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Experten

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Russ Koesterich, Fondsmanager des BGF Global Allocation Fund: „Die Weltwirtschaft wächst weiterhin solide, aber nicht mehr im Gleichschritt.“ | © BlackRock

Russ Koesterich über den BGF Global Allocation Fund „Mehr Energie, Technologie und Gesundheit im Portfolio“

Es wird wackeliger an den Finanzmärkten, prognostiziert Russ Koesterich. Um Anleger vor Kursverlusten zu schützen, erhöht der Fondsmanager des BGF Global Allocation Fund Cash-Positionen und setzt auf die Sektoren Energie, Technologie und Gesundheit.

04.10.2018 - 17:33 Uhr | Von: 

multiasset.com: Nach den hohen Renditen vieler Anlagen im Jahr 2017 wird die Performance des Marktes in diesem Jahr von einigen wenigen Bereichen getragen. Einige Assets verbuchen daher seit Jahresbeginn negative Renditen. Wie steuern Sie den BGF Global Allocation Fund durch dieses Umfeld?

Russ Koesterich: Während noch im vergangenen Jahr weltweit ein synchrones Wachstum vorherrsch­te, hat sich dies im laufenden Jahr verändert: Die Weltwirtschaft wächst weiterhin solide, aber nicht mehr ganz so stark im Gleichschritt. Wir haben es also mit ganz anderen Bedingungen als im Jahr 2017 zu tun, als die meisten Anlageklassen und Absicherungsinstrumente wie Gold zweistellige Ren­diten abwarfen. Zwar tendiert die Weltwirtschaft weiterhin fest bei zugleich anhaltend moderater Inflation und starkem Gewinnwachstum. Einigen Anlageklassen machen in diesem Jahr jedoch die angespannteren Finanzierungsbe­dingungen und wachsenden geopolitischen Risiken zu schaffen. Die Folgen sind nicht nur niedrigere absolute Renditen als im vergangenen Jahr, sondern auch ein sehr enger Aktienmarkt – vor allem regional be­trachtet. Seit Jahresbeginn ist der US-Aktienmarkt einer der wenigen, der unter dem Strich eine positive Performance generiert hat. Zugleich deuten die Konjunkturdaten auf ein weiter solides Weltwirtschaftswachstum hin, bei dem die Unterschiede in der zweiten Jahreshälfte aber zunehmen dürften.

Wie gehen Sie konkret mit Risiken um?

Koesterich: Beim Anlageprozess für den BGF Global Allocation Fund spielt die Steuerung von Verlustrisiken eine wichtige Rolle. Deshalb achten wir sehr darauf, dass sich in unserer Positionierung das risikokontrollierte Mandat für diesen Fonds widerspiegelt. Bei Aktien sind wir weiterhin vorsichtig optimis­tisch. Allerdings könnten weiter steigende Zinsen oder ein stärkerer US-Dollar in Verbindung mit erhöhten geopolitischen Risiken stärkere Marktschwankun­gen zur Folge haben. Wegen höherer Unsicherheiten für die Wirtschaft haben wir seit Jahresbeginn die Cash-Position erhöht. Das hilft nicht nur, den Fonds vor Risiken zu schützen. Es macht sich auch bei den Erträgen bemerk­bar.

Bei Aktien haben sich Growth-Titel besser als Value-Titel entwickelt. Dieses Phänomen ist schon seit mehreren Jahren zu beobachten – vor allem in den USA. Welche Faktoren tragen dazu bei?

Koesterich: Für dieses Phänomen gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Zunächst einmal ist das Wirt­schaftswachstum global gesehen zwar solide, hat sich aber außerhalb der USA nicht so stark be­schleunigt, wie viele Analysten erwartet hatten. Vor allem in Europa blieb es im ersten Halbjahr deutlich hinter den Erwartungen zurück. Darüber hinaus bereitet China Anlegern Sorgen. Dort schwächt sich die Konjunktur wegen der gestrafften geldpolitischen Zügel und zunehmenden Handelsspannungen weiter ab. Enttäuscht das Wirtschaftswachstum, sind Anleger tendenziell eher bereit, mehr für Unternehmen zu zahlen, die aus eigener Kraft wachsen. Neben dem soliden Wirtschaftswachstum profitieren solche Unternehmen auch vom Online-Handel, Cloud Computing und sozialen Medien.

Gibt es umgekehrt bestimmte Marktbedingungen, die in der Vergangenheit eher Value-Aktien begünstigt haben?

Koesterich: Value-Aktien entwickeln sich dann am besten, wenn das Wirtschaftswachstum positiv überrascht. Zum letzten Mal verzeichneten sie in der zweiten Jahres­hälfte 2016 eine deutlich bessere Performance als Growth-Aktien. Damals waren Anleger aufgrund des Brexit-Votums und der Angst vor einer Wachs­tumsabkühlung in China übertrieben pessimistisch. Als sich die Weltwirtschaft zu erholen begann, grif­fen Anleger schnell wieder zu unterbewerteten Ti­teln wie Finanz- und Industriewerten. Seitdem wird das Wirtschaftswachstum in den USA zwar durch Steuerreformen angekurbelt. Aber die von vielen erwartete Fortsetzung des synchronen Wachstums ist ausgeblieben.

Außer in der zweiten Jahreshälfte 2016 waren Value- Aktien als Anlagestil bei globalen Anlegern schon seit etlichen Jahren nicht sonderlich beliebt. Daraus ergibt sich eine besondere Herausforderung für Anleger, die Value-Aktien tendenziell bevorzugen – und dazu zählen auch wir. Auch wenn die Kennzahlen für kurzfristige Renditeprognosen nicht sonderlich aufschlussreich sein mögen: Wir sind der Meinung, dass Value ein langfristiger Renditetreiber ist. Unsere substanzorientierte Strategie besteht darin, dass wir teure Marktsegmente tendenziell untergewichten. Dazu zählen beispielsweise Staats­anleihen aus Industrieländern. Andererseits gewichten wir attraktive Bereiche des Marktes wie asiatische Aktien über.