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Nordea-CEO Casper von Koskull (r.) und Nordea-CRO Julie Galbo in der Börse von Helsinki  | © Getty Images

Nordea AM zu Q1-Unternehmensergebnissen Kostensenkungsdruck wirkt deflationär

Wie haben sich die Unternehmensergebnisse im ersten Quartal dieses Jahres entwickelt? Welche wirtschaftlichen und finanziellen Implikationen sind damit verknüpft? Antworten auf diese Fragen gibt Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management.

09.05.2019 - 11:27 Uhr | in Meinung

Die Q1-Ergebnisse: Angesichts geringer Gewinnmargen im Einzelhandel und bedingt durch den starken Arbeitsmarkt dürfte nach Ansicht Galys die Inflation in den kommenden Monaten zunehmen. Ein oder zwei Preissteigerungen könnten die Folge sein, auch wenn nur sehr wenige Marktteilnehmer für 2019 damit rechnen.

Die Implikationen: „Ein leichter Inflationsdruck würde die Zinskurve von US-Staatsanleihen bis zu einem gewissen Grad belasten, weshalb wir flexible festverzinsliche Anlagen bevorzugen. Künftige Rotationen, insbesondere gegenüber den Schwellenländern, dürften nicht von langer Dauer sein, da wir uns auf die Spitze des Straffungszyklus zubewegen“, erklärt Galy.

Die Q1-Ergebnisse und deren wirtschaftliche und finanzielle Auswirkungen

Aus Sicht Galys zeigt eine Bottom-up-Analyse der Quartalsergebnisse, dass reife Sektoren gezwungen sind, Innovationen voranzutreiben und Kosten zu senken. Gleichzeitig drücken höhere Mindestlöhne sowie ein zeitweise angespannter Arbeitsmarkt immer noch etwas auf die Gewinnmargen. Den größten Druck im Hinblick auf Gewinnmargen und Umsätze verspüren nach Ansicht Galys die Sektoren Energie und Informationstechnologie. Bei IT-Unternehmen, die mittlerweile 60 Prozent ihrer Umsätze im Ausland erzielen, dürfte das mit der globalen Konjunkturabschwächung zusammenhängen. Die Entwicklung im Energie-Sektor sei angesichts steigender Ölpreise hingegen schwerer zu erklären. „Vor dem Hintergrund, dass sich das globale Wachstum, oder zumindest das chinesische Wachstum, erholen dürfte, sollte sich ein Teil des Drucks auf Margen und Umsätze im IT-Sektor wieder umkehren“, sagt Galy.

Ein wichtiges Detail seien die rückläufigen Investitionskosten im Gesundheitsbereich, was zum Teil auf ein gedämpftes Lohnwachstum in diesem Sektor zurückzuführen sei. Das bedeute, dass die schwache PPI-Inflation, also die am Erzeugerpreisindex gemessene Inflation, zu einer schwachen PCE-Subkomponente führe. Letztere gibt Preisveränderungen bei persönlichen Verbraucherausgaben (PCE) wieder, ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelkosten. Diese Tendenz könnte sich, nach Einschätzung Galys, fortsetzen.

Unter dem Strich dürfte die Ertragssaison die geringen Erwartungen übertreffen und bislang scheinen die Unternehmen im ersten Quartal tatsächlich keine wirklich schlechten Nachrichten verkündet zu haben. Zwar sei die Inflation durch eine Reihe von Effekten, unter anderem im Gesundheitsbereich, möglicherweise abgeschwächt worden. Zugleich führe die Kombination aus höheren Löhnen und geringen Gewinnmargen bei Basiskonsumgütern und Grundnahrungsmitteln jedoch dazu, dass ein Anstieg der Inflation immer wahrscheinlicher werde – zumindest, solange die Situation am Arbeitsmarkt angespannt bleibe.