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Öltanker vor Brasilien: Geopolitische Risiken sorgen für Produktionsausfälle | © Getty Images

Marktanalyse Darum steigt der Ölpreis

Der Preis für ein Barrel Brent-Öl ist seit Jahresbeginn von 55 auf 71 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Gibson Cooper, Portfoliomanager bei Western Asset Management, kennt die Gründe.

15.05.2019 - 15:35 Uhr | in Märkte

Der Ausblick für das weltweite Wirtschaftswachstum ist deutlich eingetrübt. Dennoch hält sich der Ölpreis auf hohem Niveau. J. Gibson Cooper, Portfoliomanager bei Western Asset, findet dafür eine ganze Reihe möglicher Gründe: Nachfragewachstum, die gestiegene US-Produktion, die Zusammenarbeit zwischen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und Russland mit Blick auf Zielquoten, Angebotsunterbrechungen sowie geopolitische Risiken. Folglich seien die Fundamentaldaten deutlich ausgewogener, was die aktuelle Ölpreisentwicklung stütze.

„Ein Blick auf die Nachfrageseite der Gleichung verrät, dass der Bedarf ungebrochen ist – getrieben von den Schwellenländern, allen voran China und Indien. Die Nachfrage aus den Industrienationen kommt vorrangig aus den USA. Die Nachfrage in Europa ist dank einer höheren Energieeffizienz flach“, sagt Cooper. Insgesamt wäre die Nachfrage zwar schwächer als in vorherigen Jahren, bliebe jedoch trotz des zu beobachtenden schwächeren Wirtschaftswachstums auf einem gesunden Niveau.

US-Ölproduktion erreicht Rekordniveau

Womit wir bei der Angebotsseite wären. Hier sieht Cooper den Haupttreiber hinter der Ölpreisdiskussion: „Die US-Ölproduktion ist auf einem Rekordniveau und hat sogar die saudische Produktion überholt. Das verändert die Marktdynamik und nimmt den Saudis ihre historische Kontrolle über das Angebot und damit den Preis“, sagt Cooper. Nach dem Preiseinbruch in den Jahren 2015 und 2016 hätten sich US-Produzenten vor allem auf kurzfristige Chancen wie Ölschieferreserven konzentriert. Sie wüssten technologische Innovationen gezielt für Produktivitätssteigerungen und eine höhere Effizienz zu nutzen, um so für eine Kostendeflation sowie niedrigere Breakeven-Kosten zu sorgen, Margen zu erhalten und freien Cashflow zu generieren.

„Die neu entdeckte Politik der US-Produzenten, die finanziellen Konservativismus über Wachstumsziele stellt, hat dazu geführt, dass sich Bilanzen und Liquidität verbessert haben. Was wir hingegen nicht mehr sehen, sind hohe Kapitalinvestitionen, was Explorationen einschließt“, sagt Cooper. Zudem seien neue Projekte auch durch einen eingeschränkten Marktzugang limitiert. „Zusammen führen diese Faktoren dazu, dass sich langfristige Projekte verzögern, was wiederum zu einem geringeren Angebotswachstum in der Zukunft führen könnte.“

 „Der Ölmarkt wird sich weiter verengen“

Langfristig, sagt Cooper, würde der Fokus der Industrie auf die unkonventionelle Förderung eine ganze Reihe von Fragen zur Nachhaltigkeit des Wachstums beim Ölangebot aufwerfen. Ein Beispiel sei die Ölschieferproduktion in den USA, die von steilen Produktionsrückgängen gekennzeichnet sei und hohe Kapitalaufwendungen erfordert, um die Produktion erneut zu steigern. „Der Abbau von Schieferöl geht zudem immer mit Erdgas als Nebenprodukt einher. Mit zunehmendem Verfall wird mehr Gas als Öl produziert, was die Rückgangsraten des Öls verschärft und deshalb das Angebotswachstum zusätzlich verlangsamt“, führt Cooper aus.