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„Vor allem die Infrastruktur bietet Anlegern Chancen“

20.08.2019 14:33 Uhr |

Welches Szenario prognostizieren Sie für die Betreiber von Datenzentren?

Meyer: 5G wird voraussichtlich zu einer beträchtlichen Zunahme der Datenmenge führen. Diese muss nicht nur berechnet, sondern auch gespeichert werden. Dieser Vorgang nimmt die gesamte Kapazität eines Rechenzentrums in Anspruch. Wegen gesteigerter Datenraten und Co. wird 5G zum Wachstumsmotor für die Betreiber von Datenzentren avancieren. Denn diese Marktteilnehmer profitieren schon heute von der starken Nachfrage nach rechenintensiven Cloud-Anwendungen.

Wie können Anleger von der 5G-Technologie profitieren?

Meyer: Die Weltwirtschaft benötigt Infrastruktur. Ein effizientes Informationsnetz bildet hier keine Ausnahme. In der Vergangenheit war eine Investition in Infrastrukturprojekte für Privatanleger nicht ohne Weiteres möglich. Inzwischen exististieren weltweit bereits eine Vielzahl von börsennotierten Infrastruktur-Unternehmen. Aktienkäufer ziehen daraus viele Vorteile, weil sie von der Entwicklung einschlägiger Unternehmen profitieren können.

Welche Aktien erachten Sie für Anleger als besonders interessant?

Meyer: Der Investmentphilosophie unseres DWS Invest Global Infrastructure Fonds folgend, sehen wir vor allem Potenzial bei Unternehmen, die die notwendige Infrastruktur für den Betrieb eines 5G-Netzes bereitstellen, etwa über langfristige Mietverträge.

Wegen des hohen Investitionsbedarfs von Infrastruktur und Kosten für die Lizenzen, wird 5G die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica sowie 1&1 Drillisch viel Geld kosten. Wie sollten sich Anleger kurz-, mittel- und langfristig verhalten?

Meyer: Das Kostenthema dürfte bei den genannten Telekommunikationsanbietern in der Tat im Vordergrund stehen. Die erst kürzlich von der Bundesnetzagentur durchgeführte Auktion für 5G-Frequenzen hat dabei den prognostizierten Rahmen von 4 bis 5 Milliarden Euro deutlich überstiegen. Am Ende mussten die Anbieter rund 6 Milliarden Euro zahlen. Zumindest kurzfristig dürften sie kaum Erträge aus der Kommerzialisierung der Frequenzen erzielen. Dies stellt die Unternehmen vor die Aufgabe, ihre Ausgaben zum Beispiel über weitere Dienste oder die Neukunden-Gewinnung mittelfristig wieder hereinzuholen.

Ihr DWS Invest Global Infrastructure Fonds (ISIN: LU0329760770) investiert überwiegend in Unternehmen aus dem globalen Infrastruktursektor. Um welche Unternehmen handelt es sich konkret?

Meyer: Wir verfolgen bei der Investition in gelistete Infrastruktur-Aktien einen sogenannten Pure-Play-Ansatz: Wir investieren nur in Unternehmen, welche Infrastruktur-Sachwerte mit stabilen, vorhersehbaren und planbaren Cashflows aus langfristigen Verträgen besitzen, ohne dabei auf Liquidität verzichten zu müssen. Grundsätzlich handelt es sich um Betreiber – etwa von Kommunikationsinfrastruktur, Stromnetzen, Wasserleitungen, Flughäfen, Energie-Pipelines oder Mautstraßen. Dagegen lassen wir die Nutzer sowie Errichter dieser Infrastrukturen aus, denn: Diese Firmen verfolgen ein grundsätzlich eher zyklisches Geschäftsmodell.

Mithilfe unseres Investitionsprozesses ermitteln wir dann – unter Berücksichtigung der jeweiligen Cashflow-Schwankungen – die 40 bis 50 Aktien, für die wir die beste Wertsteigerung pro Risikoeinheit erwarten. Unser langfristiges Ziel ist es, ein aussichtsreiches Chancen-Risiko-Verhältnis im Vergleich zu anderen Anlageklassen zu erzielen. Gleichzeitig wollen wir eine liquide Alternative zu direkten Infrastrukturinvestments bieten.

Welche Kriterien sind bei der Asset-Auswahl ausschlaggebend?

Meyer: Wir investieren weltweit in börsennotierte Pure-Play-Infrastruktur-Sachwertebesitzer. Diese stellen die Grundversorgung jeder Volkswirtschaft sicher und zeichnen sich vor allem durch drei grundlegende Eigenschaften aus: erstens durch jährlich steigende Cashflows. Immerhin entwickelt sich die Nutzung von Infrastruktur relativ unabhängig von Wirtschafts- und Marktzyklen. Zweitens durch eine Inflationskoppelung, da die meisten Infrastrukturbesitzer an die Inflation gebundene Verträge abgeschlossen haben. Drittens zielen wir auf Monopolisten in ihrem jeweiligen Segment ab.

Durch den Besitz und Betrieb von Sachwerten sowie Nutzungsüberlassung gegen eine Maut oder Gebühr unterscheiden sich diese Unternehmen von anderen Sektoren wie Konsumgüterherstellern. Ihr Wirtschaftszweig hängt deutlich stärker an Faktoren wie dem Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft. Zudem spielt das frei verfügbare Einkommen von Konsumenten eine wichtige Rolle.