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Das Verkehrsaufkommen an den Flughäfen steigt:  Weltweit wachsen die Fluggastzahlen stetig.   | © Getty Images

Multi-Asset-Strategien von Kames Capital „Alternative Strategien sind Teil unserer Arbeit“

Der Handelskonflikt könnte die Weltwirtschaft noch einige Zeit belasten, erwartet Nick Edwardson, Fondsmanager des Kames Global Diversified Income Fund. Mit Immobilien, erneuerbaren Energien und Infrastruktur komme das Portfolio dennoch voran.

08.03.2019 - 10:23 Uhr | Von:  in Fonds

multiasset.com: Herr Edwardson, nach einer synchronen Entwicklung des Wirtschaftswachstums im Jahr 2017 verloren die Aktienmärkte im vergangenen Jahr kräftig. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein und wie geht es in den nächsten Monaten weiter?

Nick Edwardson: Sieht man sich einige der Wirtschaftsdaten an, die in jüngster Zeit aus Europa kommen, etwa die zurückgehende Industrieproduktion, erscheint die aktuelle Lage eindeutig negativ. Das Vertrauen in die Eurozone nimmt ab. Sogar in Deutschland trübt sich die Wirtschaftslage leicht ein: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) war negativ im dritten Quartal 2018. 

Gleichzeitig gibt es Teile der Weltwirtschaft, die sich immer noch entwickeln. Das US-BIP liegt im vierten Quartal bei annualisierten 2,6 Prozent und die US-Notenbank prognostiziert für das nächste Jahr 2,3 Prozent. Wir gehen davon aus, dass sich die Lohnzuwächse in den Vereinigten Staaten fortsetzen werden, was sich in den Verbraucherausgaben niederschlägt: Wir erwarten in den USA mit Blick auf die kommenden zwölf Monate keine Rezession.

China wirkt angeschlagen: Spiegeln sich in den chinesischen Konjunkturzahlen die Handelsdifferenzen zwischen USA und China?

Edwardson: Was die aktuelle Schwäche von China angeht, hat diese erstmal mit China selbst und weniger mit den Handelsdifferenzen zwischen den USA und China zu tun. Schon seit einigen Monaten sind Chinas Exporte und Importe rückläufig. Chinas zuletzt veröffentlichte Wachstumszahlen waren die niedrigsten seit drei Jahrzehnten. Was China derzeit prägt, ist vielmehr der seit 2016 staatlich verordnete Geld- und Fiskalpolitik. Infolgedessen ist der chinesische Konsum unter Druck geraten.

Kommt es zu einer raschen Einigung im Handelsstreit oder wie lange bleibt uns der Konflikt erhalten?

Edwardson: Mit Blick auf die USA und Trump ist meine Sorge, dass der US-Präsident sehr daran interessiert ist, das US-Handelsdefizit als Thema zu spielen. Das Defizit bringt für die US-Amerikaner wirtschaftliche Nachteile mit sich – und soll deshalb gelöst werden. Zugleich verquickt Trump das US-Handelsdefizit und Chinas Zollpolitik mit den Themen Sicherheit und globale Technologieführerschaft. Unserer Meinung nach könnte sich der Konflikt bis zur nächsten Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten am 3. November 2020 hinziehen.

Erwarten Sie in China bis dahin eine harte Landung?

Edwardson: Nein, die chinesische Regierung wird Maßnahmen auf den Weg bringen, die den privaten Verbrauch stützen. Die chinesische Notenbank ist willens und in der Lage für zusätzliche Agilität im Bankensystem zu sorgen. Bürger und Regierung in China haben miteinander einen unausgesprochenen Deal: Die Menschen billigen das Einparteiensystem, weil ihnen im Gegenzug eine stete Verbesserung ihres Lebensstandards in Aussicht gestellt wird. Wir gehen vor diesem Hintergrund davon aus, dass in China keine Rezession eintritt.