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Indonesiens Hauptstadt Jakarta: Emerging-Market-Lokalwährungsanleihen kamen die expansive Geldpolitik und die US-Dollar-Abwertung zugute | © Getty Images

Rückenwind für die Aktienmärkte Anleger nehmen milde Rhetorik von Fed und EZB gut auf

Im volatilen zweiten Quartal 2019 verzeichneten die meisten Wachstums-Assets Gewinne: Großen Anteil daran hatten der Fortgang der Handelsgespräche zwischen den USA und China sowie Anzeichen für eine weiterhin lockerere Geldpolitik der Notenbanken, kommentiert John Stopford, Head of Multi Asset Income bei Investec AM.

25.07.2019 - 15:27 Uhr | in Artikel

Den drastischen Verlusten von Wachstums-Assets im Mai standen deutlich höhere Erträge im April und Juni gegenüber. Im volatilen zweiten Quartal 2019 verzeichneten die meisten Wachstumsassets daher Gewinne. Großen Anteil an den Kursschwankungen hatte der Fortgang der Handelsgespräche zwischen den USA und China. Andererseits sorgten die weiteren Hinweise auf eine lockerere Geldpolitik der führenden Notenbanken im Berichtsquartal durchweg für Rückenwind.

Der amerikanische Aktienmarkt war der stärkste. Britische und kontinentaleuropäische Aktien lagen aber nur knapp dahinter, wobei britische Titel zusätzlich von der Pfundschwäche profitierten. Gegen den Trend lagen japanische und asiatische Aktien leicht im Minus. Sie litten unter der Unsicherheit durch die Handelsgespräche.

Für Emerging-Market-Lokalwährungsanleihen war das Berichtsquartal gut; ihnen kamen die expansive Geldpolitik und die US-Dollar-Abwertung zugute. Fremdwährungsanleihen lagen nur knapp dahinter. Das zweite Quartal war auch ein weiteres gutes Quartal für Credits, wobei Investmentgrade-Titel High Yield hinter sich ließen. Im Gegensatz dazu waren Rohstoffe schwach. Unter starken Schwankungen gab der Ölpreis leicht nach.

Für Staatsanleihen war das zweite Quartal wiederum gut. An den meisten Industrieländermärkten und in den meisten Laufzeitbereichen fielen die Renditen, sodass die Kurse stiegen. Die Märkte reagierten damit auf die Erwartung einer lockereren Geldpolitik und die zunehmenden Anzeichen für ein nachlassendes Weltwirtschaftswachstum. Ende Juni näherte sich die US-Zehnjahresrendite der 2-Prozent-Marke, und die Zinsstrukturkurve wurde im Berichtsquartal noch inverser. Der US-Dollar gab gegenüber den meisten G10- und Emerging-Market-Währungen nach, da man an den Märkten mit baldigen Zinssenkungen und einem nachlassenden US-Wirtschaftswachstum rechnete. Die schwächste Währung war allerdings das Pfund. Es litt unter der anhaltenden Unsicherheit durch den Brexit und die steigende Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Szenarios. Die stärkste G10-Währung war der Yen. Seine Aufwertung im Mai zeigte einmal mehr, wie sehr er von einer nachlassenden Risikobereitschaft profitiert.

Der Goldpreis stieg um fast 10 Prozent – als Reaktion auf weltweite Wachstumssorgen und die Aussicht auf einen Rückgang der US-Zinsen.

Ausblick und Strategie

Die Märkte haben positiv auf die milde Rhetorik der Fed und der EZB reagiert, trotz anhaltend schwacher Daten. Höchstwahrscheinlich wird die lockerere Geldpolitik für nachlassende Wachstumsrisiken sorgen, sodass der Konjunkturzyklus noch weitergehen könnte. Es kann aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass die Lockerung zu spät kommt und nicht reicht.

Einfachen Prognosemodellen zufolge beträgt die Rezessionswahrscheinlichkeit nächstes Jahr etwa 10 Prozent. Aufgrund der Spätfolgen der letzten Straffung der Geldpolitik und der Störungen im Welthandel geht Investec AM aber von einer etwas höheren Wahrscheinlichkeit aus. Die Erholung der Wachstumsassets scheint gemessen an den Konjunkturrisiken kurzfristig etwas übertrieben. Sicherlich hat aber auch die bis dahin recht defensive Positionierung der Investoren dazu beigetragen.

Investec AM rechnet weiter mit einer hohen Unsicherheit und mehr Volatilität in der zweiten Jahreshälfte. Wachstums-Assets dürften zulegen, wenn sich die Daten allmählich stabilisieren und erholen, auch dank einer Lockerung der Geldpolitik. Die Bewertungen scheinen hingegen durchweg weniger attraktiv.

Um mit Staatsanleihen noch sehr viel mehr verdienen zu können, muss vermutlich das Wirtschaftswachstum zurückgehen. Andererseits sind auch keine großen Verluste zu erwarten. Fallende Zinsen in den anderen Industrieländern dürften einer günstig bewerteten, niedrig verzinslichen Währung wie dem Yen ebenso nützen wie den höher verzinslichen Emerging-Market-Währungen und -Anleihen.