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Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management: „Fokus auf Income-Strategien.“  | © J.P. Morgan AM

Tilmann Galler, J.P. Morgan Asset Management „Eine Rezession ist unwahrscheinlich“

In der Vergangenheit haben sich die Aktienmärkte nach einem derart starken Einbruch wie Ende 2018 selten so schnell wieder erholt. Die Geldpolitik hat daran einen entscheidenden Anteil, sagt Tilmann Galler von J.P. Morgan Asset Management.

03.05.2019 - 13:55 Uhr | in Märkte

Die Kapitalmärkte zeigten sich im ersten Quartal 2019 ruhig. Nach Beobachtung von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt, haben sich in der Vergangenheit die Aktienmärkte nach einem derart starken Einbruch wie Ende 2018 selten so schnell wieder erholt wie es zuletzt der Fall war. „Die Geldpolitik hat einen entscheidenden Anteil an der schnellen Erholung der Aktienmärkte“, erklärt Galler. Die klare Äußerung der US-Notenbank (Fed) auf ihrer März-Sitzung, bis Ende des Jahres keine weiteren Zinserhöhungen vorzunehmen, habe die Märkte beflügelt.

Es stellt sich nun die Frage, wie Anleger sich in diesem Marktumfeld positionieren sollten. Rund um seinen 'Guide to the Markets' für das zweite Quartal 2019 erläutert Galler die Themen, die für die weitere Entwicklung der Märkte relevant sind: die Stimmung der US-Konsumenten, politische Risiken vor allem in Europa, die Kehrtwende der US-Notenbankpolitik sowie die Invertierung der Zinsstrukturkurve. Eine nachhaltige Rally an den Märkten könne sich nach Ansicht Gallers jedoch nur nach einer Trendwende bei den Unternehmensgewinnen etablieren.

USA: Stabilität des Arbeitsmarkts bleibt der Schlüssel

In den USA war das Verbrauchervertrauen insbesondere im Dezember 2018 sowie im Januar 2019 stärker geschwunden. Für die Bewertung der Situation gilt es jedoch, einen Blick auf den Arbeitsmarkt zu richten, da es eine enge Korrelation zwischen Verbrauchervertrauen und Arbeitslosenquote gibt. Demnach war die Situation am US-Arbeitsmarkt Anfang 2019 eher enttäuschend: Im Februar wurden beispielsweise lediglich 20.000 neue Stellen geschaffen. Angesichts eines allmählich steigenden Lohndrucks sähen Unternehmen zunehmend davon ab, mehr Personal einzustellen. Dass sich der positive Trend etwas verlangsamt, sei für den US-Zyklus in der Spätphase jedoch natürlich.

Insgesamt gebe die Situation jedoch keinen Anlass zur Sorge: „Die nach wie vor sehr niedrige Arbeitslosenquote von lediglich 3,8 Prozent im Februar 2019 zeigt, dass der US-Arbeitsmarkt weiterhin stabil ist. Wir bleiben daher verhalten optimistisch für den Konsum und das Wachstum der US-Wirtschaft“, sagt Galler.

Politische Risiken bleiben besonders für Europa relevant

Eine mögliche Eskalation im Handelskonflikt sowohl zwischen den USA und China als auch zwischen den USA und Europa ist Galler zufolge derzeit die größte Herausforderung an den Finanzmärkten. Die Eurozone könnte dadurch ins Kreuzfeuer des Konflikts geraten. Zudem könnte sich die Situation in Italien ebenfalls negativ auf die Märkte auswirken. Gemäß aktuellen Umfragen hat sich die Stimmung in der italienischen Bevölkerung mit Blick auf die beiden Koalitionsparteien – die rechte Lega Nord sowie die linke Fünf-Sterne-Bewegung – inzwischen deutlich zugunsten der Lega Nord gedreht. Dies könnte unter Umständen den Ruf nach Neuwahlen aus diesem Lager lauter werden lassen. „Die Sorgen um Italien lassen sich an den Rentenmärkten bereits deutlich ablesen; die Spreads zehnjähriger italienischer Staatsanleihen sind gegenüber deutschen Staatsbonds in den letzten Monaten in die Höhe geschnellt “, erläutert Galler.

Eher geringes Potenzial für Auswirkungen auf die Märkte sieht Galler bei der im Mai stattfindenden Europawahl. Zwar könnte es sein, dass euroskeptische Parteien hinzugewinnen, doch sei nicht mit einer Unregierbarkeit in Straßburg zu rechnen. Allenfalls könnte die Koalitionsbildung schwieriger werden. Das Thema Brexit sieht Galler ebenfalls nicht als großen Risikofaktor an. Die Märkte dürften seiner Meinung nach von einem harten Brexit verschont bleiben, da dies auch vom britischen Parlament nicht gewünscht sei.