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Alexis Freyeisen von UBS Asset Management Zürich: „Schwellenländer betreiben immer mehr Handel untereinander. “   | © UBS Asset Management

Alexis Freyeisen über Investitionen in Schwellenländern „Das Risiko ist nicht mehr so hoch wie vor zehn Jahren“

Investitionen in Schwellenländern sind riskanter als in etablierten Märkten, so die landläufige Meinung. Alexis Freyeisen, Capability Manager bei UBS Asset Management Zürich, hält die These für überholt: Die Wirtschaftsstrukturen haben sich in den vergangenen Jahren rapide geändert.

22.05.2019 - 12:54 Uhr | in Märkte

multiasset.com: Herr Freyeisen, was machen Sie als erstes, wenn Sie morgens ins Büro kommen?

Alexis Freyeisen: Ich schaue, was nachts an den asiatischen Märkten passiert ist. Portfolios steuere ich zwar langfristig, Investoren haben aber oft Fragen zu aktuellen Ereignissen. Darauf bereite ich mich vor.

Sie sind also auf Asien spezialisiert?

Freyeisen: Nicht nur, ich kümmere mich generell um Schwellenländer. Asien ist aber als Kontinent derzeit für Investoren am Interessantesten.

Warum ist Asien interessant?

Freyeisen: Das Wachstumspotenzial ist dort im Vergleich zu anderen Regionen hoch. Indonesien, Vietnam und die Philippinen befinden sich in einer frühen Phase des Wirtschaftszyklus. In diesen Ländern steigt die Produktivität rapide. Zudem gibt es keine demographischen Probleme, weil die Einwohner im Durchschnitt jung sind.

Was halten Sie von Indien und China?

Freyeisen: Indien bietet Investitionschancen für Anleger. Das Einkommen der Inder steigt, deshalb ist vor allem der Konsumsektor interessant. Da rund eine Milliarde Inder inzwischen mobil im Internet surfen, bieten auch neue Technologien Anlagechancen. In China ist die demographische Lage zwar nicht so gut wie in Indien, doch die Wirtschaft boomt ebenso. Im Zentrum steht inzwischen nicht mehr nur der Güterexport in alle Welt. Chinesen konsumieren selbst von Jahr zu Jahr mehr. Dienstleistungen – auch im Gesundheitssektor – werden immer wichtiger. In den kommenden Jahren dürfte die Wachstumsrate bei 3 bis 4 Prozent liegen. Interessanterweise setzen Investoren inzwischen Wertpapiere aus China in Portfolios als feste Komponente ein.

Investoren sind in China aber noch an Wachstumsraten von 7 Prozent und mehr gewöhnt.

Freyeisen: Stimmt. Das ist aber utopisch. 3 bis 4 Prozent sind immer noch mehr als in Europa und den USA, wo das Plus bei rund 2 Prozent pro Jahr liegt.

Widerstehen Schwellenländer heute externen Schocks besser als vor zehn Jahren?

Freyeisen: Vor zehn Jahren hingen Schwellenländer noch am Tropf des US-Dollars. Kam die US-Währung ins Schlingern, stürzten meist auch die Börsenkurse in Schwellenländern ab. Grund war der hohe Verschuldungsgrad in US-Dollar. Heute haben viele Schwellenländer Schulden in eigener Währung. Außerdem haben die Staaten eine stärkere Binnenwirtschaft und betreiben mehr Handel untereinander.

Aber der Handel mit Europa und Nordamerika ist immer noch stark ausgeprägt.

Freyeisen: Ja, teilweise schon. Taiwan und Südkorea haben sehr offene Volkswirtschaften. Diese Länder handeln intensiv mit Europa und den USA und hängen damit stark von der Weltwirtschaft ab.

Wie gehen Sie mit politischen Risiken in Schwellenländern um?

Freyeisen: Vorsichtig. In der Regel sorgen Wahlen aber nur kurz für Kursschwankungen an den Weltbörsen. Politische Risiken für Investoren gibt es im Übrigen nicht nur in Schwellenländern. Auch in den USA und teilweise in Europa beobachte ich eine Tendenz zu autoritären Machtstrukturen. Denken Sie nur an den Politikstil von Donald Trump und die Wirkung seiner Twitter-Posts auf Aktienkurse.

Aber die rechtliche Sicherheit ist für Investoren in entwickelten Ländern immer noch höher als in Schwellenländern.

Freyeisen: Da kann ich nicht widersprechen.

Welche Rolle spielt der Handelskonflikt zwischen den USA und China bei Ihren Investitionsentscheidungen?

Freyeisen: Der Handelskonflikt kann Börsenkurse ins Schwanken bringen, das haben wir ja in den vergangenen Wochen oft beobachtet. Bei UBS Asset Management gehen wir davon aus, dass es bald ein Abkommen zwischen den USA und China gibt. Schließlich schadet der Konflikt beiden Ländern. Der Deal wird wahrscheinlich beinhalten, dass China mehr Waren aus den USA kauft.