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Experten

Schroders
Chinesische Polizeibeamte patrouillieren auf Elektro-Segways: Die Zahl batteriebetriebener Fahrzeuge, die in China verkauft wurden, hat sich 2019 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. | © Getty Images

Schroders Climate Progress Dashboard Immer mehr Chinesen fahren elektrisch

Die Zahl der Elektrofahrzeuge steigt, vor allem in China. Das könnte dazu beitragen, die Erderwärmung zu reduzieren, wie Messungen zeigen. Für Entwarnungen ist es jedoch zu früh, sagt Andrew Howard, Leiter für Nachhaltigkeitsforschung bei Schroders.

19.06.2019 - 12:28 Uhr | in Schroders

3,8 Grad Celsius – um so viel wird die globale Temperatur langfristig steigen, wenn die Klimaerwärmung wie bisher fortschreitet. „Was wenig erfreulich klingt, ist dennoch gut“, sagt Andrew Howard, Leiter Nachhaltigkeits-Research bei Schroders. Denn: Noch vor drei Monaten belief sich der errechnete Temperaturanstieg auf 3,9 Grad Celsius und war damit um 0,1 Grad höher. Das zeigen die Auswertungen des Climate Progress Dashboard von Schroders. Der Asset Manager hat das Tool entwickelt, um mithilfe von zwölf Indikatoren den Fortschritt im Kampf gegen den Klimawandel zu überwachen.

Zwei gegenläufige Entwicklungen in der globalen Wirtschaft seien demnach für das Ergebnis ausschlaggebend: Während eine steigende Nachfrage nach Elektroautos dazu beiträgt, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, geben wachsende Kapitalströme in den Öl- und Gassektor Grund zur Sorge und könnten den globalen Temperaturanstieg beschleunigen.

Elektromobilität: China an der Spitze

Emissionen durch Verkehrsmittel sind zwar geringfügiger als die der Industrie und Landwirtschaft. „Dennoch erzeugen Autos ein Zehntel der globalen Treibhausgase und tragen so zur Erderwärmung bei“, betont Howard. Erfreulich sei dagegen: Der Absatz von Elektroautos hat im ersten Quartal 2019 stark zugenommen. Global hat sich die Zahl verkaufter Elektroautos beinahe verdoppelt und in China hat sie sich im Vergleich zum Vorjahr sogar verdreifacht. Damit seien 5 Prozent aller in China verkauften Fahrzeuge elektrisch betrieben.

„Zwar lässt sich das Problem des Klimawandels nicht allein dadurch lösen, dass man beim Transport auf Strom umsteigt“, schränkt Howard ein. „Dennoch trägt der Umstieg dazu bei, Emissionen von Treibhausgasen zu verringern – besonders wenn man dabei auch in saubere Energien investiert, um die Fahrzeuge mit Strom zu versorgen.“

Der Boom im Verkauf elektrisch betriebener Fahrzeuge dürfte langfristig gesehen jedoch an Tempo verlieren. „Zumindest in China erwarten wir, dass die Zahlen wieder zurückgehen, denn die Regierung hat kürzlich die Subventionen für Neuwagen gekürzt und will diese bis zum Jahr 2020 komplett abschaffen“, sagt Howard. Dennoch sei das Wachstum der Branche beeindruckend. Allein im ersten Quartal 2019 sei die Zahl der verkauften Elektroautos um 80 Prozent gestiegen. „Mit dieser Geschwindigkeit erreichen batteriebetriebene Fahrzeuge eine Marktdurchdringung, die dazu beitragen könnte, den langfristigen globalen Temperaturanstieg auf 2,9 Grad Celsius zu reduzieren“, sagt Howard.

                                                                                        Quelle: IEA, Statista

Öl- und Gasindustrie will stärker wachsen

Neben der erfreulichen Entwicklung bei Elektroautos gibt es jedoch auch Tendenzen, die Klimaschützer wenig zuversichtlich stimmen. Daten von Thomson Reuters zeigen: Die Investitionen in den Öl- und Gassektor sind gestiegen. „Wir beobachten die Kapitalströme, die in den Sektor fließen“, betont Howard. Zieht man die natürliche Rückgangsrate aus den bestehenden Öl- und Gasfeldern ab, gibt die Investitionsrate Aufschluss darüber, inwieweit die Industrie in zukünftiges Wachstum investiert. „Die derzeitige Investitionsrate von fast 8 Prozent der Vermögenswerte des Sektors deutet darauf hin, dass die Nutzung fossiler Brennstoffe wachsen dürfte“, so Howard. Ein solcher Anstieg der Öl- und Gasproduktion könne dazu führen, dass die globale Erdtemperatur langfristig sogar um 5 Grad Celsius zunimmt.

Ob der Anstieg der Ölpreise in den vergangenen 18 Monaten die Produzenten dazu veranlassen wird, Investments zurückzuhalten, oder ob diese weiter steigen werden wie in den vorangegangenen Konjunkturzyklen, kann Howard nur mutmaßen. Für ihn steht fest: „Der Öl- und Gasbranche steht ein Wandel bevor. Denn sie wird sich in eine Welt fügen müssen, die sich immer weniger auf fossile Brennstoffe verlassen möchte und in der sowohl Politiker als auch Unternehmer sich zunehmend der Kosten des Klimawandels bewusst sind und diesen zu stoppen suchen.“

Disruption ist gefragt

Auch wenn die allgemeine Entwicklung in die richtige Richtung geht, muss gegen den Klimawandel noch mehr getan werden. „Um die Klimaziele von Paris zu erreichen und die globale Erwärmung auf 2 Grad Celsius zu reduzieren, ist der Fortschritt noch viel zu langsam“, warnt Howard. „Es braucht weitaus mehr und schnellere Veränderung und viel entschlossenere Maßnahmen. Wenn diese erst einmal ins Rollen kommen, wird sich keine Volkswirtschaft und kein Finanzmarkt entziehen können.“