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Experten

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Russ Koesterich, Fondsmanager des BGF Global Allocation Fund: „Bei unserem Anlageprozess geht es vor allem um die Steuerung von Verlustrisiken.“ | © BlackRock

Russ Koesterich über Kursschwankungen „Wir sichern Anlegergelder mit Gold, dem japanischen Yen und Aktienderivaten“

Die gestiegene Volatilität der Aktienmärkte ist für Fondsmanager eine Herausforderung. Russ Koesterich von BlackRock setzt zur Absicherung des BGF Global Allocation Fund vor allem auf Gold und Aktienderivate. Im Interview verrät er, welche Sektoren und Regionen die aussichtsreichsten Chancen bieten.

15.06.2018 - 16:01 Uhr | Von: 

multiasset.com: Herr Koestrich, nach der sehr geringen Volatilität im vergangenen Jahr haben in diesem Jahr die Kursschwankungen wieder zugenommen. Wie bewerten Sie die Entwicklung?

Russ Koesterich: Nach einem Jahr mit regelmäßigen, fast schon einschläfernden Kursgewinnen kehrte in den ersten Monaten dieses Jahres die Volatilität zurück. Seit Anfang Februar ist sie bei Aktien gemessen am VIX-Index auf rund 20 Zähler gestiegen. Auch wenn dies nur eine Rückkehr zum langjährigen Durchschnitt bedeutet - gegenüber dem extrem niedrigen Durchschnitt von 11,1  im vergangenen Jahr kommt es einem Paradigmenwechsel gleich.

Was sind die Gründe für den Anstieg?

Koesterich: Verantwortlich sind die politischen Unsicherheiten, allen voran die Sorgen um die Handelsbeziehungen und eine möglicherweise schärfere Regulierung der Technologieriesen. Nach meiner Einschätzung sind hier aber auch noch andere Faktoren am Werk. So haben sich die Spreads, also die Risikoaufschläge, von Hochzinsanleihen geweitet. In der Vergangenheit haben sich diese Spreads parallel zur Volatilität an den Aktienmärkten entwickelt. Wenn sich die Spreads weiten, nimmt tendenziell auch die Volatilität zu. Andere weiter gefasste Finanzkennzahlen haben sich ebenfalls verändert. So hat sich der US-Libor-OIS-Spread in den letzten Monaten mehr als verdoppelt bei zugleich steigenden Langfristzinsen. Zum anderen läuft der Konjunkturmotor zwar auf Hochtouren, aber doch nicht so stark, wie einige gehofft hatten. Die meisten Frühindikatoren zum Wirtschaftswachstum sind offenbar solide, was allerdings bereits in den Kursen und den Erwartungen eingepreist ist. In den vergangenen Monaten scheinen Letztere den Wirtschaftsdaten vorauszueilen. Anders ausgedrückt, übertreffen die veröffentlichten Daten nicht mehr so häufig und in dem Maße die Erwartungen wie in der zweiten Jahreshälfte 2017. An den Märkten treffen Realität und Erwartungen jedoch aufeinander. Und je höher die Erwartungen, desto größer die Wahrscheinlichkeit für Enttäuschung und Verunsicherung. Unter dem Strich legen die Beobachtungen also nahe, dass die höheren Schwankungen anhalten, insbesondere im Vergleich zum Vorjahr.