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Traditionsfest in Peking | © Pixabay

Studie Chinas Pro-Kopf-Kupferbestand hat sich seit 1990 verachtfacht

Die boomende Wirtschaft Chinas spiegelt sich im steigenden Bedarf nach wichtigen Rohstoffen wider. Vor allem der Kupferbedarf steigt kräftig – das geht aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung hervor.

08.06.2018 - 10:46 Uhr | Von:  in Märkte

Der rasante Aufstieg Chinas zum global wichtigsten Produktionsstandort spiegelt sich auch in der Nutzung wichtiger Rohstoffe wie Kupfer wider. Im Kontext einer weltweit wachsenden Nachfrage wird daher ein systematisches Verständnis der Kupferbestände und -ströme immer wichtiger. Bis heute wurde aber kein Versuch unternommen, Chinas Kupferströme im Detail abzubilden und gleichzeitig diejenigen Wirtschaftssektoren mit der stärksten Nachfrage zu benennen.

Um diese Forschungslücke zu schließen, hat ein deutsch-chinesisches Forscherteam unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI und Beteiligung des Instituts für Aufbereitung, Deponietechnik und Geomechanik (IFAD) der TU Clausthal, der School of Environmental Science and Engineering an der Shanghai Jiao Tong University sowie des College of Economics and Management der Nanjing Forestry University eine neue Studie zur Abbildung der chinesischen Kupferströme realisiert. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Cleaner Production unter dem Titel „The Chinese Copper Cycle: Tracing Copper through the Economy with Dynamic Substance Flow and Input-Output Analysis“ veröffentlicht.

Zunächst analysierten die Forscher die Ströme und Bestände von Kupfer in China zwischen den Jahren 1990 und 2015. Die Ergebnisse kombinierten sie mit einer Input-Output-Analyse. Dadurch lassen sich die Kupferströme im Verhältnis zum chinesischen Wirtschaftssystem darstellen. „Unsere dynamische Analyse der chinesischen Kupferströme basiert auf Industrie- und Handelsdaten, die die gesamte Wertschöpfungskette vom Kupferabbau bis zum Recycling sowie zugehöriger Im- und Exporte erfassen. Dies ermöglicht eine sehr detaillierte Darstellung der Kupferbestände und -ströme in China, insbesondere im Hinblick auf Endprodukte und Kupferschrott“, sagt Luis Tercero Espinoza, Mitautor der Publikation.

Chinas Kupferbestand steigt

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass Chinas Pro-Kopf-Kupferbestand von rund 7 Kilogramm im Jahr 1990 auf fast 60 kg im Jahr 2015 angestiegen ist. Im gleichen Zeitraum sind die Kupferimporte von rund 0,65 Millionen Tonnen pro Jahr auf knapp 10 Millionen gestiegen. Matthias Pfaff, der am Fraunhofer ISI ebenfalls zum Thema Rohstoffe forscht, erklärt eine Besonderheit des chinesischen Kupferzyklus: „Ein großer Teil – etwa 1,4 Millionen Tonnen – der chinesischen Kupfereinfuhren besteht aus Schrott. Die Kupferausfuhren dagegen bestehen vornehmlich aus Zwischengütern und -produkten. Dies bedeutet, dass der größte Teil des Aufstiegs Chinas auf dem Export von Komponenten basiert, die in einen anderen Teil der Welt gebracht und dort fertiggestellt werden.“

Die zusätzlich durchgeführte Input-Output-Analyse identifizierte zudem die Treiber der chinesischen Kupfernachfrage: Neben dem Bausektor und der elektrischen Ausrüstung sind unter anderem Dienstleistungssektoren wie der Gesundheitsbereich für einen erheblichen Teil des Kupferbedarfes verantwortlich. Um diesen in Zukunft zu decken, spielen Sekundärkupfer aus heimischem Altschrott und ein effizienteres Kupferrecycling, das die heutige End-of-Life Recyclingquote von rund 55 Prozent übersteigt, eine wichtige Rolle.