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Ufuk Boydak, Vorstandsvorsitzender und Fondsmanager bei LOYS: „Langfristig profitieren Anleger vor allem von Aktien.“ | © LOYS AG

Ufuk Boydak im Interview „Die rückwärtsgerichtete Mathematisierung von Risiken ist fatal“

Ufuk Boydak, Vorstandsvorsitzender der LOYS AG, rät zu Anlagen in Aktienfonds – jedoch nur unter speziellen Sicherheitsbedingungen. Dazu zählen unter anderem Future-Positionierungen.

07.05.2018 - 16:46 Uhr | Von:  in Fonds

Herr Boydak, was halten Sie allgemein von Mischfonds?

Ufuk Boydak: Mischfonds leiden schon seit längerem unter dem Problem, dass sie auf der Anleiheseite kaum noch nennenswerte Renditen erwirtschaften können. Der Rentenmarkt hat eine 30-jährige Hausse gesehen, die ihr Ende im Nullzinsumfeld gefunden hat. Die attraktive Wertentwicklung der klassischen Mischfonds kann daher nicht fortgeschrieben werden. Zudem besteht auf der Anleiheseite aufgrund einer Trendwende am Zinsmarkt das Risiko von Kursverlusten, wie sie schon am amerikanischen Markt zu beobachten waren. Das heißt, die Rendite von Mischfonds muss heute im Wesentlichen am Aktienmarkt erwirtschaftet werden. Hinzu kommt das Risiko, dass Aktien- und Rentenmärkte parallel korrigieren und nicht mehr in der Art gegenläufig korrelieren, wie es in der Vergangenheit der Fall war. Schon heute kann man diese Entwicklung an der schwachen Wertentwicklung der großen Mischfonds in den vergangenen zwei bis drei Jahren ablesen.

Welches Marktumfeld eignet sich für Mischfonds, welches nicht?

Boydak: Vor allem benötigen Mischfonds freien Marktzins, damit die Risikoreduktion im Portfolio durch die Mischung von Aktien und Anleihen auch wirklich funktionieren kann. Dieser freie Marktzins wurde allerdings durch die Notenbanken im Nachgang zur großen Finanzkrise beseitigt und hat für steigende Korrelationen zwischen den Aktien- und Rentenmärkten gesorgt. In diesem Zuge haben Mischfonds einige Jahre doppelt profitiert, da die Zinsen aufgrund des massiven globalen Aufkaufs von Staatsanleihen durch die Notenbanken gegen Null konvergierten und Anleihekurse auf Rekordniveaus stiegen. Auch der Aktienmarkt wurde hierdurch positiv beeinflusst. Es gab nicht viele Alternativen zu Aktien. Noch heute ist die Anlageklasse im Vergleich zu Anleihen so attraktiv wie selten zuvor.

Im Ergebnis haben Mischfonds in den Jahren nach der Finanzkrise eine überdurchschnittliche Wertentwicklung abgeliefert. Als die zehnjährigen Bundesanleihen im Juni 2016 jedoch erstmals negativ rentierten, war das Ende der Fahnenstange erreicht. Die gestiegenen Korrelationen zwischen den Aktien- und Rentenmärkten kommen nun als Bumerang zurück und drohen, die Performance zu verhageln. Denn so wie die Märkte im Gleichlauf gestiegen sind, könnten sie heute gleichzeitig korrigieren und zu überdurchschnittlichen Verlusten bei Mischfonds führen. Im heutigen Marktumfeld funktionieren Mischfonds nicht mehr und bergen deutlich erhöhte Risiken. Anleger sollten bei einer Investition in einen Mischfonds sehr genau auf die Strategie der Rentenseite achten und analysieren, auf welchem Weg hier Renditen in der Vergangenheit erwirtschaftet wurden.