleihen noch stärker. Dennoch bleibt Sattler hier „moderat positiv“ gestimmt.

Gold steigt nahezu ohne Unterlass

Von den Entwicklungen an den Anleihemärkten profitiert hauptsächlich Gold; das zinslose Edelmetall legte in sämtlichen Weltwährungen zu. Zwar sei jederzeit mit Korrekturen zu rechnen, dennoch gebe es im Hinblick auf die Notenbankpolitik keine Alternative. Notenbanker würden weiterhin alles versuchen, um die Inflationsraten anzuheizen und eine reale Entschuldung des Systems herbeizuführen – zur Not auch mit Helikoptergeld.