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Florian Eberhard hält beim Online-Trading-Portal GKFX Europe Webinare | © GKFX

Psychologie an der Börse So denken Investoren

Menschen sehen ihre Meinung grundsätzlich gerne bestätigt und suchen bevorzugt nach Informationen, die ihrer bereits gefassten Meinung nicht entgegenlaufen. Das gilt auch für die Wertpapieranalyse. Diplom-Psychologe Florian Eberhard gibt Einblicke in die Psychologie des Börsenhandels.

09.07.2019 - 10:28 Uhr | in Artikel

Vor 23 Jahren war Deutschland im Aktien-Fieber. Das damalige Staatsunternehmen Deutsche Telekom brachte die Nation mit einer einzigartigen Werbekampagne dazu, in die T-Aktie zu investieren. Diese wurde als Volksaktie angepriesen. Die Deutschen gerieten in eine Art von Aktien-Euphorie. Dieses Gefühl war offenkundig auf das Vertrauen in die damaligen Werbebotschaften und das Werbegesicht Manfred Krug gestützt. „Je unsicherer man ist, wie man sich verhalten sollte, desto mehr verlässt man sich auf andere und auf den Rat von Experten. Dies ist auch die Erklärung für das sogenannte Herdenverhalten der Marktteilnehmer. Ist der Anleger selbst orientierungslos, dann schließt er sich denen an, die scheinbar über bessere Informationen als er selbst verfügen“, erläutert Diplom-Psychologe Florian Eberhard, der bei der Trading-Plattform GKFX Europe Webinare hält.

Wissen schafft Sicherheit

Mittlerweile gehen private Anleger strategisch vor, wenn sie in ein Finanzprodukt investieren. Aktienkurse können anhand von Kursverläufen täglich beobachtet werden, wichtige Finanzplattformen geben einen guten Überblick inklusive Trade-Empfehlungen ab. Egal ob private oder professionelle Trader und Anleger – jeder von ihnen hat nur eine begrenzte Basis an Informationen zur Verfügung. Daher ist Vertrauen immer noch das größte Kriterium, wenn es Investitionen geht.

Psychologie der Anlageentscheidungen

In der Studie „Behavioral Finance“ von Goldberg & Nitzsch aus dem Jahr 2004 wurde nachgewiesen, dass gut vorstellbare oder emotional gefärbte Nachrichten oftmals wesentlich stärker gewichtet werden als abstrakte Daten. Wenn beispielsweise ein Ölkonzern ein Umsatzwachstum vermeldet, so wird diese Nachricht von Anlegern wesentlich schwächer gewichtet als ein emotional gefärbter, anschaulicher Bericht über die bisher verursachen Umweltschäden des Konzerns im Zuge der Erschließung neuer Förderfelder, die die Voraussetzung für dieses Wachstum waren. 

„Menschen sehen sich in ihrer Meinung grundsätzlich gerne bestätigt und suchen deswegen bevorzugt nach solchen Informationen, die ihrer bereits gefassten Meinung nicht entgegenlaufen. In der Psychologie bezeichnen wir das als Confirmation Bias. Ein gutes Beispiel hierfür ist Facebook. Dort bekommt der Nutzer aufgrund von Algorithmen nur Nachrichten angezeigt, die seine Meinung und Interessen spiegeln. Wenn ein Nutzer beispielsweise denkt, dass die Kriminalität durch Flüchtlinge gestiegen ist, dann bekommt er vermehrt Polizeimeldungen zu Einbrüchen und Flüchtlingskriminalität angezeigt“, erklärt Eberhard. Die eigene Meinung ändern zu müssen, wird oft als äußerst unangenehm empfunden und daher vermieden, bestätigte auch Leon Festinger mit der Theorie der kognitiven Dissonanz.

Erfolg basiert auf Wissen

Eine erfolgreiche Börsenstrategie steht und fällt mit der Informationsgrundlage des Investors. Um fundierte Handelsentscheidungen treffen zu können, müssen möglichst viele Informationen gesammelt und bewertet werden. Ein wachsamer Blick auf das aktuelle Marktumfeld sollte für jeden Trader zur Pflicht werden. „Wer sich dynamisch an die aktuelle Erkenntnislage anpasst und nicht stur an der einmal gefassten Marktmeinung festhält, ist meist erfolgreicher mit seinen Trades“, sagt Eberhard.