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Experten

Schroders
Könnten bald nicht mehr viel zu lachen haben: Italiens Premierminister Giuseppe Conte (Mitte), Wirtschaftsminister Luigi Di Maio (links) und Innenminister Matteo Salvini (rechts). | © Getty Images

Marktausblick von Schroders Für eine Rettung ist Italien zu groß

Die hochverschuldete Regierung Italiens bereitet den Anlegern große Sorgen. „Die Bond-Vigilanten, also Investoren, die ihre Staatsanleihen aus Protest gegen die Geld- oder Fiskalpolitik verkaufen, halten sich bereit und werden letztlich darüber entscheiden, ob Italien eine weitere Schuldenkrise erleidet“, sagen die Volkswirte von Schroders.

07.11.2018 - 11:00 Uhr | Von: 

Am 27. September 2018 wurde das Haushaltsziel von Italien für 2019 vorgestellt, wobei sich die Regierung über den Rat des italienischen Finanz- und Wirtschaftsministers Giovanni Tria hinwegsetzte. Tria hatte ein Defizit von 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) empfohlen. Die Regierung setzte das Ziel jedoch bei 2,4 Prozent des BIP an. Damit befindet sich Italien jetzt auf Kollisionskurs mit der Europäischen Kommission, die ab dem 15. Oktober 2018 alle Haushaltspläne der Mitgliedsländer überprüft.

Warum ist der italienische Haushalt so wichtig?

In der Vergangenheit achteten die italienischen Regierungen sorgsam darauf, dass die Staatsausgaben nicht aus dem Ruder liefen. Seit 2007 rutschte der Primärhaushalt (Haushaltsdefizit abzüglich von Zinszahlungen) nur im Jahr 2009 in ein Defizit ab (0,3 Prozent des BIP), bevor er im folgenden Jahr wieder einen Überschuss erwirtschaftete (Abbildung 1).

Abbildung 1: Aufgliederung des italienischen Haushaltsdefizits

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Schroders Economics Group. 28. September 2018.

Zum besseren Vergleich: Die USA wiesen 2009 ein Primärdefizit von 9 Prozent des BIP aus, und auch viele andere Länder verbuchten hohe Defizite, darunter Großbritannien (8,3 Prozent), Spanien (9,3 Prozent) und Frankreich (4,6 Prozent). Das Management der italienischen Finanzen während der globalen Finanzkrise und der Staatsschuldenkrise ist eine bemerkenswerte Leistung.

Nachdem Italien in zehn der letzten elf Jahre einen Primärüberschuss erwirtschaftet hat, besteht das Problem eindeutig im Altschuldenbestand. Wenn dieser mitberücksichtigt wird, schreibt die Regierung insgesamt ein Haushaltsdefizit.

Obwohl die früheren Regierungen die italienischen Staatsfinanzen während der globalen Finanzkrise und der Staatsschuldenkrise fest im Griff hatten, ist nun jedoch eine populistische Koalitionsregierung am Ruder. Die neue Führung ist entschlossen, Steuern zu senken, Staatsausgaben zu erhöhen und einige Strukturreformen rückgängig zu machen, die in den letzten Jahren umgesetzt wurden.

Die im Haushalt für 2019 angekündigte leichte Ausweitung der Fiskalpolitik (0,8 Prozent des BIP) ist jedoch keineswegs eine Katastrophe. Bei vollständiger Umsetzung der Versprechungen in der Grundsatzerklärung der Regierung wären die Schulden und Defizite innerhalb weniger Jahre massiv angeschwollen.

Da Italien jedoch die drittgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone ist, gefährdet die Besorgnis der Anleger über die Fähigkeit der italienischen Regierung zur Rückzahlung ihrer Schulden die Stabilität der gesamten Region. Italien ist einfach zu groß für eine Rettungsaktion der Europäischen Union (EU).