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Talib Sheikh, Fondsmanager bei Jupiter Asset Management: „Das US-Wachstum dürfte sich in den nächsten zwei bis drei Jahren eher beschleunigen.“ | © Jupiter AM

US-Assets „Der US-Hochzinsmarkt bietet viele spannende Möglichkeiten“

Die US-Wirtschaft boomt, den Anlegern gefällt, was sie sehen. Sie kaufen US-Vermögenswerte zulasten anderer Märkte und ermöglichen es der US-Wirtschaft so, ihren Konkurrenten davonzuziehen, kommentiert Talib Sheikh, Fondsmanager des Jupiter Flexible Income SICAV bei Jupiter Asset Management.

09.10.2018 - 11:00 Uhr | Von:  in Märkte

Die US-Wirtschaft boomt gerade: Die Arbeitslosenzahlen sind auf ihren tiefsten Stand seit 44 Jahren gefallen, die Inflation bleibt relativ niedrig und das Wirtschaftswachstum war im zweiten Quartal dieses Jahres so stark wie seit fast vier Jahren nicht. Die wachstumsfreundliche Politik von Donald Trump, einschließlich der 1,5 Billionen US-Dollar schweren Steuersenkungen, die der US-Präsident verordnet hat, scheint demnach Wirkung zu zeigen.

„Niemand ist eine Insel“ – Amerika aber vielleicht doch

Es stellt sich allerdings die Frage, ob all dies in den USA so weitergehen kann, wenn alle Volkswirtschaften um sie herum – Industrie- und Schwellenländer eingeschlossen – bestenfalls ein schleppendes Wachstum verzeichnen oder, im schlimmsten Fall, mit einer Rezession bis hin zum finanziellen Kollaps zu kämpfen haben. Die Finanzmärkte haben diese Frage bisher mit einem klaren „Ja“ beantwortet. Der S&P 500 Index flirtet weiter mit Allzeithöchstständen, was darauf hindeutet, dass sich die USA den Problemen der Welt wohl entziehen können.

Skeptiker verweisen gerne auf die flacher verlaufende US-Treasury-Kurve als Indiz dafür, dass sich das US-Wirtschaftswachstum abschwächt; ihr Augenmerk liegt dabei üblicherweise auf der Differenz zwischen den Zinsen, die für zwei- und zehnjährige US-Staatsanleihen bezahlt werden. Wir dagegen finden, dass die Renditekurve im Bereich zwischen dreimonatigen Schatzwechseln („Treasury Bills“) und zwei- bzw. fünfjährigen Treasurys einen besseren Aufschluss über die aktuelle Verfassung der Wirtschaft gibt. Diese beiden Benchmarks liefern uns Informationen über die Nettozinsmargen der Banken und signalisieren derzeit, dass sich das Wachstum in den nächsten zwei bis drei Jahren eher beschleunigen dürfte.

Hochzinsanleihen: Wer kann da widerstehen?

Unter diesen günstigen Bedingungen bietet der US-Hochzinsmarkt aus unserer Sicht viele spannende Möglichkeiten. Bei den meisten globalen Assets lassen sich derzeit angesichts der hohen Bewertungen nur schwer gute Argumente dafür finden, warum hier noch großes Wertpotenzial vorhanden sein sollte. US-amerikanische Hochzinsanleihen erscheinen dabei mit Renditen von 6 bis 6,5 Prozent relativ attraktiv. Ohnehin ist es im Hochzinssegment nicht unbedingt die Bewertung, die schwer wiegt, sondern eher die Vorstellung, dass die USA in eine Rezession abgleiten und in der Folge die Ausfallraten anziehen könnten. Das ist aber nicht unser Basisszenario.

Für US-amerikanische Aktien gilt weiterhin, dass sie inzwischen relativ teuer sind. Dabei sollten wir jedoch nicht vergessen, dass die Unternehmen in den USA mit einem Gewinnsprung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr für das zweite Quartal gerade eine beeindruckende Berichtssaison abgeschlossen haben. Es stimmt zwar, dass die US-Indizes höher notieren, sie tun dies aber nur unwesentlich. Vielmehr haben seit der Markteuphorie von Ende Januar die Bewertungen amerikanischer Aktien sogar leicht nachgegeben. So ist der Markt gemessen an den Gewinnen, die die Unternehmen erwirtschaften, derzeit relativ günstig. Daher werden wir wohl auch weiterhin einen Schwerpunkt auf US-Aktien legen.

US-Notenbank: Abschöpfung der globalen Liquidität

Außerhalb der USA gilt es, Vorsicht walten zu lassen. Wie Warren Buffett einmal so schön sagte: Erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer nackt schwimmt. Die Ebbe setzt gegenwärtig quer durch die Weltwirtschaft ein und fördert dabei so krisenbehaftete Länder wie die Türkei und Argentinien zutage. Nun mögen manche argumentieren, dass diese Ereignisse idiosynkratischer Natur und die Probleme dieser Länder hausgemacht sind. Wir aber halten sie eher für das Ergebnis der Bemühungen, die globale Überschussliquidität abzuschöpfen, eingeleitet durch die Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed und ihren Kurswechsel hin zu einer quantitativen Straffung der Geldpolitik.

Den Schwellenländern droht indessen weiteres Ungemach, da die US-Wirtschaft in nächster Zeit im Aufwind bleiben dürfte und sich mit dem weiter steigenden US-Dollar auch die Rückzahlung der auf Dollar lautenden Schulden entsprechend verteuert.