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Elektriker am Strommast. Erneuerbare Energie kann im globalen Rahmen den wachsenden Strombedarf noch nicht decken.  | © Getty Images

Öl und Kohle werden weiterhin gebraucht Hoher Energiebedarf macht Klimafortschritte zunichte

Immer mehr Menschen und Regierungen sehen die Notwendigkeit, die Erderwärmung zu reduzieren. Doch für Euphorie ist es noch zu früh, denn der Energiebedarf steigt schneller als die Verfügbarkeit sauberer Energien, zeigt das Climate Progress Dashboard von Schroders.

30.07.2019 - 13:55 Uhr | in Fonds

Es hört sich durchaus erfreulich an: Immer häufiger berichten Medien über die Fortschritte bei den Bemühungen, Kohlenstoffdioxid-Emissionen zu verringern. Erst kürzlich haben beispielsweise sowohl das Vereinigte Königreich als auch Frankreich festgelegt, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Für Erleichterung ist es allerdings zu früh – auch wenn jeder Schritt in die richtige Richtung erfreulich, begrüßenswert und notwendig ist.

„Wir freuen uns, dass der Klimawandel bei den Medien auf wachsendes Interesse stößt“, betont Andrew Howard, Leiter für Nachhaltigkeits-Research bei Schroders. Der Ton der Berichterstattung werde immer drängender und das Ausmaß des Problems werde den Menschen immer bewusster. Doch das dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Handlungsbedarf enorm ist. „Schlagzeilen zeichnen ein positives Bild: Die nationalen Politiken werden verschärft, immer mehr werden saubere Energien genutzt… Aber unsere Analyse unterstreicht, wie wichtig eine Sichtweise auf den Verlauf des Klimawandels ist, die auf empirischen Erkenntnissen basiert“, so der Nachhaltigkeitsexperte.

Erneuerbare Energien entwickeln sich zu langsam

Betrachtet man objektive Kriterien, ist das Bild eher ernüchternd bis bedrückend. Das zeigt das Climate Progress Dashboard von Schroders. Der britische Asset Manager hat das Tool entwickelt, um mithilfe von zwölf Indikatoren den Fortschritt im Kampf gegen den Klimawandel zu überwachen.

Das Dashboard zeigt: Nicht nur hinken die Länder hinterher, wenn es darum geht, konkrete Maßnahmen zu beschließen. Noch viel besorgniserregender ist, dass im vergangenen Quartal 2,5 Prozent mehr Energie aus fossilen Brennstoffen erzeugt wurde als im Quartal davor. Das entspricht einem Anstieg, der absolut gesehen mehr als doppelt so groß ist wie das Wachstum aus anderen Energieträgern zusammen. Für das Klima bedeutet das: Wenn sich nichts ändert, wird die globale Temperatur langfristig um 3,8° Celsius ansteigen und damit das im Pariser Übereinkommen von 2015 festgelegte Ziel von 2° Celsius verfehlt.

„Die Untersuchungen zeigen: Zwar hat sich die globale Kapazität der erneuerbaren Energien seit dem Jahr 2010 fast verdoppelt. Jedoch wurde gleichzeitig auch mehr Energie aus fossilen Brennstoffen produziert“, sagt Howard. Das liege daran, dass der globale Energiebedarf steige – und die Energieproduktion aus erneuerbaren Quellen käme nicht hinterher. Das Resultat: „Während der Zuwachs an sauberer Energie uns den Klimazielen einen näher Schritt gebracht hat, sind wir gleichzeitig einen Schritt zurückgegangen, weil die Energieintensität der Weltwirtschaft gestiegen ist und mehr fossile Brennstoffe gefördert werden müssen, um die Nachfrage zu bedienen“, erläutert Howard.

Doch Verzagen kommt nicht in Frage. „Die Analyse zeigt, dass die wohlhabendsten Volkswirtschaften der Welt noch mehr tun müssen, um den Klimawandel zu bekämpfen“, schlussfolgert Howard.