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Touristen in Schanghai: Möglicherweise kann die Volksrepublik den Handelskonflikt länger aussitzen als viele glauben  | © Getty Images

Signale vom Optionsmarkt USA dürften Handelskrieg mit China nicht so leicht gewinnen

Um die negativen Auswirkungen von Handelszöllen abzuwehren, stehen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping möglicherweise mehr Mittel zur Verfügung als seinem Gegenspieler im Weißen Haus, glauben Myron Scholes und Ash Alankar vom Adaptive Asset Allocation Team von Janus Henderson.

31.05.2019 - 12:06 Uhr | in Artikel

US-Präsident Donald Trump unterschätzte die Entschlossenheit des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, als er die Zölle auf Importe aus China im Wert von rund 200 Milliarden US-Dollar von 10 auf 25 Prozent erhöhte und seinem Gegenspieler in Peking empfahl, nicht mit gleicher Münze zu reagieren. Der Ratschlag fand kein Gehör.

Trumps Maßnahme und Chinas Reaktion darauf – die Einführung von Zöllen auf US-Exporte im Volumen von 60 Milliarden US-Dollar, womit jetzt amerikanische Ausfuhren im Wert von insgesamt 110 Milliarden US-Dollar betroffen sind – führten dazu, dass der S&P 500 Index am 13. Mai 2019 um 2,41 Prozent nachgab. Das war das deutlichste Tagesminus seit dem 3. Januar dieses Jahres. Daraus und aus dem Rückgang der Renditen 10-jähriger amerikanischer Staatsanleihen auf den niedrigsten Stand seit 2017 lässt sich nur folgern, dass die Anleger verunsichert sind, wie sich der jüngste Schlagabtausch in dem langwierigen Handelsstreit wohl auf das Wachstum der USWirtschaft auswirken wird.

Für die Nervosität an den Börsen gibt es gute Gründe. Wenngleich die Zölle China wegen seines Handelsüberschusses mit den USA (2018 waren es 379 Milliarden US-Dollar) zunächst mehr schaden, steht Peking keineswegs ohne Mittel zur Gegenwehr da. Möglicherweise kann die Volksrepublik die Probleme, die ihr der US-Präsident bereitet, länger aussitzen als viele glauben.  

Nach dem Urteil der Optionsmärkte sind chinesische Aktien attraktiver

Die Optionspreise, die wichtige Erkenntnisse über Veränderungen der kurzfristigen Marktrisiken vermitteln, signalisieren, dass Trump sich womöglich auf einen Kampf eingelassen hat, bei dem seine Chancen auf einen Sieg mit der Zeit eher kleiner als größer werden. Im S&P 500 und anderen US-Aktienindizes ist das Verhältnis des erwarteten Gewinnpotenzials (abzulesen an den Preisen von Kaufoptionen) zum erwarteten Verlustpotenzial (abzulesen an den Preisen von Verkaufsoptionen) in den letzten Tagen stark zurückgegangen. Infolgedessen gehören US-Aktien inzwischen zu den am wenigsten attraktiven Werten im Kreis der Industrieländer, und sie sind auch weniger attraktiv als die „A-Aktien“, die an der Börse von Schanghai gehandelt werden, und die in Hongkong notierten „H-Aktien“.

Zwischen dem 1. und dem 10. Mai ist das Verhältnis von Gewinn- zu Verlustpotenzial bei A-Aktien und im Hang Seng Index (in dem H-Aktien erhebliches Gewicht haben) um 5,5 Prozent auf 0,98 beziehungsweise 0,96 gesunken. Im gleichen Zeitraum verschlechterte sich dieser Kennwert für den S&P 500 um 13 Prozent auf 0,89. Mit anderen Worten: an den Optionsmärkten hat in den letzten Wochen ein Umdenken stattgefunden. Die Preise signalisieren nun, dass chinesische Aktien aus Sicht der meisten Marktteilnehmer ein potenziell besserer Kauf sind als US-Aktien.

Das mag zum Teil daran liegen, dass China anders als die USA eine Reihe von Gegenmitteln zur Verfügung hat, um mögliche negative Auswirkungen des Handelskriegs zu kompensieren. Sollte Präsident Xi aus politischen Motiven nicht gewillt sein, den USA Zugeständnisse zu machen, könnte Peking überdies die Suche nach einer Einigung verschleppen, da die Kosten, die ein solches Verhalten verursachen würde, vielleicht gar nicht so hoch wären. Dringend auf einen Erfolg angewiesen ist vielmehr die US-Seite, denn für sie gilt eine unverrückbare Deadline, auf die Präsident Trump absolut fokussiert ist: die US-Präsidentschaftswahlen des Jahres 2020.