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Mahnwache für Schmerzmittel-Tote auf Staten Island in New York City: Alleine hier starben im vergangenen Jahr mehr als 100 Süchtige an einer Überdosis opioidhaltiger Schmerzmittel | © Getty Images

US-Pharmaindustrie Opioid-Krise lässt Pharma-Aktionäre zittern

Zehntausende US-Bürger sterben jährlich an Opioiden (synthetisch hergestellte Schmerzmittel mit Morphium-ähnlicher Wirkung). Millionen werden süchtig und steigen auf Heroin um. Doch jetzt geht es Herstellern und Vertreibern an den – wirtschaftlichen – Kragen. Der Finanzmarktdienstleister MSCI analysiert die Auswirkungen eines skrupellosen Milliardengeschäfts.

09.04.2018 - 18:33 Uhr | Von:  in Aktien

Die Opioidkrise trifft die Volkswirtschaft ins Mark. Kosten für Notfalleinsätze, Entzugsmaßnahmen, das Gesundheitssystem und die gesamte Gesellschaft gehen in die Milliarden. Drogen, ob mit oder ohne Rezept, sind inzwischen die Hauptursache für den Tod von Amerikanern im Alter bis 50 und für die sinkende Lebenserwartung im Land. Jetzt sollen Hersteller und Vertreiber verschreibungspflichtiger Opioid-Schmerzmittel endlich zur Verantwortung gezogen werden. Ihnen drohen Strafen und Schadensersatzforderungen, die sogar die Unternehmen bedrohen könnten.

Verharmloste Suchtgefahr und aggressives Marketing

Betroffen sind Hersteller, Zwischenhändler, Einzelhändler und Versicherer. Ihnen wird vorgeworfen, die Suchtgefahr verharmlost, aggressives Marketing betrieben und aus Gewinnsucht auf die billigen Opioide statt auf weniger gefährliche Schmerzmittel gesetzt zu haben. Vor wenigen Wochen waren 24 börsengelistete Hersteller in Opioid-Prozesse verwickelt. Sie repräsentieren 0,3 Prozent des Kapitalvolumens des MSCI ACWI IMI. Zehn der 24 Fälle wurden als „schwer“ eingestuft; dazu zählen Klagen gegen Johnson & Johnson (J&J), Depomed, Mylan, Insys, Mallinckrodt, Endo, Teva, Allergan, McKesson und CVS Health.

Bereits Hunderte Anklagen erhoben

So hat – nur ein Beispiel eines besonders betroffenen Staates – der Generalstaatsanwalt von Ohio Anklage erhoben gegen J&J, Allergan, Teva Pharmaceutical, Purdue Pharma und Endo Health Solutions. Zwischen 2011 und 2015 wurden in Ohio, so die Anklageschrift, fast vier Milliarden Opioid-Pillen verschrieben. In anderen Staaten sieht es kaum besser aus. Mehrere hundert Anklagen auf Staats- und Kommunalebene wurden erhoben in Mississippi, Illinois, New York, California, Oklahoma und Tennessee.