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Chinesische Windräder: Beim Impact Investing fokussieren Fondsmanager die Wirkung der erstellten Produkte und Dienstleistungen auf Umwelt und Gesellschaft | © Getty Images

UBS-Spezialist Karsten Güttler über Impact Investing „Anlageerfolg durch Messbarkeit“

Immer mehr Anleger wollen nicht nur Rendite erzielen, sondern ihr Kapital auch für einen guten Zweck einsetzen. Impact Investing bietet die Möglichkeit, messbar im Einklang mit Natur und Mensch zu investieren. Karsten Güttler, Spezialist für nachhaltige Investitionen bei UBS, erklärt das Konzept.

12.06.2018 - 09:38 Uhr | Von:  in Fonds

Herr Güttler, was genau sind Impact Investments?

Karsten Güttler: Hinter Impact Investments oder wirkungsorientierten Anlagen steht der Anspruch, Renditen zu erzielen und gleichzeitig einem höheren Zweck zu dienen, der in seinen Wirkungen auch gemessen wird. Im Grunde geht es um die Lösung von ökologischen und sozialen Problemen, die noch nicht oder nur in Ansätzen in Angriff genommen wurden. Vor zehn Jahren war das Konzept noch einem engen Investorenkreis vorbehalten. Inzwischen ist es der am schnellsten wachsende Zweig nachhaltiger Investitionen.

Wie kommt das?

Güttler: Ursprünglich kommt das Konzept aus dem Private Equity Bereich. Durch die volle Kontrolle über das Unternehmen können Investoren hier leicht Einfluss auf Projekte nehmen und sie in eine nachhaltige Richtung lenken. Vor ungefähr drei Jahren erreichte Impact Investing über die Börsen dann den breiten Markt. Investitionen in börsennotierte Unternehmen haben den Vorteil, dass es keine Sperrfrist für den Aktienverkauf gibt. Das schafft Flexibilität für Anleger beim Management ihrer Impact-Anlagen.

Konzentrieren sich Impact Investments auf bestimmte Themen?

Güttler: Ja – zumindest aktuell. Wir stellen in Anlehnung an die UN-Klimaziele die Bereiche Klimawandel und Reduktion von Verschmutzung und Emissionen, Wassermangel, Nahrungsmittelsicherheit und Gesundheitsversorgung in den Fokus.

Bei nachhaltigen Finanzanlagen denken viele Investoren vor allem an ESG-Investments. Wie unterscheidet sich Impact Investing davon?

Güttler: Bei ESG-Anlagen geht es eher um langfristige Wertschaffung und in Teilen um ethisches Wirtschaften, beim Impact Investing fokussieren Fondsmanager auch auf die Wirkung der erstellten Produkte und Dienstleistungen auf Umwelt und Gesellschaft, zum Beispiel gemessen an ihrem Beitrag zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele. Das investierte Vermögen soll in Unternehmen fließen, die nicht nur nachhaltige Produkte anbieten, sondern auch wirklich positive soziale und ökologische Wirkung damit erzielen. Ausschlaggebend ist, dass der Einfluss auf Gesellschaft und Natur messbar ist.

Wie überprüfen Sie die Wirkung von Investitionen?

Güttler: Um Investitionsentscheidungen zu treffen, prüfen wir Geschäftsmodelle und Projekte genau. Von tausend Unternehmen bleiben für uns aktuell meist nur 100 übrig, die wirklich infrage kommen. Im Fall eines Herstellers von Wasseraufbereitungsanlagen beispielsweise messen wir die Qualität der Produkte und berechnen – geografisch adjustiert – Einflüsse auf die Gesundheit von Mensch und Natur. Die Frage ist, wie viele Personen und Unternehmen durch eine Investition Zugang zu sauberem Wasser bekommen und von Krankheiten verschont bleiben. Unsere Partner verpflichten sich, bestimmte Geschäftspraktiken einzuhalten und regelmäßig Fortschrittsberichte vorzulegen. Um sicherzustellen, dass die Wirkung der Projekte umfassend erfasst wird, setzen wir auf stringente Kommunikation und Weiterbildung. Wissenschaftler der City University of New York und der Harvard University unterstützen dabei. Die Kooperation hebt Impact Investing wissenschaftlich fundiert auf eine höhere Ebene. Mensch und Natur sollen schließlich wirklich vom  Mehrwert profitieren.