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Zwei Fischer sammeln einen dicken Karpfen auf einer überfluteten Wiese ein: Anleger sollten in turbulenten Marktphasen Cash bereithalten, um mühelos unterbewertete Assets zu erwerben | © Getty Images

Plädoyer für europäische Aktien „IT, Banken und Versorger sind besonders aussichtsreich“

Fondsmanager Daniel Kröger verantwortet das Portfolio des ACATIS Aktien Europa Fonds UI. Er sieht gut begründete Chancen für weitere Zuwächse bei europäischen Werten.

30.08.2017 - 12:58 Uhr | Von:  in Fonds

multiasset.com: Herr Kröger, was spricht derzeit für europäische Aktien?

Daniel Kröger: In den vergangenen sieben bis acht Jahren haben wir im Anschluss an die Finanzkrise einen Bullenmarkt in den USA gesehen, ausgelöst von der Geldpolitik der US-Notenbank. Europa hingegen liegt noch nicht gleichauf. Hier hat die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank nicht zu dem Erfolg wie in den USA geführt.

Doch der Bullenmarkt in den USA scheint sich abzuschwächen?

Kröger: Das ist der Punkt. US-Aktien sind unserer Auffassung nach inzwischen zu hoch bewertet: In den vergangenen Jahren hatte zum Beispiel die IT-Branche in den USA mit ihren hohen Gewinnmargen einen guten Lauf. Inzwischen sind die Aktienmarkt-Bewertungen hier sehr hoch.

Hinzu kommt: Der Trump-Effekt, auf den viele Anleger in den Monaten nach der US-Präsidentschaftswahl gehofft hatten, zieht nicht mehr. Jüngst wurde bekannt, dass die Kosten für den Bau der Mexiko-Mauer nun doch in den US-Haushalt einfließen sollen. Viel Zeit für eine Einigung mit dem Kongress bleibt nicht: In einem Monat müssen die USA ihr Schuldenlimit anheben. Statt einer weitreichenden Steuerreform und dringend notwendiger Infrastrukturmaßnahmen sollen die US-Amerikaner nun eine Mauer bekommen. Mit diesem unerwarteten Schritt zulasten des US-Haushalts werden letzte Hoffnungen der Anleger auf dringende wirtschaftspolitische Reformen einbetoniert.

Europa hingegen kommt besser voran…

Kröger: … ja! Von den Anlegern lange wegen der nicht vom Fleck kommenden Wirtschaftsentwicklung vernachlässigt, stößt die Eurozone auf neues Interesse. Nicht zuletzt, weil hier exportorientierte Unternehmen besonders stark vertreten sind. Sie dürften aufgrund des vom Internationalen Währungsfonds für 2018 prognostizierten Wachstums der Weltwirtschaft von 3,6 Prozent gut vorankommen. Deutschland allein steht für 43 Prozent aller EU-Exporte. Der IWF hat die Aussichten für das Wirtschaftswachstum deshalb auch zuletzt angehoben: Der Euroraum soll 2017 um 1,9 Prozent wachsen, 2018 mit 1,7 Prozent. In den USA hingegen produzieren 69 Prozent aller Firmen für den einheimischen Markt, hier dürfte das zukünftige Wachstum gedeckelt sein.

Diese Zahlen sind im weltweiten Vergleich nicht allzu hoch. Aber Sie sind offenkundig zuversichtlich. Was bestärkt Sie in dieser Ansicht?

Kröger: Die konjunkturelle Entwicklung Europas verbessert sich langsam. Treiber sind hier unter anderem die Digitalisierung. Ausgewählte Bankaktien sind vor diesem Hintergrund interessant: Deutschlands zweitgrößte Bank, die Commerzbank, aber auch die Metrobank, erste neue Bank in Großbritannien seit mehr als 100 Jahren, sind bei der Digitalisierung ganz vorne mit dabei.

Sie setzen auf Blue Prism, einen Anbieter von Roboter-Prozessautomatisierung für Unternehmen. Banken erhöhen mit diesen neuen Digitalisierungsstrategien ihre Margen und sichern sich langfristig einen herausgehobenen Platz im Wettbewerb. Berater und Anleger, die sich für diese neuen Trends interessieren, können mir gern auf Twitter folgen, wo ich neue Entwicklungen aufgreife: https://twitter.com/eFlation/.

Disruptive Technologien in einzelnen Sektoren können das Wachstum antreiben, aber noch wichtiger ist der geldpolitische Rahmen. Wie dürfte die Politik der Europäischen Zentralbank die Entwicklung von Assets zukünftig beeinflussen?

Kröger: In der Eurozone kommt die Inflation nicht vom Fleck. Zuletzt war sie sogar etwas rückläufig. Vor diesem Hintergrund dürfte die EZB erst ab 2018 eine Senkung der monatlichen Anleihekäufe unter das ab April 2017 gültige Volumen von 60 Milliarden Euro einleiten. Erste Zinsanhebungen könnten dann ab 2019 erfolgen. Der Euro dürfte deshalb weiterhin schwach bleiben, was Exportfirmen in der Eurozone in die Karten spielt und ihre Erträge erhöht.

Besonders mit Blick auf die Inflationsentwicklung gibt es Unterschiede zwischen den USA und Europa. In den USA steigt die Inflation wegen des boomenden Arbeitsmarkts bereits leicht an. Hier hat die Federal Reserve ihr QE-Programm beendet. Der Chefökonom der Investmentbank Goldman Sachs hat im jüngsten Finanzmarktausblick der Bank gute Gründe für weitere Leitzinssteigerungen niedergelegt: Die US-Zinsen könnten bis Ende 2019 3,5 Prozent erreichen. Der US-Dollar dürfte bis dahin weiter steigen und die Gewinne exportorientierter Unternehmen aus den USA schmälern.

Mit Blick auf Anlagechancen ist ebenfalls interessant: In der Eurozone lässt sich im Großen und Ganzen, anders als in den USA, bislang kein wirklich ernst zu nehmender Fachkräftemangel ausmachen. Die verschwindend geringen Zuwächse bei der Lohnentwicklung verdeutlichen diese Tatsache. Die Konjunkturentwicklung in der Eurozone kann folglich weiterhin auf personelle Reserven zurückgreifen – und hat damit noch großes Potenzial.