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Brasiliens neuer Präsident und Hoffnungsträger Jair Bolsonaro: GAM setzt derzeit auf eine Übergewichtung in der neuntgrößten Volkswirtschaft der Welt | © Getty Images

Schwellenländeraktien Unterrepräsentiert, unterschätzt und unterbewertet

Weil Schwellenländer-Aktien in den Anlegerportfolios unterrepräsentiert sind und im Vergleich zu Industrieländer-Aktien als sehr vorteilhaft bewertet erscheinen, könnte die Anlageklasse zu einer beliebten Investmentalternative werden, erwartet Tim Love, Investment Director bei GAM Investments.

17.01.2019 - 09:14 Uhr | Von:  in Märkte

Das Jahr 2018 war für Aktien in Schwellenländern (Emerging Markets/EM) ein weiteres turbulentes Jahr, nachdem die Anlageklasse fünf Kurskorrekturen innerhalb von zehn Jahren hinnehmen musste. Auch dieses Jahr könnte angesichts der überladenen politischen Agenda von Volatilität geprägt sein. Da EM-Aktien in den Anlegerportfolios derzeit unterrepräsentiert sind und im Vergleich zu Aktien aus den Industrieländern als sehr vorteilhaft bewertet erscheinen, könnte sich die Anlageklasse als beliebte Investmentalternative herausstellen.

Einige Faktoren, die für steigende Gewinne und Bewertungen sprechen, schaffen 2019 gute Voraussetzungen für Anlagen in EM-Aktien. Die Handelskonflikte zwischen den USA und China und die Abwertung des chinesischen Yuan haben EM-Aktien in 2018 sehr zu schaffen gemacht. Die jüngsten Gespräche zwischen den beiden Ländern sowie die Vereinbarung, die ursprünglich für den 1. Januar angedrohten weiteren Strafzölle auf Eis zu legen, sind jedoch ein positives Signal. Auch wenn sich die Verhandlungen 2019 noch länger hinziehen dürften, halten wir eine Entschärfung für wahrscheinlich, da ein Verhandlungsstillstand weder für die USA noch für China von Vorteil wäre. Jeder Fortschritt bei den Gesprächen könnte sich in diesem Jahr als starker Impulsgeber für Schwellenländeraktien erweisen.

EM-Aktien dürften auch von einer Verlangsamung der Zinserhöhungspläne der US-Notenbank (Fed) profitieren. Der aufgrund steigender Zinsen stärkere US-Dollar und höhere Treasury-Renditen warfen ihre Schatten auch auf EM-Aktien. Insgesamt verzeichneten die Schwellenländer im Jahr 2018 ein positives Wachstum. Die gestiegenen Fremdkapitalkosten belasteten diejenigen Länder, die sich über Jahre hinweg zunehmend in US-Dollar verschuldet haben.

Wir glauben jedoch, dass sich die Anleger im Jahr 2019 dafür begeistern könnten, wieder EM-Positionen in ihre Portfolios aufzunehmen, vor allem weil die Anlageklasse mittlerweile relativ günstig ist, vorausgesetzt, die Fed schlägt mit ihrer Zinspolitik in naher Zukunft einen gemässigteren Kurs ein.

Abgesehen von externen Einflüssen bleiben wir optimistisch für EM-Aktien und erwarten aus folgenden Gründen weitere Kursgewinne: Zum einen zählt die Anlageklasse zu den letzten Investment-Grade-Nachzüglern. Für Anleger mit Value-, Growth- und Renditefokus ist dieses Universum attraktiv. Wir sind überzeugt, dass es in Bezug auf Bewertung und Gewinnsteigerung noch viel Luft nach oben gibt. Zum anderen sind wir der Auffassung, dass sich die Baisse von EM-Aktien ihrem Ende nähert. Die aktuelle Schwäche halten wir für einen guten Einstiegszeitpunkt. Was die Bewertungen von Schwellenländern betrifft, notiert der MSCI EM Index bei einem sehr niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter 10 gegenüber 11,85 zur gleichen Zeit im Vorjahr. Wir gehen davon aus, dass das KGV im Jahresverlauf auf etwa 14 steigen wird.