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Experten

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Katalanische Flagge in der Universität Barcelona: Anfang Oktober wollen die Bürger Kataloniens über die Unabhängigkeit von Spanien abstimmen  | © Getty Images

Katalonien und Italien Neue Sorgen für Investoren

Nervös sind Investoren in den Tagen nach der Bundestagswahl nicht. Das könnte sich angesichts der Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien und der Diskussion um eine Parallelwährung in Italien jedoch ändern. Eine Einschätzung von Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei BlackRock.

28.09.2017 - 16:54 Uhr | Von: 

Nach der Bundestagswahl wenden Investoren ihre Aufmerksamkeit rasch von Deutschland ab, denn in Spanien und Italien rumort es gewaltig. Katalonien treibt auf der iberischen Halbinsel seine Unabhängigkeit voran. Trotz eines Verbotes der Regierung aus Madrid will offenbar ein großer Teil der Bevölkerung am 1. Oktober ein Referendum abhalten. Ein solcher Schritt wäre verfassungswidrig.

Einer der Beweggründe, warum sich die Katalonier Unabhängigkeit wünschen, ist wirtschaftlicher Natur: Die Region erbringt rund ein Fünftel der spanischen Wirtschaftsleistung, stellt aber nur ein Sechstel der Bevölkerung. Die Befürworter der Abspaltung leiten daraus eine relative Stärke ab und argumentieren, der Region gehe es ohne Transferzahlungen an ärmere Gebiete Spaniens noch besser.

„Große Unternehmen leiden unter Separatismus“

Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos bewertet dieses Argument kritisch und prognostiziert im Fall einer Abspaltung einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in Katalonien um bis zu 30 Prozent. Aus seiner Sicht leiden besonders große Exportunternehmen unter separatistischen Tendenzen. Zudem könnte Katalonien wohl auch ein Problem mit seinen Schulden bekommen, die im Fall eines positiven Unabhängigkeitsvotums von Spanien alleine geschultert werden müssten.

Ob sich Spanien wirklich von Katalonien abspaltet, ist schwer zu sagen. Einerseits haben die Separatisten aktuell nur eine sehr knappe Mehrheit. Andererseits könnte ein Vorgehen Madrids gegen das verbotene Referendum, etwa in Form von Polizeigewalt, die Unabhängigkeitsbewegung stärken.

In Italien diskutieren Politiker derweil über die  Einführung einer Parallelwährung. Das ist in Zeiten, in denen die Nachteile des Euro-Währungsraums evident sind, weder überraschend noch neu. So charmant die Idee begrenzter nationaler Währungssouveränität auch klingen mag, so regelmäßig ist sie doch an der Frage gescheitert, wie die betreffenden Länder ihre Euro-denominierten Auslandsschulden erwirtschaften sollen.