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Keith Wade, Chefvolkswirt von Schroders: „Fiskalpolitik könnte das beste Mittel sein, um dem Rückgang der Weltkonjunktur entgegenzuwirken.“ | © Schroders

Marktausblick von Schroders Kann Fiskalpolitik die Rezession abwehren?

Warum kommen fiskalpolitische Maßnahmen wieder in Mode? Weshalb ist die Inflation in den USA so niedrig? Und warum profitiert die britische Wirtschaft nicht vom schwachen Pfund? Eine Analyse von Schroders-Chefvolkswirt Keith Wade.

06.09.2019 - 14:41 Uhr | in Schroders

Die Fiskalpolitik wird wieder zu einem beliebten Instrument der Regierungen, um die Wirtschaft in einem Umfeld niedriger Anleiherenditen zu stimulieren. Das zeigen jüngste Entscheidungen in den USA und Großbritannien. Dies könnte das beste Mittel sein, um dem durch geopolitische Risiken bedingten Rückgang der Weltkonjunktur entgegenzuwirken. Eine Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigt: Beide Länder besitzen Spielraum für eine fiskalische Lockerung, obgleich die USA dieses Instrument bereits mehrfach genutzt haben.

Unterdessen scheut sich die Eurozone vor einer expansiven Haushaltspolitik, obwohl es umfangreichen Handlungsspielraum für fiskalpolitische Impulse gibt. Vor dem Hintergrund des nachlassenden Konjunkturwachstums könnte sich dies ändern. Klar ist: Das Zusammenspiel des lockeren geldpolitischen Kurses und der straffen Fiskalpolitik hilft dem Euro, den Währungskrieg zu gewinnen.

Was steckt hinter dem jüngsten Inflationsrückgang in den USA?

Die US-Wirtschaft verzeichnet einen Zuwachs von Arbeitsplätzen und die niedrigste Erwerbslosenquote seit 50 Jahren. Dennoch hat die Kerninflationsrate in den vergangenen drei Quartalen abgenommen – was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint. Ein wichtiger Grund hierfür ist der Außenhandel. Die kürzliche Abschwächung der Kerninflation in den USA geht auf den Rückgang der Ölnotierungen und der Preise für Nicht-Ölimporte zurück.

Warum das schwächere Pfund die britische Wirtschaft nicht belebt

Trotz der starken Abwertung des Pfunds hat die britische Wirtschaft nicht zurück ins Gleichgewicht gefunden. Hierbei sind zwei gegensätzliche Entwicklungen zu beobachten: Einerseits hat Großbritannien eine verheerende Produktivitätsentwicklung. Dadurch steigen die Lohnstückkosten und machen die Wettbewerbsvorteile wieder zunichte, die aus der abwertenden Währung resultieren.

Andererseits jedoch sind die meisten britischen Exporte Produkte großer internationaler Konzerne, die ihre Umsätze auf Auslandsmärkten erzielen. Sie haben ihre Preise in Fremdwährung beibehalten und somit umgerechnet in Pfund ihre Gewinne mithilfe von Exportvolumen gesteigert.

Wenn das Pfund tief genug fällt, wird dies schließlich zu einer Exportsteigerung führen. Doch hätten die Folgekosten – die Zunahme der Inflation, die Abnahme der Kaufkraft und die Wertvernichtung von Ersparnissen – desaströse Auswirkungen auf die britische Volkswirtschaft.